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Der Weg zum Ballon d'Or führt Harry Kane anfangs durch die Niederungen des englischen Fußballs. Nun erinnert sich der Bayern-Stürmer an Selbstzweifel und eine riskante Entscheidung, die seine Karriere nachhaltig veränderte.
Harry Kane ist auf dem Gipfel des Weltfußballs angekommen: Vor wenigen Tagen durfte der Torjäger des FC Bayern in London den Ballon d’Or in die Höhe stemmen. Dabei war anfangs für ihn nicht einmal sicher, ob er sich bei seinem Jugendverein Tottenham Hotspur überhaupt durchsetzen würde.
Im Interview mit France Football blickte der Stürmer auf jene Jahre zurück, in denen von großen Preisen und Auszeichnungen nicht ansatzweise zu träumen war. „Während meiner Leihphasen hatte ich Zweifel“, gestand der 33-Jährige. Halbjährige Leihen, wenige Einsatzminuten und die Ungewissheit über seine sportliche Zukunft bestimmten Kanes Alltag.
Statt in Selbstzweifeln zu versinken, entschloss sich der Engländer jedoch, die Zeit ohne regelmäßige Spielpraxis sinnvoll zu nutzen. Wie Kane rückblickend verriet, arbeitete er damals an seinem schwächeren linken Fuß, absolvierte zusätzliche Laufeinheiten und trainierte seine Schnelligkeit mit gezielten Übungen auf der Koordinationsleiter.
Und dahinter stand immer ein Gedanke, an dem er trotz aller Unsicherheiten festhielt: „Meine Chance wird kommen, und ich werde bereit sein, wenn es soweit ist.“
Nach Leihstationen bei Leyton Orient, Millwall, Norwich City und schließlich Leicester City kehrte Kane 2013 zu Tottenham zurück. Der Verein wollte den damals 20-Jährigen erneut in die zweitklassige Championship schicken – doch diesmal weigerte sich der Angreifer.
„Ich spürte, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, um den nächsten Schritt zu machen“, erinnerte sich Kane. Seine Sorge: „Wenn ich mich damals nicht durchsetzen könnte, hatte ich Angst, weiterhin ausgeliehen zu werden und schließlich verkauft zu werden.“
Also bestand er darauf, in London zu bleiben und um seinen Platz zu kämpfen – obwohl er in der Stürmerhierarchie zu diesem Zeitpunkt nur die vierte Wahl war.
Es war die riskante Entscheidung für eine Chance, von der Kane nicht wusste, ob er sie überhaupt bekommen würde.
2014 übernahm Tim Sherwood das Traineramt bei Tottenham. Und plötzlich bekam Kane die Gelegenheit, auf die er so lange gewartet hatte.
Beim 5:1-Sieg gegen den AFC Sunderland gab Sherwood Kane seinen ersten Premier-League-Startelfeinsatz. Kane lieferte und erzielte prompt sein erstes Premier-League-Tor. Auch in weiteren Spielen traf er. Aus dem Stürmer, der zuvor von einem Leihverein zum nächsten geschickt worden war, wurde ein ernsthafter Kandidat für die Offensive.
„Ich wusste, dass ich diese Gelegenheit genutzt hatte“, erzählte Kane. Unter Sherwoods Nachfolger Mauricio Pochettino nahm seine Karriere schließlich richtig Fahrt auf. Vor allem körperlich habe er sich damals entscheidend weiterentwickelt.
Heute, mehr als ein Jahrzehnt später, darf sich Kane auch dank seines Wechsels zum FC Bayern Ballon-d’Or-Sieger nennen. Der Weg dorthin war allerdings kein geradliniger Aufstieg.