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Jobe Bellingham wirft enttäuscht den Kopf nach oben.
Bild: Schwatzgelb.de

Borussia Dortmund schafft es auch im dritten Spiel nach der Länderspielpause nicht zu überzeugen. In einem chancenarmen Spiel geht es dem BVB sehr ähnlich zum Autoren dieses Spielberichts. Es fehlen die Ideen.

Sonntag. Fast punktgenau 12:00. Während ich die normalen Quälereien der Deutschen Bahn über mich ergehen lasse, sitze ich also hier am Bahnsteig in Berlin vor einem leeren Word-Dokument. In meiner Euphorie, endlich den Ground der Alten Försterei abzuhaken, meldete ich mich übereifrig, um den Spielbericht zu schreiben. Jetzt sitze ich hier also und habe ungefähr so viele Ideen, wie ich diesen Artikel aufziehen möchte, wie Borussia Dortmund im Spielaufbau.

Beginnen wir vielleicht mit dem Positiven. Das Stadion in Köpenick ist neben all den mal mehr, mal weniger modernen Arenen eine wirklich schöne Abwechslung. Auf der Romantik-Skala eine echte 10/10. Auch Nackensteak im Brötchen statt Stadionwurst war ein Highlight. Die Zeit bis zum Anpfiff fällt dann unter die Kategorie „eigenartig“. Die aktive Fanszene kam auf den letzten Drücker in den Block, was potenzielles Warmsingen von der Tagesagenda strich, allerdings freie Sicht auf die Unionfans ermöglichte. Diese hatten in Form ihrer (Nachwuchs-)Gruppe TeenSpirit ihr 20-jähriges Jubiläum und feierten dies mit einer sehr ansehnlichen Choreo, inklusive Pyro-Elementen.

Ein zentrales Bild der Choreo der Union Fans. Auf dem Bild sichtbar ist der in zwei verschiedenen Farben hochgezogenen Schriftzug "Union Berlin", sowie die Hälfte von "Teen Spirit Köpenick".
Geburtstagsfeier in Berlin. · Schwatzgelb.de

Noch ehe der Rauch richtig verzogen war, hatte Schiedsrichter Daniel Schlager schon die erste kalte Dusche im Gepäck. Nach einem Foul von Ethan Nwaneri an Ex-Borusse Tom Rothe zog der Unparteiische die rote Karte. Dass dies ungewollt geschah und Schlager seinen Fehler umgehend mit der gelben Karte korrigierte, tat dem Schrecken, der durch den Block zuckte, keinen Abbruch. Leider erreichte der Wachmacher nur die körperliche Seite des Spiels.

In den nächsten 30 Minuten gab es insgesamt noch vier weitere gelbe Karten. Während alle im Vakuum vertretbar waren, taten sie dem Spiel und auch der Linie von Schlager nicht gut. Dieser versuchte dies in der zweiten Halbzeit durch große Nachsichtigkeit bei Fouls zu korrigieren, was in teils grotesken Entscheidungen mündete. Der Höhepunkt hier war sicherlich das Umreißen von Rothe gegen Julian Ryerson kurz vor Schluss. Die Art und Weise hätte selbst in der NFL eine Strafe für „Pass Interference“ nach sich gezogen. Aber zurück zum Spiel.

Der Berliner grätscht Julian Ryerson um. Dieser verzieht das Gesicht schmerzverzerrt.
Auf beiden Seiten wurde hingelangt. · Schwatzgelb.de

Die von Niko Kovac geforderte Steigerung in puncto Zweikampf-Intensität wurde mit Bravour erfüllt. Der Rest? Meh.
Hin und wieder waren kleine Änderungen zu erkennen. Bellingham positionierte sich im Aufbau häufiger rechts neben den Innenverteidigern, um die Verantwortung im Spielaufbau ein wenig von Gadous Schultern zu nehmen, der weiterhin Probleme im Passspiel offenbart. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass mehr Verantwortung bei Felix Nmecha lag, das Spiel zu lenken und zu verwalten. Leider ist Felix Nmecha trotz Traumtoren gegen Abstiegskandidaten noch nicht in der Form der letzten Saison. Auch Bellingham hatte mal wieder ein bestenfalls passables Spiel, ohne in irgendeiner Form zu glänzen.

Chancen waren in der ersten Halbzeit wahrlich Mangelware. Die besten auf beiden Seiten gab es in der Nachspielzeit. Jedoch passte sich der Abschluss von Ethan Nwaneri seiner sonstigen Leistung an und ein Freistoß von Imeri fand in Kobel seinen Meister.

Die zweite Hälfte

Nach der Pause wurde dann im Gästeblock das Intro nachgeholt, welches offensichtlich für den Spielbeginn angedacht gewesen war. Im eifrigen Fähnchenwedeln habe ich währenddessen zwar noch weniger vom Spiel gesehen als in der ersten Halbzeit, wenn ich die Reaktionen der umliegenden Tribünen und der üblichen Live-Ticker jedoch richtig deute, hat man hier auch nicht viel verpasst. Dortmund war körperlich präsent, hatte jedoch keine Idee, wie man mit dem Ball ins letzte Drittel kommt.

Vor schwarz und gelben Fähnchen prankt der Schriftzug: In den Metropolen dieser Welt singen wir laut für schwarz und gelb!"
Optische Aktion zur Einläutung der zweiten Halbzeit · schwatzgelb.de

Nachdem auf beiden Seiten mal mehr, mal weniger gute Torchancen ohne Erfolg geblieben waren, wollte Niko Kovac mit der Hereinnahme von Fabio Silva sowie Konstantinos Karetsas dem Spiel nach vorne neues Leben einhauchen. Leider verletzte sich der letztgenannte Spieler innerhalb von fünf Minuten und musste gestützt den Platz umgehend wieder verlassen. Es scheint sich um eine Sprunggelenksverletzung zu handeln, deren genaue Ausfallzeit allerdings erst noch ermittelt werden muss. Wir wünschen gute Besserung!

Für ihn kam Mathis Albert zu seinem ersten Bundesligaeinsatz in dieser Saison. Endlich einen Spieler zu haben, der Gefahr von außen kreieren kann, hätte ein Katalysator für die ganze Mannschaft sein können. Leider stürmte Albert in den ersten Minuten nach der Einwechslung im für ihn sehr ungewohnten rechten Halbraum, was ihm eine seiner größten Stärken nahm, weil Julian Ryerson den Raum an der Seitenlinie in großer Regelmäßigkeit bespielt. Kovac korrigierte seinen Fehler zugegebenermaßen recht schnell und ließ ihn mit Silva die Seiten tauschen. Dies half nicht nur Albert, sondern auch Daniel Svensson, der nicht mehr alleine dafür zuständig war, auf der linken Seite für Breite zu sorgen, und gab ihm die Möglichkeit, sich mehr in den von ihm favorisierten Räumen aufzuhalten.

Trotz besserer Aufteilung im letzten Drittel schaffte es Schwarzgelb kaum, echte Torchancen zu kreieren. Guirassy gab in der 87. Minute aus spitzem Winkel den ersten Schuss ab, bei dem Rønnow zum Eingreifen gezwungen war. Nur zwei Minuten später köpfte der Stürmer dann Albert an. Dieses Zufallsprodukt landete immerhin so nah neben dem Tor, dass einige Fans im Gästeblock bereits zum Jubelsturm ansetzten.
Das erste 0:0 der Ära Niko Kovac (damals bei der Klub-WM gegen Fluminense) und das erste torlose Bundesligaspiel mit Beteiligung von Borussia Dortmund seit dem 2. Spieltag 2024/25 war dann wenige ereignislose Minuten später amtlich.

Gedanken nach dem Spiel

Und was bleibt von diesem Spiel? Eine weitere Bestätigung dafür, wie planlos Borussia Dortmund aktuell wirkt, wenn man gegen tiefstehende Gegner spielt, wenig Euphorie mit Blick auf die nächsten Spiele und doch die Gewissheit, dass man sowieso in einer Woche wieder im Westfalenstadion stehen wird.

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