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1860-Coach Kayabunar geht mit seinem Team mutig in die Offensive – doch die Taktik birgt Gefahren. Die Löwen müssen aufpassen, nicht ausgekontert zu werden.
München – Alper Kayabunar vergrub das Gesicht in seinen Händen. Kurz bevor die Pressekonferenz nach dem 4:3-Krimi gegen Buchbach begann, musste der Löwen-Trainer einmal kräftig durchatmen. „Ich bin fix und fertig. Jede Woche brauche ich das nicht“, gab Kayabunar Einblicke in sein Seelenleben. Nun, dass das Spitzenspiel zu einer derart wilden Angelegenheit wurde, daran hatte der TSV 1860 München eine gehörige Portion Mitschuld. Oder besser gesagt: ihre taktische Herangehensweise.
Denn 1860 attackierte den Gegner so forsch wie selten in dieser Saison – im DFB-Pokal gegen Kiel (0:2) waren die Giesinger bereits mit einem ähnlich mutigen Ansatz aufgefallen. Buchbach wirkte am Freitag davon überrascht und beeindruckt. Schon nach 60 Sekunden eroberte Florian Niederlechner den Ball am gegnerischen Sechzehner, Fabio Wagners anschließender Schuss wurde in letzter Sekunde abgefälscht. „Das war unser Ziel, wir wollten gut ins Spiel kommen. Wir hatten früh schon zwei Ballgewinne im Sechzehner“, erklärte Kayabunar.
Die Löwen belohnten sich für das hohe Pressing zunächst nicht – und lernten schnell die Schattenseite der Spielidee kennen. Löst sich der Gegner aus der Umklammerung der Sechzger heraus, ergeben sich riesige Räume zum Kontern. Bezeichnend dafür war das frühe 0:1. Nach einem langen Ball in die Hälfte der Löwen verpasste es Felix Weber, den Gegenangriff zu unterbinden, verlor den Zweikampf. Danach lief Buchbach in Überzahl auf das TSV-Tor zu. Dass Lance Fiedler auch noch über den Ball schlug, machte das Malheur komplett. „Bitter, dass wir mit der ersten Aktion, die wir nicht gut verteidigen, direkt zurückliegen“, haderte Kayabunar.
Jede Woche brauche ich das nicht
Mit dieser Art des Anlaufens ist klar: Auf Weber, Lasse Faßmann und den Rest der Defensive warten Zweikämpfe, die mit enormem Risiko verbunden sind. Können die Löwen den ersten Ball nicht klären, brennt es lichterloh – zumindest wenn es die Kayabunar-Elf nicht schafft, rechtzeitig umzuschalten. Auch bei der 2:4-Derbypleite gegen Bayern II klafften große Löcher im Zentrum, die der Gegner eiskalt ausnutzte. Es ist kein Zufall, dass Kayabunar Woche für Woche das Umschaltverhalten ausgiebig trainieren lässt.
Das Spiel mit stürmischem Angriffspressing mag riskant sein, birgt aber große Chancen. Gerade im Grünwalder Stadion kommen nicht alle Regionalligateams – gepaart mit der Kulisse – damit klar, von Beginn an permanent gestresst zu werden. Und mit Faßmann hat Kayabunar einen der besten Zweikämpfer der Liga in seiner Viererkette, der viele Konter bereits im Keim erstickt. Nebenmann Weber hat zudem Gefallen daran gefunden, nach Balleroberungen in den gegnerischen Sechzehner zu sprinten, steht bereits bei drei Saisontoren.
1860-Harakiri jede Woche? Mitnichten. Kayabunar variiert seinen Ansatz je nach Gegner. Mal energisch offensiv, mal kontrolliert abwartend. Das macht es umso schwerer, Sechzig im Vorfeld auszurechnen. Eltersdorf (Sonntag, 15 Uhr) wird sich auf beide Löwen-Gesichter vorbereiten müssen.