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Der Neuburger Bodybuilder Tobias Vogl wollte bei einem Wettbewerb in Prag den Schritt zum Profi machen – doch er scheiterte so knapp wie nur möglich. Deswegen setzte er sich zwei Wochen später ins Auto und machte sich auf den Weg zu einem weiteren Wettkampf in Mailand. Sein Ergebnis dort wirft seine Jahresplanung für die kommende Saison durcheinander.
Für den Wettbewerb in Prag war Vogl mit großer Hoffnung in die tschechische Hauptstadt gereist. Der Start in den Wettbewerbstag verlief komplett nach Plan: Der 24-Jährige sicherte sich den Sieg in seiner Gewichtsklasse. Damit war der erste Schritt geschafft. Doch die Lizenz für die Profiliga gibt es nur für den Gesamtsieger der Amateure. Und im Wettkampf um diesen Gesamtsieg musste sich Vogl knapp geschlagen geben. „Der andere hat verdient gewonnen, er kannte seine Stärken gut“, sagt der hauptberufliche Industriemechaniker. „Hätte er sich umgedreht und seinen Rücken mit meinem verglichen, hätte er keine Chance gehabt“, fügt der Neuburger selbstsicher hinzu.
Damit wollte er eigentlich seine Saison beenden. „Ich habe den nächsten Tag noch in Prag genossen und wollte dann mit der Vorbereitung auf das nächste Jahr anfangen“, sagt der Neuburger. Doch dann kam der Anruf von seinem Coach: „Du warst so knapp dran, es gibt noch einen Wettbewerb in Mailand, da packst du das“. Vogl war sich zuerst unsicher, ob er es wirklich noch einmal so bald nach dem vorherigen Versuch probieren sollte. Nach mehrmaligem Darüber-schlafen und vielen Gesprächen mit seinen Liebsten und Sportsfreunden entschied er sich dafür es noch einmal zu probieren. „Die anderen Sportler hatten deutlich mehr Verständnis als meine Familie“, erzählt er und schmunzelt.
Es ist mein Traum, die Karte in Brasilien zu holen
Tobias Vogl
Nachdem er die Entscheidung getroffen hatte, hielt er sich wieder an die strengen Ernährungsregeln, die es braucht, um die Muskeln in die perfekte Form zu bekommen. „Ich fühle mich mit der Routine wohl“, sagt der Bodybuilder. Er nahm sich wieder einen Tag frei und setzte sich nach seiner Spätschicht ins Auto und fuhr in einer Donnerstagnacht bis nach Mailand. Am Freitagmorgen musste er sich vor Ort wiegen lassen. „Während dem Fasten, das man an den Tagen vor einem Wettbewerb machen muss, war das echt hart“, sagt Vogl. Die stressige Anfahrt hatte allerdings auch einen Vorteil: Am Vortag war er noch über seinem zulässigen Maximalgewicht, am nächsten Tag fast vier Kilogramm leichter.
Aber auch in Mailand sollte es nichts mit der Profi-Lizenz werden, obwohl es dort nicht nur eine Eintrittskarte für die Profiwettbewerbe gab, sondern gleich mehrere. Das Prinzip war das gleich wie in Prag: Zuerst tritt man in der eigenen Größen- und Gewichtsklasse an, dann kämpfen alle Gruppensieger um den Gesamtsieg – und die begehrten Tourkarten. Doch zum ersten Mal ist Vogl in seiner Klasse gescheitert – er wurde Zweiter. „Meine Kür war nicht gut genug“, fasst er seinen Auftritt zusammen. Da er in der Kategorie „Classic Physique“ antritt, geht es für ihn nicht nur um die reine Muskelmasse, sondern um die Symmetrie des Körpers und auch die Kür, bei der die Athleten ihren Körper in verschiedenen Posen präsentieren.
„Jetzt muss ich es nächstes Jahr noch einmal probieren“, sagt Vogl. Der Neuburger ist resolut in seinem Traum von der Profikarte – und er will sie „richtig“ gewinnen. „Es gibt Wettbewerbe, bei denen ist die Konkurrenz nicht so stark“, erklärt er. Wer bei diesen Wettbewerben seine Profikarte gewinnt, werde von den anderen Bodybuildern hinter vorgehaltener Hand nicht so ernst genommen, wie die, die bei einem renommierten Wettkampf in Las Vegas den nächsten Karriereschritt geschafft haben. Seinen Traumort, um die Profi-Lizenz zu gewinnen, hat sich Vogl schon ausgesucht. „Es gibt jedes Jahr im Herbst einen großen Wettkampf in São Paulo, Brasilien“, dort seien die Fans etwas ganz Besonderes. „Da ist die Trophäe wie ein goldener, posierender Buddha“, sagt der Bodybuilder mit einem leuchten in den Augen. „Normale Pokale“ seien schon etwas langweilig.
Für die Wettkämpfe nimmt sich Vogl seinen Jahresurlaub: „So kann ich mit meinem Hobby die Welt erkunden.“ Die Woche vor einem Wettkampf sei so körperlich und mental herausfordernd, dass er auch kaum arbeiten könne. Den Wettbewerb in Prag möchte er nächstes Jahr auch wieder mitnehmen. „Dieses Jahr wäre die Profikarte cool gewesen, nächstes Jahr ist sie Pflicht.“ Und dafür, dass das gelingt, muss Vogl trainieren. Mindestens drei Stunden verbringt er mit verschiedenen Trainingsformen am Tag. Einen besonderen Fokus will er auf seine Kür legen, da er diese vernachlässigt habe. Und wenn er die Tourkarte hat, kann er sich mal wieder eine Tafel Schokolade gönnen.