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Die Krise bei Hannover 96 spitzt sich immer weiter zu. Nach der bitteren Derby-Niederlage gegen Eintracht Braunschweig (0:2) mussten die Niedersachsen auch im DFB-Pokal einen Rückschlag hinnehmen. Gegen den 1. FC Kaiserslautern setzte es ebenfalls eine 0:2-Pleite. Damit wartet Sandro Wagner auch nach seinem vierten Pflichtspiel als 96-Trainer auf den ersten Sieg. In der 2. Bundesliga ist Hannover inzwischen auf Platz 16 abgerutscht.
Immerhin: Gegen Kaiserslautern zeigte die Mannschaft eine deutliche Leistungssteigerung. Hannover gab 24 Torschüsse ab, scheiterte aber immer wieder am starken FCK-Keeper Julian Krahl oder am Aluminium. Selbst Lauterns Trainer Torsten Lieberknecht räumte ein, der "glücklichere Sieger" zu sein. Doch von guten Leistungen allein kann sich Hannover nichts kaufen. Angesichts der anhaltenden Ergebniskrise stellt sich zunehmend die Frage nach weiteren personellen Konsequenzen.
Der zuletzt selbst unter Druck geratene Geschäftsführer Jonas Boldt will von einem erneuten Trainerwechsel weiterhin nichts wissen. Auf die Frage, ob Wagner auch künftig an der Seitenlinie stehen werde, antwortete der 44-Jährige unmissverständlich. "Solange ich da bin auf jeden Fall", betonte Boldt im ARD-Interview.
Eine bemerkenswerte Aussage, schließlich ist auch Boldts eigene Zukunft bei Hannover 96 längst Gegenstand von Spekulationen. Medienberichten zufolge soll Investor Martin Kind vom Geschäftsführer abgerückt sein und dessen Verpflichtung sogar als "Missverständnis" bezeichnet haben. Sollte Boldt seinen Posten tatsächlich verlieren, könnte auch die Zukunft des von ihm verpflichteten Trainers erneut auf den Prüfstand kommen.
Boldt selbst zeigte sich von den Gerüchten äußerlich unbeeindruckt. "Mir persönlich hat niemand gesagt, dass wir von einem Missverständnis reden", erklärte er. Einen freiwilligen Rückzug schloss er ebenfalls nicht aus, sah dafür aber keinen Anlass. Ob er weiterhin zur Verfügung stehe? "Ich wüsste nicht, warum nicht", antwortete Boldt.
Allerdings scheint Wagner nicht nur auf die Unterstützung von Boldt zählen zu können. Auch von Investor Martin Kind spürt der 38-Jährige nach eigener Aussage weiterhin das Vertrauen. Dabei verriet Wagner, welche beiden Ziele Kind ihm für die laufende Saison mit auf den Weg gegeben habe: "Nicht unten reinrutschen und Ruhe reinbekommen".
Keine allzu ambitionierten Vorgaben - doch selbst diese drohen die Niedersachsen derzeit zu verfehlen. Sportlich steckt Hannover (zugegeben noch früh in der Saison) mitten im Abstiegskampf, während die Diskussionen um die Verantwortlichen für zusätzliche Unruhe sorgen.
Wagner selbst will sich davon nicht beirren lassen. Trotz des erneuten Rückschlags sieht der Trainer seine Mannschaft auf dem richtigen Weg. "Als Führungskraft, egal in welchem Gewerbe, geht es um Prozess und Entwicklung. Wenn die gut ist, dann sind wir auf dem richtigen Weg", erklärte der Coach. Das Pokalspiel gegen Kaiserslautern wertete er entsprechend als Schritt nach vorne. Doch auch Wagner weiß, dass sich die positive Entwicklung irgendwann in Ergebnissen widerspiegeln muss.
Dass die Situation zunehmend angespannt ist, zeigte sich auch auf den Rängen. Trotz der Derby-Blamage unterstützten die 96-Fans ihre Mannschaft gegen Kaiserslautern zunächst lautstark. Nach dem zweiten Gegentreffer in der Schlussphase kippte allerdings die Stimmung. Zahlreiche Anhänger verließen vorzeitig das Stadion, aus der Nordkurve waren Pfiffe zu hören, die auch nach Abpfiff anhielten.
Wagner bedankte sich dennoch ausdrücklich für den Rückhalt: "Die Zuschauer haben uns herausragend gut unterstützt“, sagte der Trainer: "Das war saucool und nicht zu erwarten." Am Sonntag (13.30 Uhr) steht für Hannover das Kellerduell gegen Dynamo Dresden an. Dann braucht Wagner dringend seinen ersten Sieg, um die Situation zumindest vorübergehend zu beruhigen.