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Vor sieben Tagen musste Jorge Martin in Sepang die weiße Flagge hissen. Der noch frische Bruch des rechten Handgelenks verhinderte konstant schnelle Runden. Die Aussichten waren so schlecht, dass sich Martin zur Aufgabe und vorzeitigen Rückreise nach Spanien entschied .
Zurück im MotoGP-Fahrerlager schienen Wochen vergangen zu sein – Martin überstand den Auftakt in der Wüste auf beeindruckende Art und Weise. Denn nicht nur, dass die Nummer 89 nun durchfuhr, dem «Martinator» gelang im wichtigen Zeittraining die siebte Zeit und damit der sichere Q2-Einzug. Besser noch: Jorge Martin zauberte nicht nur eine Chaosrunde auf den Asphalt, der Madrilene war sowohl im FP1 als auch später im einstündigen Zeittraining dauerhaft in den Top-10 zu finden.
Die freie Sitzung beendete Martin als Fünfter mit 0,7 s Rückstand auf Spitzenreiter Marc Marquez. Im Zeittraining landete Martin 0,6 s hinter Fabio Di Giannantonio auf Position 7. Mit gerade einmal einer halben Sekunde Rückstand auf «MM93» übererfüllte der WM-Verfolger das Tagesziel und hielt sich vorerst tapfer im WM-Rennen.
Geschenkt bekam Jorge Martin aber nichts. Der Aprilia-Werksfahrer berichtete: «Es ist schade, dass ich mich so wie heute nicht schon in Malaysia gefühlt habe. Es ist jetzt wesentlich besser. Auch wenn Schmerzen da sind, kann ich fahren und das auch mehrere Runden am Stück. Am Anfang war es noch schwieriger, besonders auf der Bremse, da musste ich ein paar Mal aufmachen und weit gehen. Mir hat dort schlicht die Kraft gefehlt. Doch auch das wurde besser – und wenn ich am Samstag noch eine Steigerung bei der Kraft schaffte, dann bin ich zuversichtlich, auch für den Sonntag.»
Martin zum Kernproblem: «Das Schwierigste sind die Zeitattacken, dort kommt es am meisten zu Tragen. Dadurch habe ich selbst auf den schnellsten Runden noch Zeit liegen lassen, aber es war gut genug, um das Q2 zu erreichen. Ich kann mir vorstellen, wenn alles gut läuft, dass ich im Q2 einen Platz in der zweiten Reihe schaffen kann.»
Gelingt Martin das nächste Wunder, bleiben die Chancen für die WM-Punkte in Katar intakt. Zur Erinnerung: Schafft es der WM-Zweite, über beide Rennen in Summe acht Punkte einzufahren, wird die WM-Titelentscheidung vertagt.
Martin in Losail zum Thema «WM-Kampf»: «In Wahrheit ist es unmöglich, hier Prognosen zu treffen – ich weiß es nicht. Es ist bereits besonders hier zu sein und schon ein großes Ziel, die Rennen zu beenden. Dennoch werde ich versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen. Ich konzentriere mich daher nur auf mich – und denke jetzt nicht an die WM.»
Die Situation in Losail steckt nach dem Zeittraining voller Spannung. Denn sowohl die Aprilia-Asse als auch die Ducati-Werksfahrer tauchen an der Spitze auf. Alle vier Aprilia-Racer fanden den direkten Weg ins zweite Qualifying – doch mit Fabio Di Giannantonio und Marc Marquez liegen vor dem Q2 zwei Ducati-Piloten ganz an der Spitze. Martins Boxennachbar Marco Bezzecchi führte das RS-GP-Quartett als Dritter an.