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Aprilias Hoffnungen beim Malaysia GP scheinen bereits am Freitag in sich zusammenzufallen. Nach wenigen Runden sind nurmehr drei Piloten dabei. Titelhoffnung Jorge Martin musste das Training abbrechen und auch die beiden verbliebenen Streiter aus Noale tun sich schwer im Kampf gegen starke Ducatis rund um Superstar Marc Marquez. Wird Sepang zum Sargnagel im Titelkampf?
Der Tag begann bereits denkbar schlecht. Alle Augen waren auf Jorge Martin und seinen Versuch des Sensations-Comebacks nach dem Handbruch auf Phillip Island gerichtet. Dabei erging es einem anderen Piloten einer RS-GP noch schlechter. Trackhouse-Fahrer Raul Fernandez musste bereits nach fünf Runden im FP1 das Wochenende beenden:
Der Spanier war zuletzt mit gebrochenem Zeigefinger gefahren, doch diesmal erwiesen sich die Schmerzen als zu groß. "Leider werde ich den Grand Prix von Malaysia nicht fortsetzen. Ich habe eine Verletzung, die in den letzten Wochen immer schmerzhafter geworden ist und mich zunehmend erschöpft. Als ich auf das Motorrad stieg, wurde mir klar, dass ich es einfach nicht schaffen würde, und es macht keinen Sinn, in einer so schlechten körperlichen Verfassung weiterzufahren – ganz zu schweigen vom Risiko, mich erneut zu verletzen", ließ er in der Pressemitteilung des Teams wissen. MotoGP-Arzt Dr. Angel Charte erteilte nach Rücksprache mit seinem Landsmann auch ein Startverbot. Für den Katar GP ist ein Comeback angestrebt, aber in Sepang bleibt Aprilia definitiv nurmehr zu dritt.
Oder sind es am Ende nicht sogar nur zwei Fahrer? Jorge Martin musste sich am Nachmittag nach nur drei Runden aus dem Training zurückziehen. Einen Abbruch des Wochenendes bedeutet das aber noch nicht. Der Titelkandidat will es im FP2 nochmal versuchen und hat auch weiterhin die Starterlaubnis inne. Nach dem Trainings-Aus wurde der Spanier vom Team komplett abgeschirmt. Interviews gab er keine. Einzig auf Instagram gab es eine Kampfansage. "Ein Schritt nach dem anderen. Ein Kampf nach dem anderen. Niemals den Glauben verlieren", ist dort zu lesen.
Auch im Statement von Team-Manager Paolo Bonora wurde bekräftig, am Samstag an den Start gehen zu wollen: "Bei Jorge wollten wir vorsichtig vorgehen, um zu sehen, wie er sich nach seiner Verletzung in Phillip Island auf dem Motorrad fühlt. Nach einigen Runden im ersten freien Training und im Training wurde gemeinsam mit Dr. Charte beschlossen, seine Kräfte für die Sessions am Samstag und Sonntag zu schonen." Ob der 'Martinator' sich tatsächlich durch 10 Rennrunden im Sprint und sogar 20 im Grand Prix beißen kann, muss nach dem Eindruck des Freitags stark bezweifelt werden. Ganz abgesehen davon, ob er dann schnell genug für Punkte wäre.
Bleiben also noch die zwei fitten im Bunde. Ai Ogura schien auf dem Papier mit Rang drei im Training flott unterwegs. Überzeugt hat dieses Ergebnis den Japaner aber keineswegs. "Positiv war die Rundenzeit und die Platzierung. Negativ der gesamte Rest. Das Gefühl auf dem Motorrad war wirklich nicht gut", ließ er verlauten. Über Nacht hatte es gewaltig geregnet und jedes bisschen Grip aus dem ohnehin grenzwertig beschädigten Asphalt des Sepang International Circuit geschwemmt. Es könnte sogar gefährlich werden. Mehr dazu hier:
Ogura fühlt sich unter diesen Bedingungen äußerst unwohl: "Ich glaub es geht wohl allen so, aber in fast allen Kurven habe ich ein schwammiges Gefühl. Die Strecke fühlt sich ölig an, der Reifen gibt dir keine Rückmeldung. Wenn du fahren möchtest, aber das Motorrad einfach nein sagt, dann kannst du nichts machen." Eine Kampfansage klingt wahrlich anders.
Der wichtigere Pilot für Aprilia ist aber ohnehin Marco Bezzecchi, der seine kleine verbliebene Titelchancen erhalten möchte. Favorit Marc Marquez legte mächtig vor, doch der Italiener war trotz Rang sechs mit dem Freitag gar nicht so unzufrieden: "Im Vergleich zum Freitag in Sepang im letzten Jahr [damals Platz 15 und Q1, Anm. d. Red.] muss ich sehr glücklich damit sein, wie es heute gelaufen ist. Uns ist ein guter Fortschritt gelungen. Marc [Marquez] ist allen wohl ein bisschen voraus. Sein Bruder [Alex Marquez] ist auch ziemlich schnell, etwas schneller als ich. Aber meine Pace ist nicht so schlecht. Sicherlich fehlt noch etwas, aber die Pace ist solide. Bei der schnellen Runde hätte ich noch besser fahren und ein paar Zehntel finden können. Aber insgesamt war es ein guter Tag."
Der Optimismus ist allerdings relativ zur historisch schlechten Bilanz Aprilias auf dem Kurs in Malaysia zu bewerten. Warum die RS-GP hier im Vergleich zur Ducati Desmosedici schlecht aussieht, verbleibt auch für ihn Spekulation: "Ich glaube nicht, dass es das Layout ist. Vermutlich ist es eher der Grip der Strecke. Das ist etwas speziell wegen des Wetters und weiteren Aspekten. Ich denke, dass es mehr daran liegt. Aber ich habe noch nicht genug Erfahrung auf diesem Motorrad, um das mit Sicherheit sagen zu können."
Doch aufgegeben hat der WM-Dritte noch nicht. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass sich 'Bezz' zum Sonntag hin steigern könnte. Genau darauf hofft er auch nun: "Ich habe ein paar Ideen, wie ich mich verbessern kann. Ich möchte natürlich versuchen, näher heranzukommen. Sie sind momentan ein bisschen stärker und generell gibt es sehr viele schnelle Ducatis. Das war nie eine unserer besten Strecken, aber unserer Verbesserungen machen Hoffnung auf weitere Fortschritte morgen." Es wäre bitter nötig. Er muss nicht nur seine eigenen Chancen bewahren, sondern wenn möglich auch die Ausbeute von Marc Marquez reduzieren. Momentan erscheint dafür aber wohl ein kleines Wunder von Nöten. Aprilia steht im Titelkampf mit dem verletzungsgeplagten Rücken zur Wand.