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(Motorsport-Total.com) - Kimi Antonelli steht vor seinem ersten WM-Titel - und wird sich dadurch nach Einschätzung von Mentalcoach Riccardo Ceccarelli kaum verändern. Für seinen Mercedes-Teamkollegen George Russell könnte das Saisonfinale dagegen zur mentalen Herausforderung werden. Der Brite muss nicht nur mit der Niederlage im Titelkampf umgehen, sondern auch seinen zweiten Platz in der Fahrer-WM gegen Lewis Hamilton, Max Verstappen und Charles Leclerc verteidigen.
Wie geht George Russell mental mit der Formel-1-Saison 2026 um? Zoom
Ceccarelli, Mentalcoach bei Formula Medicine, sieht vor allem bei Antonelli wenig Anlass zur Sorge. Der junge Italiener habe trotz seines Alters und des enormen Drucks im Saisonendspurt kaum Fehler gemacht. Für Russell sei die Ausgangslage eine andere: Er war mit Titelambitionen in die Saison gestartet und muss nun verhindern, dass aus der Enttäuschung ein nachhaltiger Rückschlag wird.
Dass ein erster WM-Titel einen Fahrer verändert, ist laut Ceccarelli keineswegs zwangsläufig. Als Beispiel nennt er Nico Rosberg, der nach seinem Titelgewinn 2016 seine Formel-1-Karriere beendete. Rosberg habe so viel investieren müssen, um sein Ziel zu erreichen, dass ihm anschließend die Motivation gefehlt habe, den Erfolg zu wiederholen.
Bei anderen Fahrern könne der Titel dagegen das Selbstvertrauen stärken und den Glauben vermitteln, es erneut schaffen zu können. Antonelli erwartet Ceccarelli eher in dieser zweiten Gruppe.
"Ich denke, für Kimi ändert sich nichts", so der Mentalcoach. Er beobachte, wie der Italiener das Saisonfinale angehe: "Er macht keinen Fehler, er spürt nicht den geringsten Druck." Antonelli sei nicht als Favorit in die Saison gestartet und habe sie dennoch dominiert. Deshalb glaubt Ceccarelli, dass er auch im kommenden Jahr derselbe Fahrer bleiben wird.
Als Vergleich führt er Max Verstappen an. Der Niederländer habe seine Lebensweise und Denkweise durch seine Titel nicht grundlegend verändert. Eine ähnliche Entwicklung traut Ceccarelli auch Antonelli zu: Der Erfolg werde für ihn kein Grund sein, abzuheben, sondern vielmehr ein Ansporn, sich erneut durchzusetzen.
Während Antonelli dem Titel entgegenfährt, ist der Kampf um Rang zwei in der Fahrer-WM noch offen. Russell liegt bei 242 Punkten, Hamilton folgt mit nur einem Zähler Rückstand. Verstappen liegt sechs Punkte hinter Hamilton, Leclerc hat sich bis auf neun Punkte an Russell herangeschoben.
Für Ceccarelli ist Verstappen der Favorit auf den zweiten Platz. Der Red-Bull-Pilot habe aus seiner Sicht am wenigsten zu verlieren und konzentriere sich eher darauf, weitere Grand-Prix-Siege einzufahren, als unbedingt Zweiter der Gesamtwertung zu werden.
Russell stehe dagegen unter größerem Druck. Er könnte im engen Kampf sogar bis auf Rang fünf zurückfallen. Für einen Fahrer, der vor der Saison als Titelkandidat gehandelt wurde, wäre das laut Ceccarelli ein erheblicher Rückschlag.
"George muss mindestens den zweiten Platz holen, um zu retten, was zu retten ist", erklärt der Mentalcoach. Dabei spiele auch eine Rolle, dass Russell über dasselbe Mercedes-Material verfüge wie Antonelli. Den Titelgewinn des eigenen Teamkollegen akzeptieren zu müssen, könne eine schmerzhafte Erfahrung sein.
Ceccarelli warnt davor, dass die Enttäuschung über den verlorenen Titelkampf langfristige Folgen haben könnte. Solche Erlebnisse könnten das psychologische Gleichgewicht eines Fahrers beeinflussen und Zeit kosten, bis die volle Motivation zurückkehre.
Entscheidend sei, wie Russell die Situation für sich einordne. Er dürfe nicht akzeptieren, künftig nur noch als zweiter Fahrer wahrgenommen zu werden. Sonst könnte sich aus einer sportlichen Niederlage auch ein Problem innerhalb des Teams entwickeln.
"Russell darf den Status des Verlierers nicht akzeptieren", sagt Ceccarelli. Das würde aus seiner Sicht bedeuten, dass Mercedes ihn nicht mehr als Nummer-eins-Fahrer, sondern lediglich als guten zweiten Mann betrachte. Russell sei noch jung genug, um auf den Rückschlag zu reagieren - müsse das aber auch tun.