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"Jetzt reicht es": Biathlon-Ikone spricht über ihr neues Leben

Dorothea Wierer ist seit dieser Saison als Biathlon-Expertin für die ARD tätig. © picture alliance/BEAUTIFUL SPORTS/Nils Koepke

Fast zwei Jahrzehnte lebte Dorothea Wierer für den Biathlon. Seit ihrem Karriereende nach Olympia genießt die Südtirolerin die neue Freiheit – und wagt als ARD-Expertin den nächsten Schritt. Im Interview spricht sie über den Abschied vom Leistungsdruck und ihre ersten Erfahrungen am Mikrofon.

Dorothea Wierer hat im Februar 2026 ihre Biathlon-Karriere beendet – und genießt die neu gewonnene Freiheit. Nach Jahren im Leistungssport muss die Südtirolerin nicht mehr ständig Topresultate liefern und ihren Alltag dem Trainings- und Wettkampfkalender unterordnen. Dass sie ihre Laufbahn bis zu den Olympischen Winterspielen in ihrer Heimat fortgesetzt hat, bereut sie nicht. Im Gegenteil: Für die viermalige Weltmeisterin war es ein schöner Abschluss. Inzwischen hat Wierer eine neue Aufgabe gefunden.

Als ARD-Expertin erlebt die 36-Jährige den Biathlon aus einer völlig anderen Perspektive. Im Interview spricht sie über den mentalen Druck während ihrer Karriere, ihre Erfahrungen bei einem Hyrox-Wettkampf und darüber, warum sie die Professionalität des deutschen Fernsehens beeindruckt.

Frau Wierer, Sie sind nach den Olympischen Spielen im Februar als Biathletin zurückgetreten. Ist Ihnen der Schritt schwergefallen, oder denken Sie sich inzwischen: "Gott sei Dank muss ich das alles nicht mehr machen"?

Dorothea Wierer: Man kommt irgendwann an einen Punkt, an dem man sagt: "Jetzt reicht es." Wenn man über so viele Jahre an der Weltspitze unterwegs war, ist das anstrengend – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Man muss immer wieder Ergebnisse liefern. Ich bin jetzt froh, dass ich mental freier bin. Wenn ich müde bin, ist das nicht mehr so wichtig. Es ist egal, wenn ich mal spät ins Bett gehe oder schwere Beine habe. Natürlich waren es schöne Zeiten mit dem Team und mit all den Erfolgen. Aber immer wieder Topleistungen bringen zu müssen, ist eben auch schwierig.

Sie haben Ihre Karriere extra noch mit Blick auf die Olympischen Winterspiele in Italien verlängert. Wenn es die Spiele nicht gegeben hätte, hätten Sie dann früher aufgehört?

Wierer: Ja, wahrscheinlich hätte ich ohne Olympia schon früher aufgehört. Aber so war es ein schöner Abschluss.

Manche Athleten sagen, dass ihnen der Abschied vom Leistungssport sehr schwerfällt, weil plötzlich der gewohnte Tagesrhythmus weg ist und sie nicht mehr wissen, wie es weitergeht. Sie scheinen damit gut zurechtzukommen.

Wierer: Ich habe mich schon sehr lange darauf eingestellt. Wenn man weiß, was man danach machen möchte, und Pläne hat, ist das hilfreich. Als Athlet lebt man immer nach einem Plan. Wenn man plötzlich keinen mehr hat, kann das für einige schwierig sein. Ich wusste aber, was auf mich zukommt.

Sie haben zuletzt auch an einem Hyrox-Wettkampf teilgenommen. Wie hat Ihnen das gefallen?

Wierer: Ich dachte, ich mache vielleicht ein oder zwei Rennen. Es ist aber wirklich sehr, sehr anstrengend. Ich hätte nicht gedacht, dass es muskulär so hart ist. Man muss dafür eben auch trainieren, und leider hatte ich zuletzt nicht so viel Zeit. Ich habe seit meinem Karriereende nur sehr wenig trainiert.

Wie gefällt Ihnen Ihre neue Aufgabe als ARD-Expertin? Sie haben beim Loop One in München Ihren ersten Auftritt in dieser Funktion erlebt.

Wierer: Sehr gut. Das Team ist sehr nett, und es ist wirklich interessant, wie schnell man dazulernt. Das Ganze ist ziemlich kompliziert: die Abläufe zwischen Regie, Moderation, Interviews und Co-Kommentatoren. Ich muss das alles erst noch lernen. Aber es ist wirklich sehr interessant, und alle sind so nett und professionell.

Auf ihr liegen Deutschlands Biathlon-Hoffnungen

Was sind Ihre ersten Eindrücke?

Wierer: Bisher war ich nur für das italienische Fernsehen tätig, das ist komplett anders. Dort wird richtig herumgeschrien, während es bei den Deutschen deutlich professioneller zugeht – auch in der Technik. Es ist Wahnsinn, was da alles dahintersteckt. Davon können wir in Italien nur träumen.

Was genau beeindruckt Sie an der Arbeit der deutschen Fernsehteams?

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Wierer: In Deutschland müsst ihr es wirklich zu schätzen wissen, dass man hier so viele Top-Leute hat, die alles hundertprozentig professionell machen und versuchen, die bestmöglichen Bilder zu liefern. Das ist auch für die Athleten selbst ein Glück. Ich denke, das gilt generell für den Wintersport.

Über die Gesprächspartnerin

  • Dorothea Wierer (36) war eine der erfolgreichsten Biathletinnen Italiens. Die 36-jährige Südtirolerin gewann vier Weltmeistertitel, zweimal den Gesamtweltcup und vier olympische Medaillen. Nach den Olympischen Winterspielen 2026 in ihrer Heimat beendete sie ihre Karriere und arbeitet seit dieser Saison als Expertin für die ARD.

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