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Vanessa Voigt bereitet sich abseits der deutschen Biathlon-Mannschaft auf die Saison vor. Beim Loop One erklärt sie ihre Entscheidung mit klaren Worten, auch die Bundestrainerin äußert sich.
Eigentlich ist Vanessa Voigts Entscheidung, sich bis zum Weltcup-Auftakt in Kontiolahti individuell und eigenverantwortlich vorzubereiten, nichts Bahnbrechendes mehr im heutigen Spitzen-Biathlon.
Von einem der besten Biathleten der Geschichte, Johannes Thingnes Bö (Norwegen), über die viermalige Weltmeisterin Dorothea Wierer aus Italien bis zur Tschechin Marketa Davidova, die 2021 Gold im Einzel gewann: Sie alle gingen immer wieder ihren eigenen Weg und verzichteten – in unterschiedlichen Ausprägungen – dafür auch auf einige Lehrgänge mit der Mannschaft.
Auch Franziska Preuß entschied sich in den letzten Jahren ihrer Karriere dazu, eigene Wege zu gehen und vor der Saison 2024/2025 weitgehend individuell zu trainieren. Bereut hat sie dies kaum – am Ende stand der Gesamtweltcupsieg. Was all die aufgezählten Athleten vereint? Sie waren erfahren genug, um zu wissen, was sie brauchen, um für die Saison trotzdem topfit am Start zu stehen.
Mit 29 Jahren dürfte dies auch auf Voigt zutreffen, die seit vielen Jahren eine feste Größe im DSV-Team ist. „Ich würde das den jüngeren Sportlern nicht empfehlen, weil da sicherlich ein bisschen die Erfahrung fehlt – und die Trainingsjahre. Aber ich bin jetzt nicht mehr so jung, dass ich einen Sprung von sieben Prozent schaffen werde. Es geht wirklich nur um ein My“, erklärte Voigt daher auch beim Loop One in München ihre Entscheidung und riet jungen Talenten von einem ähnlichen Weg ab.
Auch die Österreicherin Anna Gandler entschied sich, in der Vorbereitung auf diese Saison eigene Wege abseits des ÖSV-Nationalteams zu gehen – betonte aber gleichzeitig im Gespräch mit SPORT1, dass ohne die Verbände absolut nichts gehen würde. Dennoch sorgten sowohl ihre Entscheidung als auch Voigts für großes Aufsehen in ihren jeweiligen Heimatländern.
Bemerkenswert war zudem, dass der DSV eigens eine Pressemitteilung verschickte, um Voigts Entscheidung, ihren eigenen Weg zu gehen, mitzuteilen – auch bei Voigt selbst. „Natürlich wurde es grundsätzlich mit mir abgestimmt. Ich bin da mit im Boot, und auch was geschrieben wird, wurde abgestimmt, auch wann es rauskommt. Aber ja, ob es das überhaupt gebraucht hat, ist natürlich die andere Frage“, sagte sie auf SPORT1-Nachfrage.
Voigt betonte, dass die ganze Sache in ihren Augen „heißer gekocht wurde, als sie letztendlich ist“, und fügte hinzu: „Ich mache ganz normal mein Training, wie jeder andere auch. Ob ich jetzt im Lehrgang dabei bin oder nicht – ich glaube, das interessiert kaum jemanden.“
Dass in der Kommunikation in ihren Augen nicht immer alles glücklich lief, ließ Voigt an mancher Stelle aber auch durchblicken. Auf die Frage nach der Zusammenarbeit und Kommunikation mit Bundestrainerin Sandra Flunger oder wie separiert alles abläuft, entgegnete die Biathletin: „Es ist schon separiert. Grundsätzlich könnt ihr einfach die Person fragen, um die es sich handelt. Ich glaube, in letzter Zeit wurde da einfach viel über mich gesprochen, aber auch teilweise ein bisschen wenig mit mir. Deshalb einfach die genannten Personen selber fragen.“
Die in der Frage zuvor „genannte Person“ Sandra Flunger erklärte auf SPORT1-Nachfrage am Folgetag, dass ein regelmäßiger Austausch mit Voigt „absolut“ stattfinde. Dass dies mindestens einmal an den Wettkampforten der Fall sein wird, bewiesen beide kurz zuvor, als sie sich beim Loop One in München einige Minuten lang unweit der Medienvertreter angeregt und munter austauschten.
An den Lehrgängen der deutschen Mannschaft wird Voigt aber wie angekündigt nicht teilnehmen. „Ich habe meine eigenen Ansprechpartner in Oberhof am Stützpunkt. Ich fahre jetzt auch noch mal in die Höhe, mache noch mal für mich einen Höhenblock“, erklärte Voigt, die ein eigenes Team für sich aufgestellt hat, um abseits der Mannschaft ähnlich effektiv arbeiten zu können.
Wie gut das am Ende geklappt hat, wird sich erst während der Saison zeigen – wobei Voigt selbst noch gar nicht weiß, woran sie Erfolg in dieser Saison messen wird. Zwei olympische Medaillen und auch WM-Medaillen habe sie schließlich schon gewonnen, was ihr ein wenig Druck nimmt.
Voigt weiß aber auch: „Klar, ich habe die im Team gewonnen. Das ist noch mal so eine Motivation für mich, eine Einzelmedaille wäre einfach cool. Und der Weltcup-Sieg alleine fehlt mir schon noch. Das ist dieser Anreiz, wo ich sage: ‚Ich gehe jeden Tag mit sehr viel Motivation ins Training, um mich da einfach zu pushen, um irgendwann vielleicht mal alleine ganz oben zu stehen.'“
Ihre eigene Entscheidung nachträglich zu hinterfragen, werde sie aber ungeachtet des Abschneidens in dieser Saison nicht, verriet sie auf SPORT1-Nachfrage: „Jetzt weiß jeder Bescheid. Wenn im Winter am Ende ein gutes Ergebnis rauskommt, weiß ich, es hat sich ausgezahlt. Und wenn nicht, dann ist es trotzdem für mich einfach der richtige Weg, zu sagen, ich gehe diesen jetzt für mich alleine.“