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(Motorsport-Total.com) - Der Weg von Nicolo Bulega zurück in die MotoGP war deutlich komplizierter als es die sportlichen Ergebnisse des Italieners zunächst vermuten lassen. Das bestätigt Alberto Martinelli, der als Manager die Interessen des Ducati-Piloten vertritt.
Nicolo Bulega wird 2027 als MotoGP-Rookie zu VR46-Ducati stoßen Zoom
Im Interview mit GPOne.com gewährt der Manager Einblicke in die monatelangen Verhandlungen, die schließlich zum Wechsel in das VR46-Ducati-Team führten.
Inzwischen ist der Deal offiziell: Am 9. September 2026 bestätigte VR46, dass Bulega ab der MotoGP-Saison 2027 für das Team von Valentino Rossi antreten wird. Er bildet dann gemeinsam mit Fermin Aldeguer die neue Fahrerpaarung. Für Bulega bedeutet der Wechsel die Rückkehr in den Grand-Prix-Sport, nachdem er sich über die Supersport- und Superbike-WM erneut für die Königsklasse empfohlen hat.
Martinelli bezeichnet die Verhandlungen rückblickend als die schwierigsten seiner bisherigen Karriere: "Ich würde diese Geschichte ganz oben auf die Liste setzen. Sie war außerordentlich komplex und schwierig, und das aus vielen Gründen."
Besonders anspruchsvoll sei gewesen, dass Bulega die Motorrad-WM bereits verlassen hatte und sich über einen völlig anderen Karriereweg erst wieder zurückkämpfen musste.
"Es ist eine Sache, einen Vertrag innerhalb derselben Meisterschaft zu verlängern. Eine ganz andere ist es, in der heutigen Situation von der Superbike-WM in die MotoGP zu wechseln. Auch der Wechsel des Promoters von Dorna zu Liberty Media und die damit verbundenen Veränderungen haben es komplizierter gemacht."
Die ersten Überlegungen zu einer Rückkehr in die MotoGP begannen bereits im Frühjahr 2025. Damals ging es zunächst um die Verlängerung von Bulegas Vertrag mit Ducati für die Superbike-Saison 2026. Gleichzeitig zeichnete sich der technische Umbruch für 2027 ab, wenn in der MotoGP 850-ccm-Motoren zum Einsatz kommen.
Für Martinelli war das der richtige Zeitpunkt, die Karriereplanung seines Schützlings grundsätzlich zu überdenken. "Wir haben uns gefragt, warum wir die Situation nicht neu bewerten sollten. Wir haben die Idee zunächst reifen lassen und uns auch mit Nicolo darüber ausgetauscht", erklärt der Manager rückblickend.
Ein wichtiger Schritt folgte mit der Einigung auf eine weitere Zusammenarbeit mit Ducati. Neben dem Superbike-Vertrag erhielt Bulega die Perspektive, 2026 als offizieller MotoGP-Testfahrer für zu arbeiten. So nahm der Plan konkrete Formen an.
"Die erste wirkliche Weichenstellung gelang uns, als wir mit Ducati die Verlängerung für die Superbike-Saison und gleichzeitig die Vereinbarung über seine Rolle als MotoGP-Testfahrer abschließen konnten. Die Idee einer Rückkehr in die MotoGP entstand eigentlich genau aus dieser Testfahrerrolle", verrät Martinelli.
Am Ende der Saison 2025 sprang Bulega für den verletzten Marc Marquez ein Zoom
Bulega konnte sich mit der Entwicklung der neuen Ducati beschäftigen und gleichzeitig seine Position innerhalb des italienischen Herstellers festigen. Dass er später auch als Ersatz für Marc Marquez in den letzten beiden Saisonrennen 2025 zum Einsatz kam, gab ihm zusätzliche Erfahrung auf einem MotoGP-Motorrad.
Sportlich gab es für Bulega wenig zu diskutieren. Nach seinem Wechsel aus der Moto2 in die Supersport-WM fand der Italiener zu alter Stärke zurück. 2023 gewann er die Weltmeisterschaft in der mittleren Hubraumklasse, anschließend etablierte er sich in der Superbike-WM und kämpfte mehrfach um den Titel.
Trotzdem reichten gute Ergebnisse allein nicht aus, um einen Platz in der MotoGP zu bekommen. Martinelli verweist auf die Vielzahl an Faktoren, die bei der Besetzung der wenigen verfügbaren Cockpits in der Königsklasse eine Rolle spielen.
"Das Problem war nicht die Frage, ob Nicolo die MotoGP verdient hatte oder nicht. Ich habe viele Artikel gelesen, in denen stand, dass er es aufgrund seiner Ergebnisse verdient hätte. Aber auf diesem Niveau kommen tausend andere Faktoren ins Spiel: Nationalität, Alter und die Tatsache, dass es nur wenige Plätze gibt."
Hinzu kämen die erheblichen finanziellen Verpflichtungen der Hersteller und Teams. Wer einen neuen Fahrer verpflichtet, müsse auch das wirtschaftliche Risiko berücksichtigen.
"Die Hersteller und Teams investieren riesige Summen. Sie müssen sich fragen: Es ist ein Rookie, wie wird er sich in der MotoGP schlagen? Ich investiere Millionen, damit er fährt. Welche Ergebnisse kann er mir liefern? Das ist nicht selbstverständlich."
Für Bulegas Management gab es zunächst nur eine bevorzugte Richtung: Ducati. Der Italiener kannte das Arbeitsumfeld, die Abläufe und die Motorräder. Ein Wechsel innerhalb dieses Netzwerks erschien deshalb als die sinnvollste Lösung.
"Wir haben alles versucht, um eine Einigung zu erreichen. Nicolo fährt für Ducati, kennt die Arbeitsweise. Priorität war es, eine Lösung innerhalb dieses Umfelds zu finden."
Dabei spielte auch der Wechsel von Fabio Di Giannantonio eine Rolle. Der Italiener sollte ursprünglich bei VR46 bleiben, entschied sich aber schließlich dafür, ab 2027 zu KTM zu wechseln, um in ein Werksteam zu kommen. Damit wurde bei der Mannschaft von Valentino Rossi ein Platz frei, den Bulega übernehmen konnte.
Martinelli bestätigt, dass es eine direkte Verbindung zwischen beiden Personalentscheidungen gab. "Wir hatten tatsächlich eine echte Alternative bei KTM. Es gab diesen Zusammenhang zwischen uns und Di Giannantonio. Wenn Fabio nicht zu KTM gegangen wäre, wäre Nicolo wahrscheinlich dort gelandet. Das war eine der möglichen Konstellationen. Am Ende ging Diggia zu KTM und wir landeten bei VR46."
Obwohl es um das Team von Valentino Rossi ging, spielte der neunmalige Weltmeister nach Angaben Martinellis keine direkte Rolle in den Gesprächen um Bulega.
"Nein, ich habe hauptsächlich mit Uccio und Pablo gesprochen, vor allem mit Pablo", erklärt der Manager. Gemeint sind Alessio Salucci, der als Uccio bekannte Teamdirektor, und Teammanager Pablo Nieto. In der Schlussphase übernahm Daniela Bau sogar einen größeren Teil der Kommunikation mit Nieto.
Bau und Martinelli betreiben gemeinsam eine Agentur für Sportmarketing und Athletenmanagement und kümmern sich in dieser Funktion auch um die Belange von Bulega. Dessen Verpflichtung sei keineswegs das Ergebnis einer Einzelperson gewesen.
"Wir haben viele Treffen gemeinsam bestritten. In der letzten Phase hat Daniela sogar häufiger mit Pablo gesprochen als ich. Das freut mich, denn es war ein gemeinsames Projekt. Es ist nicht allein mein Verdienst", betont Martinelli. Die unterschiedlichen Perspektiven hätten sich bei den Verhandlungen als Vorteil erwiesen.
"Zu zweit kann man unterschiedliche Sichtweisen haben. Das ist ein Mehrwert", erklärt Martinelli die Benefits der Zusammenarbeit. "Ich betrachte die Dinge mit meiner Erfahrung und aus meinem Blickwinkel. Daniela konnte durch ihren späteren Einstieg andere Vorschläge machen, die konstruktiv und klug waren."
Auch die Vertragsgestaltung war ein schwieriger Bestandteil der Einigung. Martinelli beschreibt die juristische Seite der Verhandlungen sogar als aufwendiger als die eigentlichen Gespräche über die sportlichen und finanziellen Bedingungen.
"Das sind sehr umfangreiche Verträge mit zahlreichen Klauseln. Durch den Wechsel des Promoters hat sich auch der Umfang der Rechte erweitert, die ein Team erhält. Es gibt deshalb einen großen juristischen Anteil. Die Verhandlungen selbst waren vergleichsweise schnell abgeschlossen. Viel anspruchsvoller war die rechtliche Ausarbeitung, weil zahlreiche Klauseln genau geprüft und geregelt werden mussten."
Besonders intensiv wurde offenbar über die Laufzeit diskutiert. Martinelli spricht von einer grundsätzlichen Vereinbarung über zwei Jahre. Gleichzeitig sollten dabei aber auch mögliche Ausstiegsszenarien für beide Seiten berücksichtigt werden.
"Das Prinzip ist ein Zweijahresvertrag. Nicolo ist allerdings ein Rookie. Deshalb muss es auch die Möglichkeit geben, die Zusammenarbeit zu beenden, falls die Ergebnisse nicht stimmen. Der Wille aller Beteiligten war eine zweijährige Basis und nicht die Absicht, nach einer Saison wieder auseinanderzugehen."
Gerade dieser Punkt sei dem Management wichtig gewesen. Man habe verhindern wollen, bereits im Frühjahr 2027 über die Zukunft der folgenden Saison diskutieren zu müssen.
Gleichzeitig müsse ein Team bei der Verpflichtung eines Neulings die Möglichkeit haben, auf eine sportliche Entwicklung zu reagieren, die hinter den Erwartungen zurückbleibt. Beide Parteien sollten bestimmte Situationen neu verhandeln können.
Als die Einigung feststand, sei die Erleichterung groß gewesen. Der Bulega-Manager beschreibt den Moment als emotional und intensiv. "Als wir sagen konnten, wir haben es geschafft, war das ein besonderer Tag. Danach haben wir Ducati bestätigt, dass wir das Angebot annehmen wollten. Am Ende waren alle zufrieden."
Dabei sei es nie darum gegangen, Bulega um jeden Preis in die MotoGP zu bringen. Die sportlichen und vertraglichen Rahmenbedingungen mussten stimmen. "Einfach nur in die MotoGP zu gehen, weil man dort fahren kann, war nie das Ziel."
Dass sich die Geschichte über einen so langen Zeitraum erstreckte, bezeichnet Martinelli scherzhaft als Telenovela. "Sie dauerte ziemlich lange, von März vergangenen Jahres bis heute. Aber sie hatte ein gutes Ende", zeigt er sich erleichtert.
Den größten Anteil am Erfolg schreibt der Manager allerdings seinem Fahrer zu. Ohne die Leistungen auf der Strecke wäre die gesamte Verhandlung kaum möglich gewesen.
"Gute Beziehungen, Fairness und natürlich Nicolos Ergebnisse haben den Unterschied gemacht. Denn das ist der entscheidende Punkt: Ohne Ergebnisse kann man solche Dinge nicht erreichen. Das größte Verdienst gebührt Nicolo. Unser Anteil bestand darin, korrekt zu arbeiten und alles dafür zu tun, dieses Ziel zu erreichen."