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Ein eigentlich privates Gespräch zwischen Tennis-Star Jessica Pegula und ihrem Trainer sorgt vor den WTA Finals in Indian Wells für Aufsehen. Die US-Amerikanerin wurde per Livestream dabei aufgezeichnet, wie sie sich teils abfällig über Kontrahentin Mirra Andreeva äußerte. Der Tennis-Weltverband räumte anschließend einen Fehler ein.
Eine folgenschwere Übertragungspanne hat im Vorfeld der WTA Finals für eine unangenehme Situation gesorgt. Die Weltranglistenfünfte Jessica Pegula wurde während einer Trainingseinheit in Indian Wells von eingeschalteten Mikrofonen aufgenommen, als sie sich im Gespräch mit ihrem Coach Mark Knowles in teils scharfem Ton über die Weltranglistendritte Mirra Andreeva und deren Trainerin Conchita Martínez ausließ.
Die WTA hatte beschlossen, Trainingseinheiten per Livestream zu übertragen, um den Fans Einblicke in die Turniervorbereitung zu gewähren – versäumte es jedoch, die Spielerinnen über die Mikrofone in Kenntnis zu setzen.
In dem aufgezeichneten Gespräch fand Pegula unmissverständliche Worte für die 19-jährige Russin und amtierende French-Open-Siegerin. Sie bezeichnete Andreeva als "Diva" und erklärte, die Teenagerin müsse zurück "auf den Boden gebracht werden". Zudem stellte die 32-jährige US-Amerikanerin infrage, ob Trainerin Martínez das Verhalten ihres Schützlings angemessen handhabe. Pegula habe zwar eingeräumt, Martínez sei "immer sehr nett" zu ihr gewesen, gleichzeitig aber betont, "ein wenig Respekt vor ihr verloren" zu haben, wie unter anderem auch die BBC berichtet.
Konkret ging Pegula auf eine Situation aus einem gemeinsamen Trainingsmatch ein: Andreeva habe in einem Satz 4:0 geführt und sich dennoch aufgeführt, "als hätte sie drei oder vier Spiele verloren".
Allerdings fielen Pegulas Einschätzungen keineswegs ausschließlich negativ aus. Sie attestierte Andreeva einen "perfekten Aufschlag", lobte ihre Beweglichkeit ("sie bewegt sich wie eine Katze") und nannte sie "wundervoll" und "intelligent".
Zudem zog das Mitglied des WTA-Spielerrats einen bemerkenswerten Vergleich mit ihrer Landsfrau Coco Gauff : "Wenn sie Cocos Mentalität hätte, wäre sie besser als Coco", urteilte Pegula. Die junge Russin brauche lediglich jemanden, der sie einnorde – "und sobald sie diesen Jemand hat, wird sie sehr gut sein".
Nachdem sich Ausschnitte des Gesprächs rasant in den sozialen Netzwerken verbreitet hatten, meldete sich Pegulas Agent Chris McCormack zu Wort. Gegenüber der BBC stellte er klar, dass seine Klientin "überhaupt nicht gewusst" habe, dass die Mikrofone aktiv waren und das Gespräch öffentlich übertragen wurde. "Natürlich ist das für alle Beteiligten eine unglückliche Situation", erklärte McCormack. Pegula habe anschließend direkt den Kontakt zu den Betroffenen gesucht, um die Angelegenheit persönlich zu klären, anstatt sich über die Medien zu äußern.
Der Tennis-Weltverband reagierte, indem er sämtliche Trainingsvideos der WTA Finals von seinem YouTube-Kanal entfernte.
In einer offiziellen Stellungnahme, aus der unter anderem BBC und "Guardian" zitieren, übernahm die WTA "die volle Verantwortung" für das Versäumnis. "Wir entschuldigen uns aufrichtig dafür, unserer Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein und Spielerinnen und Trainer angemessen informiert zu haben", hieß es in dem Statement. Die Mikrofone hätten ursprünglich lediglich Ballwechsel und Trainingsgeräusche einfangen sollen – nicht aber private Unterhaltungen auf dem Platz. Für künftige Trainingsübertragungen kündigte der Verband an, vollständig auf Ton zu verzichten.
Für zusätzliche Brisanz sorgt der Umstand, dass Pegula und Andreeva trotz ihrer Zugehörigkeit zur absoluten Weltspitze bislang noch nie gegeneinander angetreten sind. Bei den diesjährigen WTA Finals, die erstmals in Indian Wells ausgetragen werden und bis zum 15. November andauern, befinden sich beide in unterschiedlichen Gruppen – ein direktes Aufeinandertreffen wäre somit frühestens in der K.o.-Phase möglich und dürfte auf enormes öffentliches Interesse stoßen. (red)