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Der TTC Seligenstadt feiert sein 75-jähriges Bestehen mit mehr als 100 Gästen. Auch eine 15-köpfige Delegation aus Frankreich reist dafür rund 700 Kilometer an.
Seligenstadt – Etwas mehr als ein Dreivierteljahrhundert ist es nun schon her, als vier Sportskameraden den Tischtennis-Club Seligenstadt am 11. Oktober 1951 aus der Taufe hoben. Große Triumphe, hochkarätige Turniere und weltweit bekannte Persönlichkeiten erlebte der Club aus der Einhardstraße seitdem. Mindestens ebenso stolz wie auf die sportlichen Glanzzeiten blickt der TTC auf Freundschaften zurück, die über Generationen und Ländergrenzen hinweg noch immer Bestand haben. Wenn am Samstag das 75-jährige Vereinsjubiläum gefeiert wird, gibt es also reichlich Grund, auf eine bewegte Geschichte anzustoßen.
„Die Vorfreude auf dieses Ereignis ist riesengroß“, sagt Christiane Disser, Pressewartin der Tischtennis-Abteilung. Bereits weit im Vorfeld verschickte der rund 160 Personen starke Traditionsclub, der neben dem Tischtennis seit 1956 auch eine Badmintonsparte besitzt, Einladungen an seine Mitglieder, Honoratioren, Persönlichkeiten von befreundeten Vereinen und weitere Personen aus Sport und Politik. Weit mehr als 100 Gäste werden erwartet.
Der TTC Seligenstadt feiert sein 75. Vereinsjubiläum am Samstag, 24. Oktober, ab 18.30 Uhr im Jakobsaal des St. Josefhauses in der Jakobstraße 5 in Seligenstadt. Die Fete beginnt mit einer akademischen Feierstunde und einem kurzen Rückblick auf die Höhepunkte der Vereinsgeschichte. Im Anschluss lädt der Club zu einem besonderen Buffet mit Live-Cooking von Flo’s Pizza und Getränken ein. Die Gäste haben dabei Gelegenheit zum zwanglosen Austausch, auch mit den französischen Freunden des Triel Badminton Club, die ebenfalls mitfeiern werden. An Mini-Tischtennisplatten kann zudem selbst zum Schläger gegriffen werden. Für fröhliche Partystimmung sorgt die Band „Schöne Haare“, bevor DJ Renegade den Abend musikalisch fortsetzt. Ab etwa 21 Uhr sind auch Freunde des Vereins herzlich willkommen.
Auf alle Fälle mit von der Partie sein wird eine 15-köpfige Delegation aus Frankreich. Im Zuge der Städtepartnerschaft zwischen Seligenstadt und der 12.000-Einwohner-Gemeinde Triel-sur-Seine, unweit von Paris, war im Jahr 1978 eine Freundschaft zwischen dem TTC und dem heutigen Triel Badminton Club entstanden, die nach wie vor intensiv gepflegt wird. Die rund 700-Kilometer-Reise in die Einhardstadt nehmen jedoch nicht nur Badmintonspieler gerne auf sich.
„Es hieß, dass Tischtennisspieler kommen, und wir wurden gefragt: ‚Könnt ihr sie aufnehmen?‘“, erinnert sich Disser, die sich neben der Platte auch als Dolmetscherin profilierte, an die ersten Zusammenkünfte mit dem Pingpong-Club Triel. „Das war ganz toll, dass für beide Sportarten Begegnungen in den Partnerstädten möglich waren“, ergänzt Peter Fischer, seit rund 60 Jahren beim TTC und Gründungsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins. Statt teurer Hotelübernachtungen waren die Gäste, zu denen nach 1989 gelegentlich auch Freunde der BSG Lokomotive Gotha zählten, bei Vereinsmitgliedern untergebracht, man aß zusammen und spielte gemeinsam Turniere.
Es sollten nicht die einzigen internationalen Duelle bleiben, die im Fachwerkstädtchen am Main ausgetragen wurden. Im Jahr 2007 machte dort gar die Champions-League Halt, bis zu 1.000 Zuschauer kamen. „Timo Boll war schon berühmt und hat da sogar gespielt“, blickt Disser zurück. Zu weiteren prominenteren Gesichtern des Sports, die einst mit dem TTC in Berührung kamen, zählt auch Michael Bouton – heutiger Manager von Racing Paris, der die internationalen französischen Meisterschaften organisiert. „Als kleiner Junge war er schon bei uns“, berichtet der ehemalige Vorsitzende Fischer stolz.
Ebenfalls stolz sind die Rot-Weißen auf ihre „goldenen 1980er und 1990er Jahre“, als etliche Meistertitel geholt und Aufstiegssausen abgehalten wurden. Im Badminton drang der Club bis in die Bezirksklasse vor, den Tischtennisspielern gelang unter der Leitung von Andreas Hain, der später als Präsident des Deutschen Tischtennisbunds fungierte, zeitweise sogar der Sprung bis in die 2. Bundesliga.
Besonders für Furore sorgte die Damenmannschaft 2010 und 2011. Die Einhardstädterinnen mutierten zum Favoritenschreck, setzten sich erst auf Kreisebene durch, dann im gesamten Bezirk, ehe sich auch die Konkurrenz aus dem ganzen Bundesland die Zähne ausbiss. „Das war wie im DFB-Pokal“, zieht Disser im Hinblick auf den Einzug in die Deutschen Pokalmeisterschaften einen Vergleich zum Fußball. Bei diesen erreichte das Team anschließend einen achtbaren dritten Platz.
Weniger um Ranglisten geht es dagegen beim traditionellen Brettchenturnier zum Jahresende, wenn sich Aktive und Freunde des Klubs treffen. Dabei werden Doppelpartner zusammengelost. „Wir hatten schon Vierjährige mit Opas an der Platte stehen“, erzählt Disser. Auch das Sommerfest beider Abteilungen und der engagierte Vergnügungsausschuss tragen dazu bei, dass das Vereinsleben nicht nach dem Training endet.
Wie viele andere Klubs müsse auch der TTC darum kämpfen, neue Mitglieder zu gewinnen und vor allem junge Menschen langfristig zu begeistern. Dafür veranstaltet der Verein Mini-Meisterschaften in Schulen. „Wenn jemand ins Training kommt und niemanden kennt, wird er mit offenen Armen empfangen“, beschreibt der aktuelle Vorsitzende Harald Günther die praktizierte Grundhaltung des Vereins und nennt jene Werte, die den Klub auch noch bei der nächsten großen Jubiläumsparty in 25 Jahren ausmachen sollen: „Gemeinschaft, Tradition und Offenheit.“ (Louis Möldner)