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Bei Schalke 04 durfte er einst mit den ganz großen Stars trainieren. Doch der Traum von der Bundesliga zerplatzte, Joy-Lance Mickels verschwand im unterklassigen Fußball. Jetzt bekommt seine Karriere eine unglaubliche Pointe: Am Dienstagabend (20. Oktober, 18.45 Uhr) trifft der ehemalige Schalker mit Sabah FK in der Champions League auf Borussia Dortmund.
Und der 32-Jährige ist längst einer der Erfolgsgaranten des Klubs aus Aserbaidschan. Erst vor einer Woche schoss Mickels Sabah zum ersten Champions-League-Sieg der Vereinsgeschichte und wurde von der UEFA zum Spieler des Spiels gekürt. Nach seinem Scheitern auf Schalke hätte er sich eine solche Karriere-Wendung wohl kaum vorstellen können.
📌 Mickels‘ wilde Karriere-Achterbahn
Als Mickels 2014 nach Schalke kam, war die Hoffnung groß. Der Offensivspieler hatte in Gladbachs U19 viele Tore erzielt, sein Talent war bekannt. Schalke wollte ihn für die zweite Mannschaft, aber mit klarer Perspektive nach oben.
Ganz fit kam er allerdings nicht in Gelsenkirchen an. Eine Knieverletzung bremste ihn zunächst aus. Nach einigen Wochen sammelte Mickels erste Einsätze in der Regionalliga. Gleichzeitig öffnete sich für ihn plötzlich die Tür zum Profi-Training.
Roberto Di Matteo nahm Mickels damals mit zur ersten Mannschaft. Für den jungen Angreifer war das ein gewaltiger Schritt. Schalke spielte zu dieser Zeit Champions League, im Kader standen große Namen wie Klaas-Jan Huntelaar, Benedikt Höwedes und Kevin-Prince Boateng.
Mickels schwärmte später von dieser Phase. Nach dem ersten Training habe Di Matteo ihm gesagt: „Du bleibst erstmal bei den Profis.“ Für ihn sei ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch aus diesem Traum wurde kein dauerhafter Durchbruch.
Der entscheidende Schritt blieb aus. Mickels trainierte oben, spielte aber weiter in der Regionalliga. Diese Zwischenwelt machte ihm offenbar zu schaffen. Später sagte er selbstkritisch: „Ich war nicht so professionell, wie ich es hätte sein müssen.“
Auch mental war die Situation schwierig. Mickels erklärte rückblickend, er hätte damals jemanden gebraucht, der ihn stärker führt. Nicht jeder Nachwuchsspieler könne allein gelassen werden. 2016 endete seine Zeit bei Schalke ohne Profieinsatz.
Danach verschwand Mickels aus dem großen deutschen Fußball-Blickfeld. Er spielte für Alemannia Aachen und Wacker Nordhausen, später auch für Carl Zeiss Jena. Der Traum vom Bundesliga-Durchbruch war längst weit weg. Zwischenzeitlich stand sogar das Karriereende im Raum. Mickels dachte darüber nach, zur Feuerwehr zu gehen.
Nach Jena ging es erst in die Niederlande zu MVV Maastricht. 2021 folgte der Schritt nach Aserbaidschan zu Sabah FK. Viele Freunde rieten ihm damals ab. Für sie klang dieser Wechsel fast wie das Ende einer größeren Karriere.
Mickels blieb trotzdem. Und genau dort schrieb er seine Geschichte neu. Bei Sabah wurde er Stammspieler, Leistungsträger und schließlich erstmals aserbaidschanischer Meister. In der Champions-League-Qualifikation traf er gegen The New Saints und KuPS. Gegen Aarhus glänzte er ebenfalls mit einem Tor und einer Vorlage.
Im Playoff gegen Hapoel Beer Sheva legte Mickels noch einmal nach. Beim 5:2 nach Verlängerung traf er zum zwischenzeitlichen 5:1. Damit hatte der frühere Schalker großen Anteil an Sabahs Sensation und dem Einzug in die Ligaphase. Erstmals überhaupt durfte der junge Verein in der Königsklasse ran.
Dort begann das Abenteuer mit einer deutlichen Niederlage. Bei Manchester United kassierte Sabah zum Auftakt ein 0:4. Doch am zweiten Spieltag folgte die große Überraschung: Gegen Slavia Prag gewann der Außenseiter mit 2:0. Mickels machte in der 88. Minute mit einem Schuss aus rund 35 Metern den Deckel drauf. Ein historischer Abend für den Verein – und sein erstes Tor in der Champions League.
Jetzt wartet ausgerechnet Borussia Dortmund. Der BVB reist nach seiner 0:1-Niederlage bei Bodö/Glimt unter Druck nach Baku. Für Mickels ist es dagegen das nächste Karriere-Highlight. Und das Programm bleibt spektakulär: Ende November kommt der FC Barcelona nach Aserbaidschan. Anschließend warten unter anderem Villarreal, Neapel und Arsenal.
Vor dem Duell mit Dortmund gibt sich der Ex-Schalker selbstbewusst. „Alles ist möglich in 90 Minuten“, erklärte er im Interview mit „Absolut Fussball“. Zwar sei der BVB qualitativ besser besetzt. Doch mit Heimvorteil und einer geschlossenen Mannschaftsleistung hofft Mickels auf die nächste Überraschung. „Ich hoffe, dass wir denen irgendwo den Zahn ziehen können.“
Dazu kommt seine späte Nationalelf-Geschichte. Im März debütierte Mickels für Ruanda, gemeinsam mit seinen Brüdern Joy-Slayd und Leroy-Jacques. Aus dem früheren Schalker Nachwuchsspieler ohne Profi-Einsatz wurde ein Nationalspieler mit Champions-League-Bühne.
Sein Scheitern in Deutschland sieht Mickels inzwischen gelassen. Viele Bundesligaspieler würden niemals Champions League spielen, erklärte er im Interview. Ihm sei dieses Privileg nun vergönnt. Am Dienstagabend gegen den BVB könnte das nächste Kapitel seines Fußballmärchens folgen. Alles zu Dortmunds Champions-League-Gegnern hier.