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Mainz 05 auch das vierte Heimspiel in dieser Saison nicht gewinnen. Beim 2:3 gegen Bremen verdient sich die Mannschaft das Pech. Hält die Erfolgsbilanz in fremden Stadien im DFB-Pokal in Bochum?
Allmählich nervt’s. Die Spieler, die Trainer, die Sportliche Leitung und auch die Fans. Wer angesichts der seit April anhaltenden Heimspielmisere des FSV Mainz 05 auf einen Grönemeyer-Effekt („Zeit, dass sich was dreht“) gehofft hatte, wurde enttäuscht. Den Soundtrack zur Partie gegen Werder Bremen lieferte stattdessen Spliff: „Déjà-vu“.
„Es wiederholt sich“, monierte ein sichtlich angefressener Urs Fischer nach der 2:3-Niederlage, dem vierten nicht gewonnenen Spiel in der eigenen Arena in dieser Runde, dem siebten saisonübergreifend. Der Trainer meinte die erste halbe Stunde, in der seine Mannschaft wie schon gegen den SC Paderborn, Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen weit weg von allem war, was sie an guten Tagen auszeichnet.
Seine Aussage galt darüber hinaus aber auch für das dritte Gegentor nach einer Stunde: Wie der Bremer Verteidiger Arthur sich an der linken Seitenlinie gegen Caci durchsetzte, „war viel zu einfach für die Erste Bundesliga“, kritisierte Fischer. Dass der den Angriff abschließende Distanzschuss von Ludovit Reis entweder am Tor vorbeigeflogen oder zu Alexander Schwolows Beute geworden wäre, aber von Phillipp Mwenes Rücken unhaltbar in die andere Ecke abprallte, war Pech für die 05er. Aber auch Pech muss man sich verdienen.
Und das taten sie in besagten ersten 30 Minuten nicht nur, aber vor allem in der Entstehung der beiden Foulelfmeter, die Niclas Füllkrug verwandelte. Fischer zweifelte zwar an der Berechtigung des ersten Strafstoßes, den es nach einem Zweikampf zwischen Stefan Posch und dem Brasilianer Arthur gab. „Zehenspitze an Zehenspitze, ob das ausreicht?“, fragte der Trainer.
Eingebrockt hatten seine Leute sich die Szene jedoch selbst, indem sie den Bremer auf dem rechten Flügel kontern ließen. Nadiem Amiri wirkte in diesem Laufduell wie ein Regionalexpress gegen einen (funktionierenden) ICE. Der deutsche Nationalspieler vermochte nicht nur nicht Schritt zu halten, sondern stellte seine Bemühungen allem Anschein nach auch vorzeitig ein. Denn als Schwolow den Schrägschuss des Bremer Linksverteidigers pariert hatte, war Amiri nicht zur Stelle, um sich in den Kampf um den zweiten Ball zu begeben.
Überhaupt stand kein 05er gut genug positioniert, um zu verhindern, dass Arthur abermals an die Kugel kam. Und als Posch sie ihm vom Fuß wischen wollte, hob der Werderaner spektakulär, aber überzeugend genug für Referee Florian Badstübner und den VAR, ab. „Aber ich will nicht über den Schiedsrichter reden, wir haben es einfach nicht gut gemacht“, sagte Fischer. Das 0:2 entstand aus einer Situation auf der linken Mainzer Angriffsseite in der Nähe des gegnerischen Strafraums. „Dreimal gewinnen wir den Ball zurück und verlieren ihn wieder“, konstatierte der Trainer. Der letzte Fehlpass unterlief Phillip Tietz, danach schalteten die Norddeutschen diagonal um, ohne gestört zu werden, Marco Grüll ging ins Dribbling gegen Danny da Costa, und der Mainzer Innenverteidiger ging zu ungestüm zur Sache.
Eine gut gestaffelte Mannschaft hätte den Angriff wahrscheinlich vorzeitig unterbunden, doch davon konnte keine Rede sein. Von Kompaktheit keine Spur. Um es frei nach Kurt Tucholsky zu sagen: „Rechts sind Räume, links sind Räume und dazwischen Zwischenräume“ – und die nutzte Werder ein ums andere Mal aus, um die Hintermannschaft der Rheinhessen unter Druck zu setzen; Schwolow verhinderte Schlimmeres.
Mit dem überraschenden Anschlusstreffer waren die Mainzer plötzlich im Spiel. In einem gemächlich vorgetragenen Angriff, bei dem sich die Kollegen reichlich Zeit ließen, den Strafraum zu besetzen, flankte Sheraldo Becker von links, Anthony Caci gewann das Kopfballduell mit Olivier Deman, und der Ball passte exakt neben den Pfosten (33.). „Die Mannschaft hat wieder eine gute Reaktion gezeigt, wir hätten sogar mit einem Unentschieden in die Pause gehen können“, sagte Fischer. Chancen dafür boten sich auch nach dem Seitenwechsel, dem 1:3 ließ Jae-sung Lee per Kopf nach Caci-Flanke rasch das 2:3 folgen. „Zwei Tore zu Hause müssen auch mal reichen“, sagte Sportdirektor Niko Bungert an seinem 40. Geburtstag. „Aber dann kriegen wir wieder drei so einfache Gegentore.“
Ihre immer noch gute Tabellenposition verdanken die 05er ihrer bislang makellosen Auswärtsbilanz. Insofern scheint es vorteilhaft zu sein, dass sie an diesem Dienstag im DFB-Pokal beim VfL Bochum (18 Uhr, Sky) antreten dürfen. „Wir können uns nicht darauf verlassen, dass wir auswärts immer gewinnen“, gab Fischer jedoch zu bedenken. „Wir haben drei Tage Zeit, um uns auf diese nicht ganz einfache Aufgabe vorzubereiten.“