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Stan Wawrinkas Karriereende: Im Namen der Hose

Der Schweizer Stan Wawrinka konnte es als einer von ganz wenigen Tennisprofis mit den „großen Drei“ in deren Glanzzeit aufnehmen. Nun beendet er seine Karriere. Wawrinka wird fehlen.

Stan Wawrinka war bis zum letzten Ballwechsel seiner Tenniskarriere immer mit ganzem Herzen bei der Sache.

Ein wunderschöner Schlag und eine unfassbar hässliche Hose: Das ist das Mindeste, was vom Stan Wawrinkas Berufsleben im Gedächtnis bleiben wird. Der Schlag, den der Schweizer auf ebenso aggressive wie ansehnliche Art auszuführen vermochte wie kaum ein Zweiter in der Tennisgeschichte, ist selbstverständlich die einhändige Rückhand. Herrlich anzuschauen wie bei den bereits zurückgetretenen Kollegen Roger Federer und Richard Gasquet. Und höchst effektiv, vor allem in den Matches, in denen Wawrinka die Tennisshorts im braun-beige-roten Gittermuster trug.

Das Kleidungsstück wurde zum Kultobjekt, als sein Träger 2015 die French Open gewann. Vermutlich hat Wawrinka, der am Dienstag bei seinem Heimturnier in Basel das letzte Match seiner Profikarriere absolvierte, im atemraubenden Pariser Finale gegen den damaligen Weltranglistenersten Novak Djokovic so gut gespielt wie nie. Und nach seinem Viersatzsieg über die Witze, die alle Welt über seine Hose riss, nicht nur gelacht: Er lieferte eine eigene Pointe und ließ einen Schlüsselanhänger anfertigen mit der großkarierten Hose im Kleinformat.

Stan Wawrinkas großkarierte Hose von 2015 – hier im Kleinformat als Schlüsselanhänger
Stan Wawrinkas großkarierte Hose von 2015 – hier im Kleinformat als Schlüsselanhängerprivat

Wawrinka, 41 Jahre alt, wird fehlen. Als einer, der es mit den „großen Drei“ aufnehmen konnte und ihnen so manches Schnippchen schlug. In der Ära von Federer, Nadal und Djokovic gewann der Schweizer drei Grand-Slam-Titel: 2014 bei den Australian Open, 2015 in Paris, 2016 bei den US Open. 2008 gewann er mit Federer Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen in Peking, 2014 mit dem Schweizer Team den Davis Cup.

Fehlen wird er den Tennisfans nicht nur wegen seiner fantastischen Rückhand, sondern auch wegen seines nie nachlassenden Kampfgeists. Sie spürten, wie gerne er vor ihnen – und für sie – spielte: „Es ist ein wunderbares Leben, um die Welt zu reisen, bei den größten Turnieren anzutreten und vor einer Menge Leuten spielen zu dürfen“, sagte Wawrinka in einem seiner vielen Abschiedsinterviews.

Die elfmonatige Hatz rund um die Tenniswelt macht viele von Wawrinkas bisherigen Kollegen mürbe. Selbst Jüngere zeigen sich so ausgelaugt, dass sie die Saison vorzeitig beenden. Der Schweizer dagegen hat die harte Tour ausgekostet – was von besonderer Resilienz und der Leidenschaft für das Spiel und den Wettbewerb zeugt. Viele Berufstätige geben vor, jeden Tag mit Freude zur Arbeit zu gehen. Wawrinka hat man den Spaß tatsächlich angesehen, sobald er einen Tennisplatz betrat.

Es gibt einige Anlässe zum Augenrollen, wenn alternde Sportstars einfach kein Ende finden wollen oder können. Die 46 Jahre alte Venus Williams, die von Turnierveranstaltern mit Wildcards zum Weitermachen animiert wird, obwohl sie ständig verliert, ist ein krasses Beispiel.

Stan Wawrinka nahm solche Geschenke zwar gelegentlich auch an. Doch genoss er es in den vergangenen eineinhalb Jahren genauso, sich auf der zweitklassigen Challenger Tour und vor ein paar hundert Zuschauern mit jüngeren Spielern zu messen. Seine Karriere beendet er auf Weltranglistenplatz 151. Den letzten seiner 16 ATP-Turniersiege holte er vor neun Jahren.

Die hässliche Hose liegt längst im Tennismuseum von Roland Garros. Wawrinkas Paradeschlag erscheint auch langsam museumsreif, spielt doch kaum noch ein Tennisprofi die Rückhand einhändig. Und was wird aus „Stan the Man“, da er jetzt kein Welttennisbürger mehr ist? Er gehe ohne Bedauern, sagte Wawrinka. Jede Wette, dass wir ihn bald als Trainer wiedersehen.

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