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Hard-Enduro-WM 2027: Neun Events – und zwei Versionen des eigenen Kalenders
Das GetzenRodeo in Deutschland bildet das WM-Finale Foto: Future 7 Media/Red Bull Das GetzenRodeo in Deutschland bildet das WM-Finale © Future 7 Media/Red Bull

Der Motorrad-Weltverband FIM und die Hard Enduro Promotion LLC (HEP) haben den Kalender für die Hard-Enduro-WM 2027 veröffentlicht – und verkaufen als Fortschritt, was bei genauem Hinsehen vor allem eines ist: Alter Wein in neuen Schläuchen. Neun Läufe in acht Ländern, einer mehr als in der zu acht Rennen geschrumpften Saison 2026. Auftakt ist am 17./18. April das Tong Hard Enduro in Großbritannien, Finale am 23./24. Oktober beim GetzenRodeo in Deutschland, das nur alle zwei Jahre stattfindet. Dazwischen: Portugal, Italien (zweimal), USA, Schweden, Spanien und die Türkei.

Das Tong Hard Enduro ist in der Szene längst als Wild Willy’s Extreme Enduro bekannt, ein fest etablierter Lauf der British Extreme Enduro Championship, bei dem Billy Bolt, Manuel Lettenbichler und Mario Román seit Jahren fahren; auch das GetzenRodeo hat in Deutschland Tradition. Nur: Zwei bewährte Schauplätze lösen kein einziges der strukturellen Probleme, an denen die WM seit zwei Jahren laboriert. Sie kaschieren sie bestenfalls.

Zwei Mitteilungen, zwei Stände

Besonders aufschlussreich ist der dritte Event. In der per E-Mail verschickten Pressemitteilung firmiert er noch als «Italian Hard Enduro» – ohne Namen, ohne Ort, beides werde später bekanntgegeben. Auf der FIM-Website trägt derselbe Lauf am 14. bis 16. Mai dagegen längst einen Namen: Wild Woods Stone Extreme – ausgerechnet jene Veranstaltung, die 2026 wegen fehlender Genehmigungen aus dem Kalender geflogen war. Zwei offizielle Kanäle, zwei Versionen desselben Kalenders: Schon bei der eigenen Verkündung ist man sich nicht einig. Dazu «könnte» das XL Lagares in Portugal den ersten Lauf eines Adventure World Cups ausrichten – «vorbehaltlich der FIM-Genehmigung». Und die Fußzeile der Website spricht noch von «acht Läufen» und «vier Kontinenten», während Überschrift und Text neun Rennen verkünden. Wo man hinschaut, Konjunktiv und Unschärfe statt Verbindlichkeit. Nicht einmal der Finaltermin ist unstrittig: Die FIM datiert das GetzenRodeo auf den 23./24. Oktober, der Veranstalter selbst nennt auf seiner Seite den 22./23. – ein Widerspruch von 24 Stunden, noch bevor die Saison begonnen hat.

Mehr Läufe – gegen den erklärten Willen der Fahrer

Richtig pikant wird es vor dem Hintergrund des Vorjahres. Anfang 2026 war der Streit zwischen Top-Fahrern und Veranstalter eskaliert : Die in der WERA organisierten Stars – darunter Lettenbichler, Román, Bolt und Gómez – wollten die WM auf maximal sechs Läufe begrenzen und verwiesen auf Budgets, Logistik und die Kosten der Überseereisen. Der Promoter konterte defensiv mit Wachstum und Professionalisierung. Die Antwort für 2027 ist eine Ohrfeige für genau diese Fahrer: nicht sechs Läufe, nicht acht, sondern neun.

Ein Zugeständnis gibt es, doch die Mitteilung versteckt es: Mit der Roof of Africa in Lesotho fällt ein teures Überseerennen weg, auch der französische Auftakt in Alestrem ist gestrichen. Außerhalb Europas bleiben immerhin noch das Silver Kings (USA) und Sea to Sky (Türkei) – zwei statt drei Fernreisen. Ob der eigentliche Kostenstreit damit beigelegt ist, verrät die Mitteilung mit keinem Wort. Und die Klassiker, die vielen Fahrern und Fans am Herzen liegen – Red Bull Romaniacs und Erzbergrodeo –, fehlen im WM-Kalender weiterhin.

Marketing vor Sport

Womit die Serie ihre Rennen bewirbt, sagt einiges aus: nicht mit Streckencharakter oder sportlicher Bedeutung, sondern mit Social-Media-Kennzahlen. 33,6 Millionen Views in der Hixpania-Rennwoche, 325.000 Engagements bei der Forza Orza, Großbritannien als «zweitgrößtes Instagram-Publikum» der Serie. Reichweite als Währung – ob die Meisterschaft planbarer, fairer und für Privatiers und Amateure, die aus Event-Sicht wesentlich zum ökonomischen Erfolg beitragen, überhaupt noch bezahlbar wird, interessiert in dieser Erzählung nicht.

Championship-Direktor Ross Whitehead gibt sich betont selbstkritisch: «Wir räumen unsere Fehler jedes Jahr ein und versuchen unser Bestes, sie so weit abzustellen, dass am Ende alle zufrieden sind.» Ein entlarvender Satz. Wer jedes Jahr Fehler einräumt und dieselben Fehler wieder macht, hat sie eben nicht abgestellt – er hat sich mit ihnen eingerichtet.

Fazit: Der Kalender 2027 ist umfassender, nicht besser. Zwei bewährte Schauplätze können nicht verdecken, dass die Serie keine der Grundfragen beantwortet, die sie 2026 an den Rand einer Fahrer- und Team-Revolte gebracht haben. Statt Entlastung gibt es Expansion, statt Verbindlichkeit Marketing – und mittendrin ein Lauf, den die FIM in ihrer eigenen Mitteilung nicht einmal beim Namen nennt.

Kalender Hard-Enduro-WM 2027:

30. April–2. Mai

Extreme XL Lagares (P)

14.–16. Mai

Wild Woods Stone Extreme (I)

17.–19. Juni

Silver Kings (USA)

19.–21. August

Forza Orza (S)

3.–5. September

Abestone (I)

24.–26. September

Hixpania (E)

7.–9. Oktober

Sea to Sky (TR)

GetzenRodeo (D)

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