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Annett Kaufmann holt mit Silber die fünfte deutsche EM-Medaille

Die 20-Jährige bleibt nach ihrem tollen Turnier das größte Versprechen im deutschen Tischtennis, das auch insgesamt eine erfolgreiche EM erlebte.

Annett Kaufmann (v.) verlor das Finale gegen die Russin Elizabet Abraamian.

Annett Kaufmann rauschte fast unaufhaltsam durch das Turnier in Ljubljana. Selbstbewusst, konzentriert und mit enormem Siegeswillen trat die 20-jährige Wolfsburgerin in Ljubljana auf. Und doch reichte es nicht für den Titel – im Finale der Europameisterschaften am Sonntagabend war Elizabet Abraamian die mental stärkere. Die Russin spielte offensiver, war schlagfertiger und gewann mit 4:3 nach Sätzen.

»Abraamian hat unglaublich gut gespielt. Annett war in manchen Sätzen zu passiv. Es ist traurig, dass sie den letzten Schritt nicht machen konnte. Aber Annett hat ein tolles Turnier gespielt. Sie wird weitere Chancen bekommen«, fasste Bundestrainerin Tamara Boroš aufregende Turniertage in der slowenischen Hauptstadt zusammen, die jedoch in der Arena Stožice leider nicht die gewünschte Zuschauerresonanz fanden.

Sehenswertes an der Platte

Sportlich boten die Spielerinnen und Spieler aus 45 Nationen auf jeden Fall Sehenswertes. Allen voran Kaufmann, die trotz ihres jungen Altes schon drei EM-Titel mit dem Team holen konnte. In Ljubljana gewann die Spielerin vom SV-DJK Kolbermoor unter anderem gegen die Russin Marija Tailakowa und die mit ihren 63 Jahren unglaubliche Ni Xia Lian aus Luxemburg. In der Vorschlussrunde siegte sie dann in einem knappen Duell mit 4:3 gegen Nina Mittelham vom TTC Eastside Berlin, die vor den Halbfinalspielen als Favoritin gehandelt worden war.

Die neue Europameisterin Abraamian, die wie alle anderen russischen und belarussischen Athletinnen und Athleten unter »neutraler Flagge« starten durfte, besiegte im Halbfinale die erstaunlich starke französische Meisterin Prithaka Pavade ebenso dramatisch im Entscheidungssatz wie später Kaufmann. Das Finale war das Duell der U19-Europameisterinnen von 2021 (Abraamian) und 2022 (Kaufmann) – und ein Duell auf Augenhöhe.

Favoriten früh raus

Für manch hoch Gehandelte endete das Turnier früher als gedacht. So scheiterten auch die titelverteidigenden Sofia Polcanova aus Österreich und der Franzose Alexis Lebrun überraschend früh. Dessen kleiner Bruder Félix Lebrun holte sich dann verdient den Titel bei den Männern. Im Finale am Sonntagabend bezwang er den Schweden Anton Källberg nach einigen Mühen mit 4:3 – der letzte Satz ging mit 11:1 an den 20-jährigen Franzosen.

Im Doppel waren die Lebrun-Brüder ihrer Favoritenrolle zuvor gerecht geworden, gewannen gegen das schwedische Duo mit Källberg und Kristian Karlsson im Finale mit 3:2. Dang Qiu und Benedikt Duda waren hier schon im Viertelfinale ausgeschieden. Bei den Frauen schafften es Mittelham und Kaufmann ins Halbfinale – und holten damit Bronze. Ausgeschieden waren sie gegen das polnische Duo Anna Brzyska und Zuzanna Wielgos, das im Doppel-Finale wiederum der Slowakin Tatiana Kukulkova und ihrer polnischen Partnerin Natalia Bajor unterlegen war.

Die Abordnung des Deutschen Tischtennis-Bundes spielte insgesamt verlässlich. Mit fünf Medaillen, darunter der EM-Titel im Mixed durch Mittelham und Duda, können diese Europameisterschaften durchaus als Erfolg gelten. Weiter geht es im engen Spielkalender nach einer verdienten Ruhepause in einer Woche in Montpellier und gleich im Anschluss daran in Frankfurt am Main bei den WTT Champions mit zwei hochklassigen Turnieren.

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