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Im Saarland ist die Auswärtsserie von Mainz 05 gerissen: Die 05er verteidigen gegen Aufsteiger SV Elversberg dilettantisch und sind mit der 1:4-Niederlage noch gut bedient.
Spiesen-Elversberg. Nun hat es den punktverlustfreien Auswärts-Spitzenreiter auch in der Bundesliga erwischt. Und wie heftig. Rund 75 Stunden nach dem enttäuschenden Pokal-Aus im Bochumer Ruhrstadion gab es für die reiselustigen, aber auch an diesem Freitagabend orientierungslos und planlos wirkenden Rheinhessen auch im Saarland kein schönes Souvenir. Keine drei Punkte wie bei den bisherigen drei Bundesliga-Gastspielen, sondern eine 1:4 (0:3)-Niederlage gegen den forschen Aufsteiger SV Elversberg als durchaus besorgniserregendes Mitbringsel aus der Stadion-Baustelle in Spiesen-Elversberg. Ein heftiger Rückschlag, der Trainer und Fußballer von Mainz 05 auch in den nächsten Tagen noch wurmen und beschäftigen wird. Vor allem das dilettantische Zweikampfverhalten wird zunehmend zu einem Kardinalproblem, auf das die 05er momentan keine Antwort finden.
Zwei Mainzer Geburtstagskinder dieser Woche durften gegen den Aufsteiger von Beginn an ran. Zwei Tage nach seinem 32. Wiegenfest und anderthalb Monate nach seinem letzten Startelf-Einsatz bei der 1:3-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt kehrte der von einer Handverletzung genesene Stammkeeper Robin Zentner ins Tor der 05er zurück. Und: Nachdem Nadiem Amiri am Dienstag wegen Knieproblemen seinen 30. Geburtstag auf der Couch statt auf dem Rasen des Ruhrstadion verbrachte, führte er am Freitagabend das 05-Team wieder als Kapitän an. Anthony Caci ersetzte auf der rechten Schiene wieder Silvan Widmer, Paul Nebel stand wie schon in Bochum in der Anfangsformation. Ohnehin forderte Coach Urs Fischer von den im Pokal Gescheiterten eine andere Haltung, ein komplett anderes Auftreten als am Dienstag – und eigentlich auch eine Anfangsphase ohne frühes Gegentor.
Letzterer Wunsch zerplatzte nach sieben Minuten wie eine Seifenblase. Ein verkorkster Klärungsversuch von Phillipp Mwene, der bereits in Minute vier seine fünfte Gelbe sah (und damit im Heimspiel gegen Bayern München fehlt), führte zu einem Foulspiel von Stefan Posch am Strafraumkreis – den folgenden Freistoß aus 20 Metern beförderte Präzisionsschütze Felix Keidel rechts an der Mauer vorbei ins rechte (Torwart-)Eck. Noch schlimmer: Was sich nach dem frühen Führungstreffer abspielte, wirkte fast wie eine Fortsetzung des mageren Bochum-Spiels – allerdings gegen einen deutlich besseren, viel handlungsschnelleren und nun noch heißhungrigeren Gegner, der das teilweise tölpelhafte Verteidigungsverhalten der 05er fast nach Belieben ausnutzte. Während nämlich auf Mainzer Seiten kein Aufbäumen, keine Spielidee und kein Timing in den meisten Szenen zu erkennen war, spielten die Elversberger die trägen Gäste schwindelig. Francis Onyeka schüttelte Paul Nebel vor dem 2:0 mit einer Leichtigkeit ab, als hätte sich ein leichtgewichtiger C-Jugendspieler ihm in den Weg gestellt. Dass auf dem Weg zum Strafraum David Mokwa gleich drei Mainzer düpierte, passte ins Bild. Apropos düpieren: In der Nachspielzeit tanzte Maurice Krattenmacher nach einer verunglückten Faustabwehr des in vielen Szenen keine Sicherheit ausstrahlenden Zentner im Strafraum Nadiem Amiri und Nebel aus und traf zum 3:0. Die 05-Fans waren nun so richtig sauer, forderten mit dem Pausenpfiff: „Wir wollen Euch kämpfen sehen.“ Mit einer so erschreckenden Halbzeit hatte kein Mainzer gerechnet.
Apropos Amiri: Der am Knie bandagierte Spielmacher wirkte von Beginn an sichtlich angeschlagen, langsam, hielt sich in defensiven Zweikämpfen sehr zurück und konnte in der Vorwärtsbewegung kaum durchsetzen und keinerlei Akzente setzen.
Zeitig kamen die Mainzer aus der Kabine und man merkte ihnen an, dass sie um Korrektur bemüht sind. Bemüht ja, aber zu ungestüm und ungenau. Und zu allem Überfluss kam nach Urs Fischers Vierfachwechsel (Königsdörffer, Maloney, Widmer und Hollerbach für Tietz, Amiri, Mwene und Nebel) bei Ransford Königsdörffer Heber über Torwart Nicolas Kristof zum vermeintlichen 1:3 die kalibrierte Linie des VAR dazu (65.) – und zerstörte den Hoffnungsschimmer auf eine Aufholjagd. Millimeter-Pech einerseits und eine starke Zentner-Tat gegen den schnellen Mokwa, die andererseits den vierten Gegentreffer verhinderte (71.).
Mit einem Seitfallzieher holte Cole Campbell dieses Versäumnis nach (4:0/90.+1), Benedict Hollerbach verkürzte im Gegenzug (90.+2), ehe sich Stefan Posch mit der letzten Aktion des Spiels die Gelb-Rote Karte und ein spielfreies Wochenende gegen Bayern München abholte (90.+4). Die 05-Fans hatten da schon ihre Fahnen zusammengerollt und verabschiedeten ihre Mannschaft mit einem Pfeifkonzert.
Mainz 05: Zentner – da Costa, Posch, Potulski – Caci, Sano (87. Martel), Mwene (61. Widmer) – Amiri (61. Hollerbach), Nebel (61. Maloney) – Tietz (61. Königsdörffer), Becker.