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Päpstlicher als der Papst? Warum Jürgen Klopp mit dem Manndeckungsmantra des Kollegen Kompany wenig anfangen kann und die Fußballgemeinde mit weiteren Gegenpressingpredigten rechnen darf.
Wenn ein Fußballtrainer ungefragt sagt, dass er nichts über seine Mannschaft und sich lese, dann darf man davon ausgehen, dass er alles liest. Und wenn Jürgen Klopp nun ungefragt sagt, dass er „nicht der Papst des Fußballs“ sei, dann sollte man zwar nicht gleich davon ausgehen, dass er sich für den Papst des Fußballs hält. Aber dass der Bundestrainer in sich eine Art Gegenpapst des Fußballs sieht, damit käme man der Sache wahrscheinlich schon etwas näher.
In den knapp zweieinhalb Jahren, seit Klopp als Trainer des FC Liverpool aufgehört hat, ist in der internationalen Fußballgemeinde eine Strömung immer größer geworden, die die Manndeckung als höchsten Glaubenssatz aufgestellt hat. An der Spitze dieser Gläubigen marschiert auch Vincent Kompany, der Trainer des FC Bayern München, der mit seinem Team am Mittwochabend in der Champions League gegen den FC Arsenal gespielt hat. Und als Klopp in der Halbzeitpause dieses Spiels kurz mit DAZN gesprochen hat, hat er sich noch mal klar und deutlich von der Bewegung abgespalten.
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„Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht“, sagte Klopp, der in seinen ersten Auftritten als Bundestrainer immer wieder vertreten – manche würden sagen: verkündet – hat, dass das ballorientierte Verteidigen die Voraussetzung für den Fußball ist, den seine Mannschaft spielen soll.
Das abendländische Fußball-Schisma vollzog sich, als Klopp auf den Mittelstürmer des FC Bayern zu sprechen kam. „Sie haben gesagt: Harry Kane ist heute überall. Das finde ich mit Ball absolut in Ordnung. Gegen den Ball? Wenn ich Harry Kane in der letzten Linie stehen sehe, und zwar nicht im tiefen Block, sondern im Mittelfeldpressing – das ist einfach für mich, und noch mal, ich bin nicht der Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen, aber abschließend dahintergestiegen bin ich auch noch nicht.“
Da war er nun wirklich päpstlicher als der Papst. Nach einer Halbzeit, in der Kane den Ball vor dem 1:1 so gepasst hat, wie es vielleicht kein anderer Mittelstürmer kann, sprach Klopp über dessen Positionierung gegen den Ball. Man könnte sagen: Diese Art der Kritikkultur hat dem deutschen Fußball gefehlt. Man könnte aber auch sagen: Dafür, dass Jürgen Klopp gerade gesagt hat, dass er nicht der Papst des Fußballs sei, hat er auch in diesem Interview seinen Fußball gepredigt.
So oder so darf man davon ausgehen, dass es zwischen den Mann- und den Raumdeckern – Vincent Kompany wollte dazu nichts sagen – erst einmal kein Konzil von Konstanz geben wird. Und vielleicht kommt man der Sache noch etwas näher, wenn man festhält, dass Klopp sich auch in Abgrenzung zum FC Bayern gerade ganz gut gefällt in seiner Rolle als Gegenpressing-Papst.