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Die Euphorie beim BVB ist verflogen. Das schwarzgelbe Haus steht stabil, bröckelt aber, weil Widerstände gegen die Fassade peitschen. Ein Kommentar.
Dortmund/Berlin – Borussia Dortmund ist in der Bundesliga weiter ungeschlagen. Nach der Supercup-Niederlage gegen den FC Bayern (22. August) entfachten sechs Siege in Folge Euphorie. Starke Ergebnisse und solide Auftritte ließen Fans vereinzelt träumen. Doch Niclas Füllkrug war der Erste, der den BVB unsanft aus dem Schlaf riss: Sein Last-Minute-Ausgleich zeigt das derzeit größte Problem des Revierklubs.
Die Schlussphase gegen Werder war die erste Hürde, die Schwarzgelb nicht überwinden konnte. Trotz einer stabilen 2:0-Führung wurden die Borussen nachlässig und öffneten die Tür. Die Bremer stürmten rein und hinterließen einen ersten Scherbenhaufen aus Dortmunds Aufbruchsstimmung.
Mit der Champions-League-Niederlage bei Bodö/Glimt (0:1, 14. Oktober) und dem Chaos-Remis bei Union Berlin machte der BVB die Enttäuschung perfekt. Wie RUHR24-Reporter Marian von Hatzfeld findet, sind die zuletzt drei sieglosen Spiele keine direkte Frage der Mentalität: Die Mannschaft von Niko Kovac kämpft, läuft und verteidigt.
Das Problem liegt eine Buchstabenumdrehung weiter. Aus dem „M“ von Mentalität wird ein „W“, das für ein neues Unwort im Verein sorgen könnte: Widerstandskraft. Ihr häufiges Fehlen hat sich beim BVB bereits häuslich eingerichtet.
In Norwegen war das symbolische, schwarzgelbe Eigenheim mit Kunstrasen ausgelegt und die Heizung fiel aus. Gegen Union machten die Nachbarn plötzlich zu viel Krach. Und wenn ein mächtiger Vertreter der Telekom aus Bayern auf der Fußmatte steht, lassen die Borussen sich direkt einen Fünfjahresvertrag samt Glasfaser-Ausbau aufquatschen.
Doch obwohl das BVB-Haus bröckelt, ist es nicht einsturzgefährdet! Das Fundament aus einer soliden Defensive ist dafür zu stark. Ausbauen können die Dortmunder ihre eigenen vier Wände trotzdem nicht.
Der Mut, Widerstände zu beseitigen und anzugreifen, fehlt. Stattdessen verteidigen die Dortmunder ihr Grundstück lieber mit sieben bis acht defensiv denkenden Bewohnern. Warum also nicht mehr Personen auf den Rasen stellen, die auch offensiv anpacken wollen?
Dass Dortmund couragierter spielen muss, betonte nach dem 0:0 gegen Union auch Ole Book in der Mixed Zone: „Wir haben eine tolle Mannschaft, das dürfen die Jungs sich auch immer wieder sagen. Wenn wir von Anfang an mutig spielen, andribbeln und Lösungen finden, wird es auch flüssiger aussehen.“
In den bereits angesprochenen Widerständen wie Reisestrapazen oder niedrigen Temperaturen wollte der BVB-Sportdirektor zu Recht keine Ausreden finden. Fest steht aber, dass die Borussia sie nicht erfolgreich bekämpft!
Mit der Sprunggelenksverletzung von Konstantinos Karetsas wartet jetzt die nächste Belastungsprobe. Wie der BVB sie besteht, dürfte ein Fingerzeig für die weitere Saison sein.
Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.