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Auf die schlimmsten Minuten seines Lebens blickt Marc Bartra heute in großer Dankbarkeit. Eigentlich, lässt der Innenverteidiger von Betis Sevilla vor seiner Rückkehr nach Dortmund sofort wissen, spreche er auch gar nicht mehr über das Attentat auf die BVB-Mannschaft, bei dem er 2017 der einzige verletzte Spieler war. Weil es dann doch immer nur um traumatische Szenen gehen soll, um Sensationslust. Blut und Panik.
Das ist dem Katalanen mit den sanften Augen aus Sant Jaume dels Domenys zu düster. Er erzählt eine andere Geschichte, eine voller Liebe und guter Erinnerungen. „Ich habe gelernt, das Leben, meine Familie, meine Mitspieler und die kleinen Dinge, die wir manchmal für selbstverständlich halten, mehr zu schätzen“, sagte er vor dem Champions-League-Spiel beim BVB am Mittwoch (21 Uhr/DAZN). „Deshalb wird Dortmund immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.“ Beim BVB, betont der 35-Jährige, „war ich glücklich“.
Er verließ die Borussia dennoch 2018 nach eineinhalb Jahren seines Vierjahresvertrags: Er wollte nach Hause. Doch gemeinsam im Bus gesessen zu haben, als ein Attentäter mit Metallstiften bestückte Sprengsätze zündete, um den Börsenkurs des BVB abstürzen zu lassen – das verbindet für ein ganzes Leben. Mit den meisten Mitspielern von damals „spreche ich ab und zu“, sagt Bartra, er zählt auf: „Pierre-Emerick Aubameyang, Sokratis, Mikel Merino, Roman Weidenfeller, Marco Reus, Nuri Sahin, Mario Götze.“ Der Fußball führe Spieler „an viele Orte, aber das Schöne ist, dass manche Menschen für immer bleiben – unabhängig davon, bei welchem Verein man gerade ist“.
Am Mittwoch wird er wieder da sein, er wird alte Bekannte treffen, obwohl neun Jahre im Profifußball sich wie 27 anfühlen können – so schnell verändert sich alles. „Zurückzukehren und dabei Betis in einem so besonderen Wettbewerb zu vertreten, ist ein Geschenk“, sagt Marc Bartra: „Ich freue mich riesig darauf und empfinde Dortmund gegenüber eine große Verbundenheit.“
Umgekehrt ist es genauso. Wer dabei war, als Bartra mit geschientem Arm wenige Wochen nach dem Anschlag schon wieder spielte (sein rechtes Handgelenk war gebrochen, er hatte Fremdkörper-Einsprengungen im Arm), der konnte sich einer Gänsehaut nicht erwehren. Am 11. April 2017 überlebte Bartra den Anschlag – 46 Tage später, am 27. Mai, gewann er mit dem BVB den DFB-Pokal.
Im Nachhinein wirkt es verrückt, wie schnell er und seine Kollegen wieder ins Hamsterrad des Fußball-Alltags gestiegen sind. Oder war es genau richtig? „Ich erinnere mich noch an die glücklichen Gesichter unserer Fans beim Umzug durch die Stadt“, sagt Bartra, es war ein Lichtstrahl inmitten „sehr schwieriger Momente“.
Am meisten freut er sich nun auf dieses Gefühl des Rumpelns in den Zehenspitzen. „Manche Stadien hört man – andere spürt man“, sagt Bartra, „man kann in großartigen Stadien spielen, aber das Gefühl im Westfalenstadion lässt sich schwer in Worte fassen. Eine brutale Energie.“ Wenn 25.000 Menschen singen und springen, „dann hat man das Gefühl, dass das Stadion ein eigenes Leben hat. Alles bebt, sogar der Boden. Das muss man selbst erleben.“
Seine Teamkollegen werden es am Mittwoch verstehen. sid