Zurück
Borussia Dortmund besiegt Werder Bremen und steht im Achtelfinale des DFB-Pokals. Doch wichtiger als das Weiterkommen ist die Art und Weise, wie der BVB aufgetreten ist - zumindest für eine Halbzeit.
Als Marcel Sabitzer tief in der Nachspielzeit zum Freistoß anlief und den Ball mit viel Gefühl zum entscheidenden 3:2-Siegtreffer über die Bremer Mauer in die Maschen setzte, kannte der Jubel im Dortmunder Westfalenstadion keine Grenzen mehr. Ausgelassene Stimmung nach einem Sonntagsschuss, der das Spiel entscheidet, ist nichts Außergewöhnliches - tosender Applaus schon zur Halbzeit hingegen schon.
Nicht die Emotionen nach dem Schlusspfiff, sondern die zum Pausenpfiff offenbaren die tiefe Sehnsucht der Dortmunder Fans nach einer Mannschaft, die nicht nur gewinnt, sondern begeistert. Denn genau das hat der BVB trotz einer überdurchschnittlichen Punkteausbeute in der Liga in den vergangenen Wochen, ja Monaten, vermissen lassen.
Dortmund erarbeitete sich seine Siege häufig, ließ dabei aber auch Punkte liegen. Das torlose Remis gegen Union Berlin oder die Niederlage beim norwegischen Außenseiter Bodø/Glimt in der Champions League stehen beispielhaft für Dortmunds Probleme, Spiele souverän zu gestalten.
Gegen Werder Bremen war die Spielfreude plötzlich zurück im Westfalenstadion. Anders als zuletzt spielte Dortmund schnell und direkt. Dabei besetzten erstmals Jobe Bellingham und Carney Chukwuemeka die offensiven Halbräume und wurden immer wieder von einem dynamischen Felix Nmecha mit Pässen in die Tiefe gefüttert. So entstanden gefährliche Angriffe, denen Bremen zunächst wenig entgegenzusetzen hatte. "Wir haben die freien Räume gesucht und gefunden", sagte Dortmunds Trainer Niko Kovac.
Zur offensiven Wucht und den frühen Toren von Guirassy (6.) und Chukwuemeka (17.) gesellte sich das geschlossene und aggressive Pressing, auf das Kovac so viel Wert legt. Durch enge Abstände zwischen den Linien erzwang Dortmund Ballverluste auf Bremer Seite, die wiederum in gefährlichen Umschaltsituationen mündeten.
Doch so schnell die Dortmunder Leichtigkeit gekommen war, so schnell ging sie auch wieder verloren. Letztlich reichte eine Unaufmerksamkeit von Rechtsverteidiger Julian Ryerson, um das Dortmunder Gebäude beinahe zum Einsturz zu bringen. Seinem Trikotzupfer am Bremer Schmetgens im Strafraum folgte ein Elfmeter, den Stürmer Niklas Füllkrug in der 65. Minute souverän verwandelte.
Kurze Zeit später übertölpelte Füllkrug die hoch aufgerückte Dortmunder Dreierkette noch einmal und traf zum 2:2-Ausgleich. Zwischen der Dortmunder Dominanz und einem kompletten Kontrollverlust lagen gerade einmal vier Minuten. "In der zweiten Halbzeit ist vieles falsch gelaufen", sagte Niko Kovac. "Es wurde wild und unorganisiert. So etwas darf uns nicht passieren."
Dass der Pokalabend gegen Bremen aus Dortmunder Sicht versöhnlich endete, lag an Marcel Sabitzer und dessen Zauberfuß tief in der Nachspielzeit. Zu Recht sprach Niko Kovac deshalb nicht von einem verdienten, sondern einem "glücklichen Sieg".
Auf die Frage, warum Dortmund seine Fans erst begeisterte und anschließend wieder zittern ließ, hatte der Trainer direkt nach dem Spiel noch keine Erklärung. Klar ist jedoch: Auf Dauer wird der BVB mit solchen Leistungsschwankungen nicht erfolgreich sein. Schon gar nicht am Samstag beim Tabellenführer Bayern München.
Quelle:
Eindrücke unseres Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, "Sabitzer lässt den BVB jubeln", 28.10.2026 10:00 Uhr