Zurück
Kimi Antonelli träumt vom WM-Titel in der Formel 1. Schon beim Großen Preis der USA kann ihn sich der 20-jährige Italiener erfüllen.
Vielleicht verschiebt Kimi Antonelli seine große WM-Sause doch lieber um ein paar Tage. Nicht, dass der 20-Jährige als frisch gekürter Champion in der Formel 1 noch Ärger mit der US-Justiz bekommt. Sollte Antonelli den Großen Preis der USA in Austin gewinnen und sich tatsächlich zum jüngsten Weltmeister der Geschichte krönen, ist ein ausgelassenes Anstoßen mit Champagner tabu - das gesetzliche Mindestalter für Alkohol liegt in Texas bei 21 Jahren.
Der Griff zu alkoholfreien Alternativen wäre jedoch kein allzu großes Opfer. Über allem steht die Erfüllung seines Kindheitstraums. "Allein, mich überhaupt in einer solchen Position wiederzufinden, ist unglaublich", sagte der Mercedes-Pilot: "Es ist verrückt, wenn man darüber nachdenkt. Aber genau deshalb versuche ich, nicht zu viel darüber nachzudenken."
Beim 18. Saisonlauf hat WM-Spitzenreiter Antonelli (340 Punkte) seinen ersten Titel-Matchball. Sein Mercedes-Teamkollege George Russell liegt als erster Verfolger 102 Punkte zurück, Lewis Hamilton im Ferrari hat 111 Zähler Rückstand. Sechs Rennen vor Saisonende sind noch maximal 150 Punkte zu vergeben. Das Titel-Szenario für Austin ist somit eher ein theoretisches.
Antonelli muss das Texas-Rodeo gewinnen, gleichzeitig dürfte Russell maximal Neunter werden, Rekord-Weltmeister Hamilton höchstens Fünfter. "Das ist eher unwahrscheinlich", sagte Antonelli, der deshalb weiter Druck machen will: "Es ist noch nicht vorbei. Es liegt noch ein Stück Arbeit vor uns."
Dennoch gibt es kaum Zweifel, dass Antonelli am Ende seiner zweiten Saison in der Königsklasse zum ersten italienischen Champion seit Alberto Ascari im Jahr 1953 aufsteigt. Auch die Konkurrenz macht sich keine Illusionen mehr. In Austin oder den Folgerennen in Mexiko (1. November) oder Brasilien (8. November) dürfte es so weit sein. "Er hat es verdient, Weltmeister zu werden", sagte Rekordchampion Hamilton, dessen Mercedes-Cockpit Antonelli vor knapp zwei Jahren übernommen hatte: "Er hat einen fantastischen Job gemacht. Ich bin sehr stolz auf ihn."
Antonelli würde Sebastian Vettel als jüngsten Formel-1-Weltmeister ablösen. Der Deutsche gewann 2010 in Abu Dhabi seinen ersten Titel im Alter von 23 Jahren und 134 Tagen. Antonelli war damals vier - und hatte andere Interessen. "Ich weiß noch, dass ich mit Hot Wheels gespielt habe", sagte er, "als ich älter wurde, habe ich mir das Rennen dann angesehen." Auf dem Circuit of the Americas hat Antonelli nun die Chance, sich einen festen Platz in den Video-Archiven der Formel 1 zu sichern.
Die Saison könnte allerdings noch eine ungewöhnliche Wendung bereit halten - und Antonelli gar nicht auf der Strecke Weltmeister werden. Aufgrund des Krieges in der Region sind Zweifel an den beiden abschließenden Rennen in Katar (29. November) und Abu Dhabi (6. Dezember) weiterhin angebracht.
FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem unterstrich vor Austin erneut die Absicht, den Rennkalender nicht zu verändern, und versuchte die Stimmung zu beruhigen. Die volatile Lage am Persischen Golf bleibt aber auch für die Verantwortlichen schwer vorherzusagen.
Im Fall einer kurzfristigen Absage beider Rennen gäbe es allerdings nur einen Grand Prix als Ersatz: Im italienischen Imola - Austragungsort für das erklärte Heimrennen von Kimi Antonelli - werden Vorkehrungen dafür getroffen.