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Eine gute Strafe ist eine Strafe, die dem Vergehen angemessen ist. Dabei gehen seit Jahrtausenden die Meinungen auseinander, was als angemessen zu gelten hat. Zeus etwa darf als recht streng gelten. Er empfand es als nicht angebracht, dass Prometheus den Menschen Zugang zum Feuer ermöglichte. Die Menschen fanden es gut, Zeus nicht. Also ließ er den armen Prometheus ins Kaukasusgebirge fesseln und einen Adler jeden Tag des Titanen Leber speisen. Manch anderer fand das übertrieben. Letztlich schoss Herakles den Adler vom Himmel.
Auf der anderen Seite der Skala befindet sich der Fall Cristiano Ronaldo. Der Portugiese muss sich keine Sorgen um seine Leber machen. Und auch sonst um relativ wenig. Zumindest nach eigener Einschätzung dürfte sich Ronaldo in etwa im Rang eines Gottes-Gesandten an die Menschheit befinden. Der Mann besitzt den Körper eines Adonis (der wiederum Liebeleien mit Aphrodite und Persephone laufen hatte) und Talent im Überfluss. Lange Jahre setzte er Körper und Talent für die Nationalmannschaft Portugals ein.
Mittlerweile wandelt Ronaldo seit 41 Jahren auf der Erde. Nicht mehr als ein Blinzeln für eine Gottheit, für einen professionellen Fußballer aber biblisches Alter. Portugals Trainer Jorge Jesus hatte allzu Menschliches im irdischen Wirken Ronaldos erkannt und ihn wie einen der übrigen Fußballer seiner Auswahlmannschaft behandelt. Inklusive Bankplatz und Aufwärmübungen, ohne hernach eingesetzt worden zu sein. Das empfand Ronaldo als unwürdig und reiste von der Nationalmannschaft ab.
Eine gute Strafe versucht, das geschehene Unrecht zu sühnen. Im besten Fall profitieren die Geschädigten von der Strafe. Die Mitspieler Ronaldos hätten sich gewiss über einen selbst gebackenen Kuchen ihres Stars gefreut. Oder eine Rolex. Der Verband aber entschied sich, Ronaldo für 30 Tage zu suspendieren. In jenen 30 Tagen findet zufällig gar kein Länderspiel statt. Zusätzlich muss der beste Fußballer aller Zeiten (ungeprüfte Selbsteinschätzung) 255 Euro zahlen. Er verdient rund vier Millionen Euro. Pro Woche. Für jene 255 Euro muss er etwa 39 Sekunden arbeiten. Oder schlafen. Oder einfach Ronaldo sein.
Es handelt sich dabei offensichtlich um eine schlechte Strafe. Niemand findet sie angemessen (am wenigsten wohl Cristiano Ronaldo). Sie trägt nicht zur Abschreckung bei. Ronaldo muss ja nicht gleich ans Gebirge gefesselt werden. Und die Sache mit dem Adler scheint auch nicht mehr zeitgemäß. Zwischen 255 Euro und dem Kaukasus aber ist viel Ermessensspielraum.