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Premier League: Fabian Hürzelers Seagulls schlagen wieder zu
Erfolgreiche Schreckgespenster: Trainer Fabian Hürzeler (links) und Stürmer Georginio Rutter.
Erfolgreiche Schreckgespenster: Trainer Fabian Hürzeler (links) und Stürmer Georginio Rutter.Foto: Mark Cosgrove/News Images/Imago

Nach einem seiner größten Siege in der Premier League riss Fabian Hürzeler am Spielfeldrand den Mund weit auf und schrie sekundenlang seine Freude heraus. Sein Gesicht verzog sich zu einer beinahe furchteinflößenden Grimasse; Hürzelers Jubel passte damit hervorragend zu Halloween – und gewissermaßen auch zu seinem Verein, der sich in dieser Saison zum Schreckgespenst der Spitzenklubs entwickelt hat.

Am Samstagnachmittag verbreitete Brighton & Hove Albion, der Klub von der englischen Südküste, abermals bei einem Favoriten Grusel: Die Seagulls gewannen erstmals in ihrer Geschichte ein Auswärtsspiel bei Manchester City, das v­or diesem Spieltag gemeinsam mit dem FC Arsenal die Tabelle angeführt hatte. Bereits Ende August hatte der Akademikerverein dem FC Arsenal im direkten Duell das Fürchten gelehrt. Das 1:0 durch Offensivgestalter Yasin Ayari in der 14. Spielminute bedeutete Saures für City. Brighton bleibt damit als Dritter den beiden Titelanwärtern dicht auf den Fersen.

Er sei glücklich und stolz auf seine Spieler, erklärte Hürzeler, der auch im fünften Ligaspiel gegen die Citizens ungeschlagen blieb. Anders als bei den beiden Saisonniederlagen gegen Chelsea (3:4) und Liverpool (0:2), in denen Brighton als Gastmannschaft trotz deutlich mehr Spielanteilen jeweils ausgekontert worden war, veränderte Hürzeler diesmal seinen Ansatz. Seine Elf agierte kompakter und setzte auf eine stabile Defensive. In der Analyse klang der mit 33 Jahren jüngste Coach der Liga beinahe wie Arsenal-Routinier Mikel Arteta, den Hürzeler nach einer Niederlage vor einem Dreivierteljahr noch wegen dessen destruktiver Spielweise kritisiert hatte.

Hürzeler lobt eine „ausgeprägte Mentalität und einen außergewöhnlichen Zusammenhalt“

„Wir wollten alle dieses Gefühl haben, dass heute die Abwehr gewinnt“, bekannte Hürzeler freimütig. Seine Spieler hätten eine „ausgeprägte Mentalität und einen außergewöhnlichen Zusammenhalt“ gezeigt. Schließlich entscheide die Defensive „solche engen Spiele“. Tatsächlich lief Brighton sechs Kilometer mehr und hatte seine besten Aktionen bei der Verhinderung von Toren. Die spektakulärsten Aktionen lieferten Innenverteidiger Luka Vuskovic und Torhüter Bart Verbruggen.

Der einmal mehr überragende frühere Hamburger Vuskovic spitzelte in der 59. Minute eine scharfe Hereingabe mit einer Grätsche knapp einen Meter vor der Torlinie weg, sodass sein hinter ihm stehender Gegenspieler Erling Haaland den Ball nicht erreichen konnte. Dabei bremste er ihn derart geschickt ab, dass sein Torwart ihn sogar mit der Hand aufnehmen durfte. Referee Craig Pawson wertete das Manöver als Rettungsversuch und nicht als absichtlichen Rückpass. Während Haaland sich über die Auslegung beschwerte, reckte Vuskovic die Faust nach oben.

Verbruggen parierte kurz darauf einen eigentlich kaum zu haltenden Linksschuss des frei vor ihm auftauchenden City-Rechtsverteidigers Matheus Nunes. Mit weiteren Reflexen bewahrte er sein Team bis zum Abpfiff vor dem Ausgleich. Erstmals seit August 2025, als die Citizens Tottenham Hotspur mit 0:2 unterlegen waren, blieben sie in einem Heimspiel ohne eigenes Tor. Brighton habe eine starke Viererkette, einen großartigen Keeper und in manchen Situationen das notwendige Quäntchen Glück gehabt, fasste Hürzeler zusammen. Für seine Mannschaft war es bereits die sechste Partie ohne Gegentor im neunten Ligaspiel – kein anderes Team hat mehr Zu-null-Matches absolviert.

Der Siegtreffer entsprang einer weiteren Brighton-Spezialität: den Schnellangriffen. Innerhalb von zehn Sekunden nach einer Balleroberung kommt in der Premier League prozentual kein anderes Team häufiger zum Abschluss. Nach einem Freistoß an der Mittellinie genügten zwei Diagonalpässe: Spielführer Lewis Dunk verlagerte das Spiel auf die rechte Seite, Diego Gómez flankte von dort in die Mitte. Der Ball prallte unkontrolliert von Brightons Maxim De Cuyper zu Torschütze Ayari ab. Dass Letzterer freistand, lag auch an Citys Elliot Anderson, der sich nach dem Foul zunächst beschwert hatte und zu spät zurücklief.

Mit dem 1:0 gelang den Seagulls die Revanche für das drei Tage zuvor an gleicher Stelle im Elfmeterschießen verlorene League-Cup-Achtelfinale. Zweimal hatten sie eine Führung hergegeben. Hürzeler berichtete, dass sich sein Team geschworen habe, dies nicht noch einmal zuzulassen. „Jeden Morgen kannst du entscheiden, ob du dich von etwas enttäuschen lässt oder ob du selbst die Richtung vorgibst“, erklärte er. Brighton überzeugt vor allem als Gruppe. Während Top-Torschütze Pascal Groß, der derzeit überragende deutsche Routinier, mit drei Treffern und sechs Vorlagen die interne Rangliste anführt, weist Hürzelers Team insgesamt elf verschiedene Torschützen in der Liga auf. Sie stammen aus elf unterschiedlichen Nationen – ebenso wie zuletzt die Startelfspieler.

Zu möglichen Champions-League-Ambitionen oder gar Titelträumen hält sich Fabian Hürzeler bedeckt. Sein Fokus liege einzig auf dem großen Entwicklungsprozess seiner Spieler, sagte er. Nach den absolvierten Duellen gegen die Spitzenvertreter der Liga geht seine Mannschaft nun selbst als Favorit in die nächsten Partien.

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