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Bundesliga: Burkardts Hacke rettet Eintracht Frankfurt einen Punkt
2:2 in Paderborn :
Die Eintracht zeigt „Moral bis zum Schluss“ – doch der Fußball wird zur Nebensache

Jonathan Burkardt sichert der Eintracht durch zwei Tore einen Punkt in Paderborn. Im Vordergrund stehen jedoch die Sorgen um einen Frankfurter Fan. Neues gibt es bei der Personalie Chatzialexiou.

Die Eintracht bejubelt in Paderborn einen späten Punktgewinn.

Der Oktober war für Eintracht Frankfurt kein goldener Glanzmonat. Seit der letzten Länderspielpause besserten jedoch Erfolgserlebnisse die Stimmung nach dem holprigen Saisonstart im Spätsommer spürbar. Vor der nächsten Unterbrechung wegen der weltweiten Verpflichtungen der Nationalmannschaften wäre der Aufwärtstrend von Trainer Adi Hütter und seinem Team beinahe jäh gestoppt worden.

Am neunten Bundesligaspieltag glückte der SGE an einem neblig-trüben Novembertag in Ostwestfalen durch einen Geistesblitz von Jonathan Burkardt in der Nachspielzeit noch das 2:2 beim SC Paderborn (90. Minute + 3). Der Mittelstürmer, der damit seine Saisonbilanz auf neun Pflichtspieltore verbesserte, sorgte mit der Hacke für das Happy End, das immerhin einen Punkt sicherte, durch den sich die Zwischenbilanz nicht wieder eintrübte. Der Mittelstürmer schob den Ball kunstfertig über die Linie, nachdem die Hessen in Unterzahl nach dem Motto „Alles oder nichts“ ein letztes Mal vorgestoßen waren und der mitaufgerückte Torhüter Noah Atubolu einen Eckball von Farès Chaïbi mit dem Kopf auf Burkardt weitergeleitet hatte.

Atmosphärisch war es keine Partie wie jede andere. Wegen eines „medizinischen Notfalls“, wie der Stadionsprecher Mitte der ersten Halbzeit verkündete, verfolgte die mitgereiste Frankfurter Fanschar in ihrer Kurve von Beginn an das Geschehen schweigend, später rollte sie ihre Fahnen ein und entfernte die aufgehängten Banner; die Besucher der Paderborner Südtribüne taten es aus Solidarität gleich und brachten später einzig ein Plakat mit der Botschaft „Gute Besserung“ an.

Laut Polizeiangaben soll ein Anhänger von der Tribüne gestürzt sein. Vom Unterrang geht es im Paderborner Stadion mehr als drei Meter in die Tiefe. Jan Martin Strasheim, der Kommunikationsdirektor der Eintracht, teilte am Abend mit, der Verunglückte befinde sich im Krankenhaus, er sei „ansprechbar“ und sein Gesundheitszustand „stabil“. Hütter sagte hinterher, er und die Spieler seien „in Gedanken bei dem Fan“. Der Coach dankte den Paderborner Supportern ausdrücklich für ihr Fingerspitzengefühl; er nannte ihre Zurückhaltung „großartig“. Hütter betonte, dass „Fußball nebensächlich wird, wenn es um ein Menschenleben geht“. Das Ergebnis war für ihn Ausdruck einer Leistung, die in mancherlei Hinsicht nicht dem entsprach, was er erwartet hatte, doch die Seinen hätten „Moral bis zum Schluss“ gezeigt.

Burkardt trifft nach Klopp-Absage

Der Führungstreffer der Eintracht wurde von Linksverteidiger Elias Baum initiiert, der den Ball im Strafraum zu Chaïbi passte. Der Algerier entschied sich dagegen, aus günstiger Position selbst abzuschließen, und legte stattdessen zu Burkardt quer. Der Mittelstürmer, der sich bis dahin schwertat, in vorderster Reihe Akzente zu setzen, und unter der Woche die enttäuschende Nachricht hinnehmen musste, dass ihn Bundestrainer Jürgen Klopp nicht für die DFB-Einsätze in Serbien und gegen die Niederlande nominiert hatte, hatte aus zehn Metern keine Probleme, Keeper Nahuel Noll zu überwinden (23. Minute).

Doch der Aufsteiger hielt dagegen und beschäftigte mit Kampfgeist und Laufbereitschaft die Eintracht-Defensive, die in den Szenen wiederholt zu sorglos und ungeordnet zu Werke ging und von der Beharrlichkeit des Gegners überrascht wirkte. Zunächst schlenzte Stefan Marino die Kugel über Atubolu hinweg an die Latte (28.). Aus einem Fehlpass Ansgar Knauffs resultierte ein Eckball für Paderborn, in dessen Folge auch Raphael Obermair von der fehlenden Abwehrkraft der Frankfurter profitierte und durch die Beine von Atubolu zum Ausgleich traf (45.).

Das spielerische Niveau im zweiten Abschnitt hielt sich in überschaubaren Grenzen. Hüben wie drüben versuchten beide Seiten, sich mit Durchsetzungswillen Vorteile zu verschaffen, was zu einer Menge Zweikämpfen führte, aber alles in allem nur bedingt zum Unterhaltungswert der 15.000 Zuschauer beitrug. Ein Foul von Eintracht-Abwehrmann Lilian Brassier an Marvin Pieringer im Strafraum zog den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Bastian Dankert nach sich. Pieringer selbst verwandelte den Strafstoß zum 2:1 (73.). Die Schlussphase bestritt die Eintracht dezimiert, nachdem Baum wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen hatte (76.). „Doch dann haben wir mehr Mut und Bereitschaft als zuvor gezeigt“, ordnete Sportdirektor Timmo Hardung den glimpflichen Ausgang als akzeptabel ein.

Chatzialexiou soll schon früher kommen

Dass die Zukunfts- und Personalplanung der Eintracht Kontur annimmt, wurde am Samstag ebenfalls erkennbar. Der Wechsel von Joti Chatzialexiou auf den Posten des Eintracht-Sportvorstands könnte nach Aussagen von Peter Meier, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des 1. FC Nürnberg, früher als geplant vollzogen werden. „Wir werden dieses Thema gemeinsam mit Joti und Eintracht Frankfurt entsprechend bearbeiten und eine Lösung finden. Die Gespräche laufen“, sagte Meier vor dem Zweitligaspiel des „Clubs“ gegen den SV Darmstadt 98.

Bei der Partie am Mittag war Chatzialexiou, der die vergangenen zweieinhalb Jahre als Manager bei den Franken gearbeitet hatte, Meiers Worten zufolge schon nicht mehr im Stadion. Eigentlich hatten sich die Vereine auf den 1. Februar 2027 als Wechseltermin verständigt: Dann sollte Chatzialexiou den auf Aufstiegskurs liegenden Zweitligaklub verlassen und in seiner Heimatstadt den Dienst bei der Eintracht antreten.

Der 50-Jährige hat sich aber bereits „intern“ bei den Nürnbergern verabschiedet, sagte Meier im Sky-Interview. Ob Chatzialexiou seinen gültigen Vertrag aufgelöst hat, blieb offen. „Joti ist für uns, vor allem für Dieter (Frey, sein Nachfolger, d. Red.), bei Fragen aber noch in Griffweite. Da gibt es eine ganz geordnete Übergabe, und das ist auch nicht schlecht“, sagte Meier.

Die Frankfurter gaben sich, was den Dienstantritt des Managers betrifft, der weiterführen und entwickeln soll, was zuletzt in Markus Krösches Verantwortung lag, demonstrativ entspannt. Mathias Beck, der Präsident des Vereins und Aufsichtsratschef, sagte der F.A.Z., dass sich am vereinbarten Zeitplan für ihn nichts geändert habe, wobei er den Zusatz „im Moment“ anfügte.

Krösche, der mit einem Engagement beim AC Mailand in Verbindung gebracht wird, bleibt der Eintracht dauerhaft verbunden: Der 46-Jährige, der aus Paderborn stammt, hatte vor dem Spiel die Führungsköpfe der Eintracht um Vorstandssprecher Axel Hellmann und Beck zum Grillabend zu sich nach Hause gebeten; die Eingeladenen brachten ihm eine Urkunde, die seine lebenslange Eintracht-Mitgliedschaft dokumentiert, als Präsent mit. Auf ihre Art verteilte am Tag darauf auch die Frankfurter Mannschaft Gastgeschenke. Dass sie zu keiner Niederlage führten, hatten sie in letzter Minute Burkardt zu verdanken.

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