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Es war der Abend der großen Stars. In London wurden am Montag bei der Ballon-d'Or-Gala die Besten des Fußballs ausgezeichnet. Mittendrin: Ibo Maza. Der Berliner landete auf Platz neun der besten jungen Spieler - und fiel im ganzen Glamour auf. Weil er anders war.
Lamine Yamal, Michael Olise, Ousmane Dembelé - der rote Teppich bei der Ballon d'Or-Gala am Montagabend in der englischen Hauptstadt London war der Traum einer jeden Boulevard-Zeitung. Mit pinken Riesenblumen, Sonnenbrillen, Goldketten und Saint-Laurent-Ansteckern glichen die Auftritte eher einer modischen als sportlichen Auszeichnung.
Doch im Blitzlichtgewitter fiel eine Person besonders auf. Sie brauchte dafür keine vierfach verspiegelte Sonnenbrille, die längste Goldkette oder das ausgefallenste Sakko des Abends. Im Gegenteil, sie war genau der Gegenentwurf zu den Personen, die vor den Kameras um das nächste virale Outfit-Reel um die Wette posten.
Die Rede ist von Ibrahim Maza, der für den Nachwuchs-Award "Men's Young Talent of the Year" nominiert war. Der 20-Jährige betrat im einfachen Smoking mit Fliege den Teppich und wirkte neben der gespielten, lässigen Gleichgültigkeit der anderen Stars fast schon schüchtern.
"Natürlich bin ich stolz. Es ist ein Traum für jeden Jungen und für jedes Mädchen, bei so einer Zeremonie dabei und nominiert zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich weiß, dass meine Chancen bei den ganzen Superstars gering sind, man muss ja auch ehrlich zu sich selbst sein. Aber allein die Nominierung ist unglaublich", sagte Maza am Mikrofon des Streamingdienstes "DAZN" vor der Zeremonie.
Eine Bescheidenheit, die im Fußballbusiness mittlerweile rar gesät ist. Vor der Verleihung des Ballon d'Or ließ das Umfeld um die Top-Anwärter Lamine Yamal und Kylian Mbappé kaum eine Möglichkeit aus, um klar zu machen, dass sie es natürlich am ehesten verdient hätten, die Trophäe mit nach Hause zu nehmen.
Es spricht aber natürlich vor allem für seine sportlichen Qualitäten, dass Maza sich in einer umkämpften Branche wie dem Profi-Fußball durchsetzen konnte. Schon mit 17 Jahren feierte der Junge aus der Jugend der Reinickendorfer Füchse sein Bundesliga-Debüt für Hertha BSC. Und das ausgerechnet gegen Rekordmeister Bayern München.
Schon damals bescheinigte ihm Trainer Pal Dardai, dass er "von Gott mit einem Riesentalent gesegnet" sei. Der Ungar sollte recht behalten. Denn mit nur 18 Jahren entwickelte er sich in der Saison 2024/25 auf der so wichtigen Zehnerposition zum Leistungsträger. In 34 Zweitliga-Spielen stand er 33 Mal in der Startelf und war an zehn Treffern beteiligt. Sein einziger Ausfall war eine Gelbsperre. Das Besondere: Trotz seiner enormen Wichtigkeit für das Hertha-Spiel war er nie nach außen der Star der Mannschaft, ließ vor allem gern seine Mitspieler glänzen.
Und so war es nur folgerichtig, dass im Sommer 2025 halb Europa die Fühler nach dem Youngster ausstreckte. Mit kolportierten zwölf Millionen Euro machte Bayer Leverkusen im Nachhinein betrachtet den Deal des Sommers. Alle Fragen, ob der Schritt eventuell zu groß sei, beantwortete der Berliner mit Leistung. Er entwickelte sich direkt zum Stammspieler und ließ auch Leverkusens Ex-Trainer Kasper Hjulmand schwärmen.
"Dann Ibo dreht. Und dann gibt es die große Möglichkeit", brachte der Däne - erschöpft von einem langen Champions-League-Abend - Mazas Spielart mal auf eine ebenso einfache wie wahre Formel. Denn Maza macht den Unterschied, in dem er mit seiner technisch sauberen und körperlich intensiven Spielweise in schwierigen Momenten das Besondere ganz einfach aussehen lässt.
Er ist ein Klassetyp, jeder liebt ihn, weil er dem Team hilft, selbstlos ist - und diese Qualität ist für mich am wichtigsten.
Carles Martínez, Trainer von Ibrahim Maza in Leverkusen
Diese Spielweise spiegelt sich auch in seiner Persönlichkeit wider. Denn einen Verein wie Hertha zu verlassen, in so einer schwierigen Lage wie vor einem Jahr, kann verbrannte Erde hinterlassen. Doch mit seiner zurückhaltenden, freundlichen und authentischen Art haben die meisten Hertha-Fans "ihren Ibo" immer noch im Herzen.
Es ist diese besondere Kombination aus Mensch und Sportler, die nach der Ballon-d'Or-Gala auch seinen aktuellen Leverkusener Trainer Carles Martínez über das Toptalent schwärmen ließ: "Er ist ein Klassetyp, jeder liebt ihn, weil er dem Team hilft, selbstlos ist - und diese Qualität ist für mich am wichtigsten", sagte der Spanier.
Da ist es kein Wunder, dass Maza zuletzt auch Begehrlichkeiten bei Klubs wie Paris Saint-Germain weckte. Dann dürfte sein Platz neun in der Kategorie "Men's Young Talent of the Year" beim diesjährigen Ballon d'Or nur der Anfang gewesen sein.
Denn um es nach ganz oben zu schaffen und vor allem dort auch zu bleiben, reicht es nicht aus, ein guter Einzelsportler zu sein. Oder um es mit den Worten des Ballon d'Or-Gewinners Harry Kane zu sagen: "Work hard in silence. Let success be your noise."