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Nico Kovac traute der Sache noch nicht: Der Trainer von Borussia Dortmund tigerte vor seiner Coaching-Zone auf und ab, ruderte wild mit den Armen, brüllte Kommandos aufs Feld. Er hatte ja schon mehrfach erleben müssen, dass eine Zwei-Tore-Führung am Ende nicht genug war. Und tatsächlich, auch gegen den Aufsteiger SV Elversberg wurde es noch einmal richtig eng, es fiel noch einmal der Anschlusstreffer – aber es sollte so eben reichen zu einem 2:1 (0:0)-Sieg.
Kovac hatte sich erneut für die Viererkette entschieden, die schon beim 2:2 beim FC Bayern München sehr gut funktioniert hatte. Und vorne für Fabio Silva als Ersatz für den verletzten Mittelstürmer Serhou Guirassy. Beides ging zunächst bestenfalls halbwegs auf. Defensiv funktionierte die neue Formation zwar, nach vorne aber dauerte es, bis die Dortmunder in Gang kamen. Und das hatte eben auch mit Silva zu tun. Dessen Schaffensnachweis bestand nach der Anfangsviertelstunde allein aus zwei Abseitspfiffen, die er sich schon nach 90 Sekunden eingehandelt hatte.
Torszenen waren zunächst Mangelware, ein langweiliges Spiel war es aber dennoch nicht. Denn beide Mannschaften waren bemüht, schnell und direkt nach vorne zu spielen. Der Aufsteiger Elversberg blieb sich und seiner Spielweise treu, verbarrikadierte sich keineswegs am eigenen Sechzehner, sondern suchte immer wieder den Weg nach vorne. So ging es rasant hin und her, an den Strafräumen versandeten die Aktionen jedoch meistens.
Bis die Dortmunder einmal blitzschnell konterten: Konstantinos Karetsas spielte in die Tiefe, Felix Nmecha legte quer und Silva sah, dass Elversbergs Torhüter Nicolas Kristoff sehr weit vor seinem Tor schoss. Ein Schuss aus 40 Metern, ein erwartungsvoller Aufschrei der 81.365 Zuschauer – doch der Ball landete am Außennetz (16.). Und Silva vergab auch die nächste, noch viel bessere Gelegenheit: Nmecha drehte sich elegant um Gegenspieler Lukasz Poreba, seinen Schuss konnte Kristoff nur nach vorne abwehren. Silva bekam zwar den Fuß an den Ball, doch der segelte neben das Tor (29.).
Es sollte vor der Pause die letzte nennenswerte Dortmunder Offensivszene bleiben, stattdessen gab es schlechte Nachrichten: Carney Chukwuemeka, in den vergangenen Wochen endlich so richtig angekommen im Dortmunder Team, musste mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden (33.). Danach meldete sich die Elversberger Offensive nachhaltig im Spiel an. Doch Francis Onyeka jagte die Kugel aus 20 Metern knapp vorbei (44.) und Lukas Petkovs scharfen Distanzschuss hielt Gregor Kobel im Nachfassen (45.+5).
Die zweite Halbzeit begann dann mit einem kleinen Chancenfeuerwerk: Erst setzte Jobe Bellingham eine Direktabnahme aus elf Metern knapp neben das Tor (46.), dann köpfte Onyeka nach einem Freistoß zu hoch (48.) und wiederum auf der anderen Seite steckte Karetsas durch auf Silva, der aber zu zentral auf Kristof abschloss (49.). Und auch gegen einen Karetsas-Fernschuss war der SV-Schlussmann auf dem Posten (53.). Die noch dickere Gelegenheit aber hatte erneut Onyeka, der den Ball aus kürzester Distanz nicht an Kobel vorbeibekam (54.).
Ein Tor lag in der Luft, und ein Tor fiel: Joey Vermaan schlug einen präzisen langen Ball, Silva pflückte ihn am Strafraum aus der Luft, verzögerte geschickt und bediente dann den nachrückenden Nmecha, der von der Strafraumgrenze präzise ins kurze Eck traf (65.). Der Aufsteiger Elversberg aber dachte gar nicht daran, aufzustecken: Kobel musste sich gehörig strecken, um einen 30-Meter-Freistoß von Petkov abzuwehren (61.).
Kovac reagierte, stellte um auf eine Dreierkette in der Abwehr. Und seine Mannschaft blieb die effizientere: Wieder war es Nmecha, der an der Strafraumgrenze an den Ball kam, nun nach einer Kopfballabwehr, und den Ball präzise ins Tor jagte (71.).
Die Entscheidung? Noch nicht. Elversberg ließ sich nicht beirren, erhöhte den Druck, und der eingewechselte Noel Futkeu traf mit hübschem Seitfallzieher zum Anschluss (81.). Und den Dortmundern gelang es nicht mehr, Ruhe ins Spiel zu bringen, Elversberg hatte noch einige aussichtsreiche Szenen – brachte sie aber nicht mehr ins Ziel. Und so kann sich der BVB weiter über den zweiten Tabellenplatz freuen, punktgleich mit Spitzenreiter Bayern München – muss sich aber fragen lassen, wie ihm ein vermeintlich entschiedenes Spiel gegen einen Aufsteiger derart entgleiten konnte.