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Padel erlebt in Deutschland einen rasanten Aufstieg. Die Einstiegshürden sind niedrig, die Zahl der Courts wächst. Doch kann der Trendsport tatsächlich Tennis verdrängen und zum Volkssport werden? Ein Blick nach Spanien zeigt, was möglich ist – und warum der Weg dorthin noch weit ist.
Die Mischung aus Tennis und Squash ist leicht zugänglich, schnell zu lernen und vor allem kommunikativ. "Macht mehr Spaß und ist leichter als Tennis" sagen viele, die Padel für sich entdeckt haben.
Sogar Tennis-Superstar Novak Djokovic ("Tennis is in danger") warnte bereits vor der wachsenden Konkurrenz durch den neuen Sport. Ist das traditionelle Spiel mit Schläger und Filzball also tatsächlich in Gefahr?
Ein Blick nach Spanien macht deutlich, welches Potenzial Padel haben kann. Dort gehört der Sport längst zum Alltag und ist nach Fußball der beliebteste Sport des Landes. Rund sechs Millionen Menschen spielen Padel aktiv.
"In Spanien gibt es den Sport schon 20, 30, 40 Jahre. Deshalb sind sie uns und allen anderen Nationen in Europa einfach voraus und ein bisschen der Vorreiter", sagt Nick Merten, aktuell Deutschlands Nummer eins im Padel. Er selbst hat mit dem Sport erst vor rund drei Jahren begonnen.
Tennis is in danger.Tennis-Superstar Novak Djokovic
Der Unterschied zu Spanien ist allerdings gewaltig: In Deutschland spielen derzeit rund 350.000 Menschen Padel – also nur ein Bruchteil der rund sechs Millionen spanischen aktiven Padel-Spielerinnen und -Spieler. Auch bei den Sportanlagen liegen die beiden Länder weit auseinander. Während es in Spanien 17.000 Plätze gibt, sind es in Deutschland noch nur 2300. Aber auch hier werden es immer mehr.
Der besondere Reiz liegt für Merten vor allem im sozialen Aspekt des Sports. "Der Reiz am Padel macht für mich einfach dieses Gemeinschafts- oder Community-Gefühl aus. Die Einstiegshürde ist schon relativ gering. Du kriegst schnell Ballwechsel zustande und mittlerweile gibt es mehr und mehr Courts."
Genau diese niedrige Einstiegshürde könnte ein entscheidender Vorteil gegenüber Tennis sein. Padel wird grundsätzlich im Doppel gespielt, die Spielfläche ist kleiner und die Wände gehören zum Spiel dazu. Dadurch entstehen auch bei Anfängern schnell längere Ballwechsel.
Der Boom bleibt nicht ohne Folgen für Tennis. Immer mehr kommerzielle Anbieter erweitern ihr Angebot um Padel. Teilweise werden dafür bestehende Tennisplätze umgebaut. Der Grund ist simpel: Auf der Fläche eines Tennisplatzes lassen sich je nach Anordnung zwei bis drei Padel-Courts unterbringen.
Für Tennisvereine kommt der Trend zu einem schwierigen Zeitpunkt. Die Zahl der Außen-Tennisplätze ist in Deutschland bereits seit Jahren rückläufig. Ende der 1990er-Jahre gab es noch rund 47.000 Außenanlagen, heute sind es weniger als 40.000. Auch etablierte Tennisvereine reagieren. Der renommierte Hamburger Club an der Alster hat sein Angebot inzwischen ebenfalls um Padel erweitert und zu zwei bestehenden noch zwei weitere Courts gebaut.
Die Entwicklung wirft eine Frage auf: Entsteht hier gerade ein neuer Sportboom – oder wird Padel irgendwann das gleiche Schicksal ereilen wie andere Trendsportarten?
Ein Blick zurück zeigt, wie schnell sich Sporttrends verändern können. In den 1970er-Jahren kam Squash aus England nach Deutschland. In den 1980er-Jahren wurde die Sportart zum absoluten Trend. Neue Squashplätze entstanden vielerorts, der Sport galt als modern und angesagt. Doch der Boom hielt nicht dauerhaft an. Anfang der 2000er-Jahre war die große Euphorie weitgehend vorbei. Plätze wurden wieder umgebaut oder abgerissen.
Padel könnte also vor einer ähnlichen Herausforderung stehen: Aus einem Boom muss eine dauerhaft etablierte Sportstruktur werden.
Dabei kennt auch Tennis das Phänomen des plötzlichen Masseninteresses. In Deutschland waren es vor allem zwei Namen, die den Sport in den 1980er-Jahren prägten: Boris Becker und Steffi Graf. Die Erfolge der beiden Stars machten Tennis für Millionen Menschen attraktiv. Vorbilder können einen Sport enorm pushen.
Padel-Court in der Innenstadt von Buenos Aires
Doch genau hier liegt eine weitere Herausforderung für Padel. Ein deutscher Superstar von internationaler Strahlkraft fehlt bislang. Merten ist zwar Deutschlands Nummer eins, international aber noch weit von der Weltspitze entfernt.
"Deutschland hinkt hinterher, das kann man auf jeden Fall sagen. Alles, was mit den Top 100 zu tun hat, davon sind wir Deutschen noch weit weg. Man kann die deutsche Nummer eins nicht mit der spanischen Nummer eins vergleichen. Da gibt es nochmal 100 bis 120 spanische Spieler, die mindestens besser sind", so Merten, der im Moment in der Weltrangliste nicht unter den besten 1000 Spielern zu finden ist.
Auch die Trainingsmöglichkeiten zeigen, wie unterschiedlich die Entwicklung in beiden Ländern ist. "In Spanien gibt es vor allem richtige Akademien, wo wirklich leistungsorientiert trainiert wird", erzählt Merten. In Deutschland sei die Szene dagegen noch klein.
"Die Bubble in Deutschland ist relativ klein, das heißt, du spielst relativ oft mit den gleichen Spielern. Also wir haben aktuell keinen Trainer, bei dem ich trainieren kann in Deutschland, so ehrlich muss man auch sein."
Für einen möglichen Weg zum Volkssport ist das ein wichtiger Punkt. Denn dauerhaft erfolgreiche Sportarten brauchen nicht nur Freizeitsportler, sondern auch Vereine, Nachwuchsarbeit, Trainer und sportliche Vorbilder.
2029 kommt die Padel-EM nach Deutschland
Trotzdem könnte sich in den kommenden Jahren einiges verändern. Ein wichtiger Meilenstein steht bereits fest: Deutschland soll 2029 Gastgeber der Padel-Europameisterschaft werden. "Das ist für uns ein super Zeichen und ich glaube, es wird auch einfach weitergehen. Wir wollen es schaffen, dass es eine EM wird, wie sie vorher noch nicht da war", sagt Steffi Steible, die Geschäftsführerin des Deutschen Padel Verbands.
Und es gibt ein noch größeres Ziel: Olympia. Padel könnte bereits bei den Olympischen Spielen 2032 in Brisbane auf dem Programm stehen. Eine Aufnahme ins olympische Programm wäre für die Sportart ein enormer internationaler Schub.
Auch in Deutschland könnte die Entwicklung weiter rasant vorangehen. Expertinnen und Experten erwarten, dass sich die Zahl der Padel-Plätze im kommenden Jahr noch einmal verdoppeln könnte.