Zurück
In der Runde der letzten 32 war für Andre Bertelsmeier bei der Tischtennis-EM nichts zu holen. Der Hammer tat sich im Anschluss schwer mit einem Fazit.
Hamm – Die Analyse fiel schonungslos aus. „Er hat mir ziemlich klar aufgezeigt, dass er der bessere Spieler ist“, sagte Andre Bertelsmeier, nachdem er bei den Tischtennis-Europameisterschaften in Ljubljana (Slowenien) ausgeschieden war. Es dürfte Bertelsmeier getröstet haben, dass sein Gegner nicht irgendwer war – sondern Truls Moregardh. Der Olympiazweite aus Schweden dominierte den gebürtigen Hammer in der Runde der letzten 32 der EM in vier Sätzen, wobei immerhin die letzten beiden Durchgänge knapp verliefen.
Die Erkenntnis, gegen einen übermächtigen Gegner ausgeschieden zu sein, erschwerte Bertelsmeier ein klares Resümee seiner Turniertage in Sloweniens Hauptstadt. „Ich weiß gar nicht, ob ich zufrieden sein soll oder nicht“, urteilte der Rechtshänder. Gerade das Ergebnis gegen Moregardh, den er auf der internationalen Turniertour WTT im Juli in Las Vegas immerhin schon mal in den Entscheidungssatz gezwungen hatte, sei zwar „einfach zu deutlich“ ausgefallen. Doch Bertelsmeier, der am kommenden Sonntag 21 Jahre alt wird, wusste eben auch: Ist der schwedische Ausnahmekönner in Spiellaune, sind gegen ihn schon ganz andere chancenlos aus der Box gestiegen. „Wenn ich ihn später im Turnier bekomme, komme ich vielleicht eine Runde weiter, aber scheide trotzdem gegen ihn aus“, sagte Bertelsmeier über sein anspruchsvolles Zweitrunden-Los.
Auf der Habenseite hatte der Bundesligaspieler des bayrischen Clubs TSV Bad Königshofen einen Erfolg im Generationenduell mit Robert Gardos in der 1. Hauptrunde: Gegen den österreichischen Routinier, der mit 47 Jahren ältester EM-Teilnehmer war, aber noch immer zur erweiterten europäischen Spitze zählt, hatte sich der Hammer in der Stozice-Arena einen respektablen Sieben-Satz-Sieg erkämpft. „Das Spiel habe ich mir reingebogen. Das war eine ziemlich gute Leistung von mir“, sagte Bertelsmeier.
Mehr schon haderte der Rechtshänder, der einst bei Westfalia Rhynern mit dem Tischtennis begonnen hatte und später für den TTC GW Bad Hamm in der 2. Bundesliga spielte, mit dem Abschneiden in der Doppel-Konkurrenz. Erst wenige Tage vor Turnierstart war Bertelsmeier mit seinem Partner Wim Verdonschot (Borussia Dortmund) noch ins Feld gerutscht, weil sein Nationalmannschaftskollege Dimitrij Ovtcharov (Fulda) seinen Start in Ljubljana verletzungsbedingt hatte absagen müssen – und damit auch sein geplantes Doppel mit Patrick Franziska (Saarbrücken) platzte. Bertelsmeier und Verdonschot, ein eingespieltes Paar und gemeinsam amtierende U21-Europameister im Doppel, waren mit einem Sieg über die polnisch-portugiesische Kombination Mateusz Zalewski/Tiago Abiodun gut ins Turnier gestartet.
Eine EM ist für mich noch immer eine Veranstaltung, bei der ich lernen kann und muss.
Im Achtelfinale aber ereilte sie das Aus gegen die moldauischen Qualifikanten Andrei Putuntica/Vladislav Ursu. Die Fünf-Satz-Niederlage nach einer 2:1-Satzführung wirkte nach, zumal die Moldauer später ins Halbfinale einzogen. Sie gewannen die Medaille, die auch für Bertelsmeier/Verdonschot in Reichweite lag. „Wir hätten zumindest in der nächsten Runde noch eine gute Chance gehabt“, sagte Bertelsmeier: „Das war sehr, sehr bitter.“
Gleichwohl wusste der Bundesligaspieler, dass er nicht mit leeren Händen aus Slowenien abreiste. „Eine EM ist für mich noch immer eine Veranstaltung, bei der ich lernen kann und muss“, sagte er. Bei seiner ersten EM-Teilnahme 2024 in Linz war der Stern des Hammers aufgegangen, als er unerwartet ins Achtelfinale stürmte und dort dem französischen Wunderkind Felix Lebrun ein enges Spiel bot.
Seitdem hat sich Bertelsmeier Schritt für Schritt im Nationalmannschaftskader von Bundestrainer Jörg Roßkopf etabliert. Im Mai gehörte er zum Aufgebot bei der Team-WM in London, im Juni wurde er U21-Europameister im Einzel und kratzt mittlerweile an einer Top-50-Platzierung der Weltrangliste. Er wolle, sagte der Hammer nach der EM, die Erfahrungen aus Ljubljana mitnehmen und nutzen. „Hoffentlich dann für die nächsten Europameisterschaften.“