flag
back Zurück
RWE-Sportdirektor Flüthmann : "Mit Herz und Leidenschaft in Liga zwei"

Rot-Weiss Essen will so schnell wie möglich in die 2. Liga. Sportdirektor Christian Flüthmann, der seit dreieinhalb Jahren im Amt ist, fordert klassische Essener Tugenden wie Kampf, Herz und Leidenschaft von den Spielern. WDR.de hat Flüthmann zum Interview getroffen.

Bildquelle: Rot-Weiss Essen

WDR: Herr Flüthmann, Rot-Weiss Essen steht nach zwölf Spieltagen auf Rang drei der 3. Liga. Sind Sie zufrieden?

Christian Flüthmann: Ja, absolut. Es geht in die richtige Richtung. Wir haben mit 24 Zählern sogar vier Punkte mehr geholt, als wir vor der Saison als Zwischenziel für diesen Zeitpunkt gesetzt hatten. Das ist vor allem auch deshalb bemerkenswert, weil wir ja letzte Saison in der Relegation gescheitert sind und es schon viele Teams gab, die nach einem solchen Szenario schlechter in die nächste Saison gestartet sind.

WDR: Es stand zuletzt zu lesen, dass im Januar mit Trainer Uwe Koschinat über eine Verlängerung des Engagements verhandelt werden soll. Richtig?

Christian Flüthmann: Für uns ist der Januar ein guter Zeitpunkt, um mit Uwe zu sprechen. Das hatten wir bereits vor der Saison gemeinsam abgesprochen. Das ist jetzt keine direkte Reaktion auf den bisherigen Saisonverlauf.

WDR: Welche Ziele verfolgt RWE kurz- und mittelfristig?

Christian Flüthmann: Wir verfolgen mittelfristig das Ziel, in die 2. Liga aufzusteigen und uns dort nachhaltig zu etablieren. Das ist unsere Vision. Wir bleiben dabei aber bodenständig. Wir setzen uns immer wieder kurzfristig erreichbare Zwischenziele, nach denen wir auch unsere Leistungen bewerten. Wir denken in Etappen - und möchten einen Schritt nach dem nächsten gehen. Weil es nun einmal Unwägbarkeiten gibt, die auch kurzfristig passieren können und die man vielleicht noch gar nicht vorausahnen kann. Entscheidend ist, dass wir parallel die sportlichen Voraussetzungen schaffen, damit Erfolg nicht nur kurzfristig möglich, sondern nachhaltig wird.

WDR: Welche Rolle spielt in den Planungen des Vereins die Jugendabteilung?

Christian Flüthmann: Das ‚Förderwerk‘ gehört zu einem wesentlichen Teil zu unserer Sportstrategie. Es ist also sehr wichtig und wir haben in diesem Bereich etliche Schritte nach vorn gemacht. Wir haben bereits und wir werden weiter in die Infrastruktur investieren. Das Personal wird zudem erweitert, Mit Steffen Weiß haben wir seit rund eineinhalb Jahren auch einen hauptamtlichen Übergangskoordinator, der die Verbindung zwischen NLZ und Profiteam intensiviert. Dabei geht es uns um eine durchgängige sportliche Ausrichtung und die individuelle Entwicklung unserer Talente. Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen regelmäßig Spieler aus der eigenen Jugend im Profiteam integrieren. Mit Rami Malaeb und Fadih Vasic haben in dieser Saison auch bereits zwei unserer U19-Spieler bei den Profis in Pflichtspielen debütiert. Darauf sind wir durchaus stolz.

WDR: Wie ist die Scouting-Abteilung des Vereins aufgestellt? Wo liegt das "Revier" von RWE-Scouts. Wird nur regional nach Talenten geschaut oder sind die RWE-Leute bundesweit unterwegs?

Bildquelle: WDR, picture alliance/Markus Endberg, IMAGO/STEINSIEK.CH
Dieser Livestream ist ab dem 07.11.2026 13.55 Uhr abrufbar

Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen

Sport im Westen 07.11.2026 Verfügbar bis 07.11.2026 WDR

Christian Flüthmann: Die Grundlage unseres Scoutings im Profibereich ist unsere klar definierte Spielidentität, der Hafenstraßenfußball. Daraus haben wir konkrete Positions- und Spielerprofile entwickelt, an denen wir uns bei der Suche und Bewertung von Spielern orientieren. Dabei geht es uns nicht nur um die sportliche Qualität, sondern auch um die Persönlichkeit. Unser Leitsatz lautet deshalb ganz bewusst: Wir scouten Charakter.
Auch das Scouting in unserem Förderwerk hat sich weiterentwickelt. Als ich kam, waren unsere Jugendtrainer in der Nachbarschaft unterwegs, wenn sie selbst kein Spiel hatten, und haben nach Talenten Ausschau gehalten. Jetzt haben wir mittlerweile ein vierköpfiges Nachwuchs-Scouting-Team, das sehr koordiniert zu Werke geht. Dabei schauen wir die Stützpunkt-Termine ebenso an wie Jugendspiele - aber vornehmlich in der Region. Wir sind überzeugt davon, dass in einer 600.000-Einwohner-Stadt wie Essen genügend talentierte Fußballer unterwegs sind.

WDR: Wo sieht sich RWE im mit Traditionsvereinen vollgestopften Ruhrgebiet angesiedelt? Wie wehrt sich der Verein gegen die teils mächtige Konkurrenz größerer benachbarter Klubs?

Christian Flüthmann: Wir können als Rot-Weiss Essen vor allem über unsere eigene Identität, unsere Stärken und eine klare sportliche Ausrichtung kommen. RWE steht als Verein für Bodenständigkeit, Nahbarkeit und Herzblut. Gerade im Profifußball müssen wir unsere Möglichkeiten intelligent nutzen, die richtigen Entscheidungen treffen und uns kontinuierlich weiterentwickeln. Wir wollen nicht andere Vereine kopieren, sondern unsere eigenen Stärken zu einem Wettbewerbsvorteil machen. Im Förderwerk ist der Wettbewerb mit den großen Nachbarvereinen besonders intensiv. Hier setzen wir bewusst auf eine individuelle Betreuung und Entwicklung unserer Talente. Die Spieler sollen spüren, dass sie bei uns nicht einer von vielen sind. Dass dieser persönliche Ansatz ankommt, haben uns auch Familien mit Erfahrungen bei anderen Vereinen positiv zurückgemeldet.

WDR 05.11.2026 1 Min. 32 Sek. Verfügbar bis 04.11.2028 WDR Online

WDR: Zuletzt haben kleine Vereine wie Heidenheim oder nun jüngst Elversberg den Sprung in die Bundesliga geschafft. Was machen diese Vereine besser als andere? Dienen sie RWE als Vorbild?

Christian Flüthmann: Man kann nichts kopieren, jeder Verein hat seine Eigenheiten und Philosophie. Fest steht, dass beide - Heidenheim und Elversberg - zuletzt hervorragende Arbeit abgeliefert haben. Elversberg mit der Philosophie, konsequent auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzen. Heidenheim mit einer ungeheuren Konstanz im Spieler-Portfolio. Der SC Freiburg war zuvor ein ebenso gutes Beispiel für ein klares Konzept, das durchgezogen worden ist. Das haben wir hier natürlich erkannt: Kontinuität ist entscheidend. Ich bin mittlerweile seit fünfeinhalb Jahren im Verein. Gerade diese Kontinuität gibt uns die Möglichkeit, Dinge langfristig zu gestalten, Strukturen aufzubauen und unsere sportliche Ausrichtung nachhaltig zu verankern.

WDR: Welches Konzept verfolgt Rot-Weiss Essen? Wofür will der Verein stehen?

Christian Flüthmann: RWE ist ein Klub zum Anfassen. Unsere Fans wollen Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und eine Mannschaft sehen, die alles füreinander gibt. Diese Identität ist über Jahrzehnte gewachsen. Sie gehört dem Verein und seinen Fans - und nicht einzelnen handelnden Personen. Unsere Aufgabe war es deshalb nicht, diese Identität neu zu erfinden, sondern sie in eine klare sportliche Strategie zu übersetzen.

WDR: Wie sind sie an dieses Ziel herangegangen?

Christian Flüthmann: Dafür haben wir fünf zentrale Werte definiert: Intensität, Dominanz, Zusammenhalt, Hingabe und harte Arbeit. Daraus ist unser Hafenstraßenfußball mit konkreten Spielprinzipien entstanden, der heute das Fundament unserer gesamten sportlichen Arbeit bildet. Entscheidend ist, dass diese Ausrichtung nicht nur auf dem Papier steht, sondern auf allen Ebenen täglich gelebt wird - von der Profimannschaft über die Kaderplanung bis ins Förderwerk.

WDR: Welches sind die wichtigsten "Baustellen", die RWE gerade angeht?

Christian Flüthmann: Wir wollen uns stetig in allen sportlichen Bereichen verbessern. Im Athletikbereich, im Scouting,es in der individuellen Spielerentwicklung und in der Verzahnung von Profi- und Nachwuchsfußball. Es darf keinen Stillstand geben, weil immer etwas verbessert werden kann. Natürlich ist die aktuelle Tabellensituation wichtig. Wir führen aber auch eine interne Leistungsbewertung anhand sportlicher Kennzahlen, in der wir uns ständig selbst bewerten und kritisch hinterfragen. Wir werden uns nicht auf irgendwelchen Erfolgen ausruhen. Das tun wir auch im Moment nicht. Wir wollen das Bestmögliche herausholen - ohne allzu großen Druck auf die Mannschaft auszuüben.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Christian Flüthmann am 3.11.2026

Sendung:
WDR.de
, Sportdirektor Flüthmann - Rot-Weiss Essens Vision heißt "Aufstieg", 05.11.2026 10:49 Uhr

Könnte Ihnen gefallen

NFL-Profi Rashee Rice meldet Insolvenz an – Super-Bowl-Ring als Pfand

GMX vor 23 Minuten

Hamann hadert mit Klopp-Berufung von DFB-Star: "Sehe nicht, dass er es verdient hat"

90min vor 3 Stunden

Gianna Nannini mit 72 im Triathlon-Ziel: „Wie eine Geburt“

Weekend.at vor 40 Minuten

4 Gründe, warum Adeyemis DFB-Aus weniger überraschend ist, als es scheint

90min vor 1 Stunde

Fußball-Transfergerüchte heute: Arsenal und Bayern im Duell um Leipzig-Star? Barça-will Bundeslig...

90min vor 1 Stunde

3. Liga: Saarbrücken am Freitag bei Spitzenreiter Viktoria Köln

FuPa vor 16 Stunden

Hohe Ablöse: Bayern-Kandidat Nusa im Winter weg?

Fussball Transfers vor 3 Stunden