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Bayer Leverkusen hat in einem hitzigen Nachbarschaftsduell beim 1. FC Köln zurück in die Erfolgsspur gefunden. Die Mannschaft von Trainer Carles Martínez setzte sich in der Fußball-Bundesliga in Köln-Müngersdorf verdient mit 2:1 (1:0) durch.
Für Bayer 04 kam der Sieg zur rechten Zeit. Nach zuletzt zwei Liga-Niederlagen und der Pleite in der Europa League tankte die Werkself neues Selbstvertrauen und hält mit 16 Punkten Anschluss an die internationalen Plätze.
Das erste Tor für die in weiten Teilen überlegenen Leverkusener erzielte Aleix Garcia schon nach sieben Spielminuten. Der 29-jährige Spanier versenkte einen Freistoß aus 23 Metern sehenswert direkt und unhaltbar für FC-Keeper Marvin Schwäbe zum 0:1. In der Schlussphase machte Patrik Schick mit seinem Tor zum 0:2 den Deckel drauf. Der Anschlusstreffer von Said El Mala (90.+2) kam zu spät. Für die offensiv weitgehend harmlosen Kölner (weiterhin neun Punkte) geht's immer weiter in Richtung Tabellenkeller.
Die erneute Niederlage wird auch die Diskussionen um Kölns Trainer Rene Wagner befeuern. Der junge Trainer steht bei großen Teilen der Anhängerschaft in der Kritik - wird in der nun anstehenden Länderspielpause Erklärungen finden müssen für die erneut harmlose Vorstellung seines Teams.
50.000 Fans im natürlich völlig vollgepackten Stadion in Müngersdorf hatten kaum die FC-Vereinshymne verdaut, da hätten ihr Großteil schon fast Grund zur Ekstase gehabt: Es war keine Minute gespielt, da hatte Kölns Linton Maina knallhart von halbrechts abgezogen, doch Bayer-Keeper Mark Flekken konnte parieren. Wenig später schon die typische Said-El-Mala-Aktion. Nach einem Steilpass zog der Nationalspieler des FC von links nach innen, um abzuziehen. Der Youngster rutschte jedoch leicht weg.
Köln war auf Touren - von der ersten Minute an. Schließlich wollten die "Geißböcke" die vermeintliche Unsicherheit der Leverkusener ausnutzen - Bayer war zuletzt nicht allzu erfolgreich - mit drei Niederlagen aus den letzten vier Spielen im Gepäck waren sie die paar Kilometer auf die andere Rheinseite angetreten.
Doch es kam ganz anders, als vom der auf Touren gebrachten Kulisse erhofft. Leverkusen wachte rechtzeitig auf - und schlug beim ungeliebten Nachbarn gnadenlos zu: Garcias direkter Freistoß aus gut 23 Metern halblinker Position passte genau in den linken Winkel. Es war ein Traumtor zum frühen 0:1 (7.). Kölns Paul Okon-Engstler hatte im Vorfeld viel zu ungestüm gegen Patrik Schick zugelangt.
Leverkusen jubelt nach der Führung durch Garcia.
Rund 5.000 Leverkusener Anhänger hatten sich neben die große Übermacht der FC-Fans im Stadion gesellt flippten vor Freude fast aus. Doch auch sie mussten schon wieder den Atem anhalten: In der 10. Minute hätte der FC ausgleichen müssen. Sebastian Sebulonsen war elf Meter vor dem Tor halbrechter Position total blank, scheiterte mit seinem viel zu ungenauen Flachschuss aber an Flekken. Und der Niederländer war auch da, als Maina mit dem Nachschuss am Torhüter scheiterte.
Die Nachbarn lieferten sich ein packendes Match. Voller offensiver Aktionen. Nichts war es mit vorsichtigem Abtasten und "lieber auf Sicherheit" - es ging mit Volldampf nach vorn. Bei beiden. Das Derby machte Spaß. So allmählich aber übernahm Leverkusen die Regie. Die Kugel lief immer besser durch die Reihen des Europapokal-Teilnehmers. Schick (20.), Facundo Medina nach herrlicher Flanke von Miguel Gutierrez (22.) und Malik Tillman (27.) mit einem überraschendem Abschluss auf's kurze Eck hatten die nächsten guten Gelegenheiten der Gäste.
Bayer kontrollierte die Partie, das Team von Coach Carles Martinez profitierte dabei immer wieder von überragenden Aktionen des jungen Ibrahim Maza. Der 20-jährige Algerier pflügte regelrecht durchs Mittelfeld, nahm mit seinem Tempo und seinem Biss defensiv immer wieder gleich mehrere Gegner aus dem Spiel oder ließ sie mit tollen offensiven Dribblings aussteigen.
In der Pause hatten die Kölner offenbar den Auftrag bekommen, etwas intensiver zur Sache zu gehen. Mikey Moore brauchte genau vier Sekunden nach Wiederanpfiff, um Medina mit einem Bodycheck abzuräumen und Gelb zu kassieren. Wenig später war wieder Moore beteiligt, als es zur heftigen Rudelbildung beider Teams kam. Schiri Felix Zwayer beruhigte die Sache nach minutenlanger Unterbrechung routiniert, die Gemüter beruhigten sich.
Die fußballerisch talentierteren Gästespieler übernahmen wieder. Tillmans Schuss mit der Innenseite aus fast 20 Metern rutschte nur hauchdünn links unten vorbei (55.) und Alfonso Moreiras Schuss auf's kurze Eck entschärfte FC-Keeper Marvin Schwäbe reaktionsschnell (60.). Zwei Minuten später scheiterte auch Schick am immer besser zupackenden Kölner Torwart.
Leverkusen dominierte, aber was war mit El Mala? Den hatten die Werkskicker ganz gut im Griff, doppelten ihn konsequent durch Jarell Quansah und Edmond Tapsoba. So war Köln seiner stärksten Waffe quasi beraubt, zumal Marius Bülter im Sturmzentrum quasi wirkungslos blieb.
Said El Mala (r.) und Facundo Medina (l.) im Zweikampf
Knapp 20 Minuten vor Schluss standen dann zwei El Malas auf dem Rasen. Malek - der ein Jahr ältere der beiden Brüder - kam dazu. In der Vorwoche hatte er den Kölnern mit seinem späten 1:1-Treffer bei Union Berlin ja einen späten Auswärtspunkt gesichert. Sehnlichst hofften die immer noch wild anfeuernden Kölner Anhänger auf einen Wiederholung eines solchen Kunststücks.
Auf Kurs aber blieben die Gäste. Und sie jubelten bald darauf zum zweiten Mal. Wieder war es Maza, der mit einem Pass in die Tiefe die Kölner Abwehr aushebelte. Schick stand parat und vollendete zum vermeintlichen 0:2. Doch der Treffer zählte nicht. Der Tscheche hatte bei der Ballannahme die Hand mit im Spiel. Wenig später fiel das Tor dennoch. Wieder bereitete Maza vor und diesmal ging's bei Schick regelkonform: Aus halbrechter Position donnerte er die Kugel passgenau ins linke Eck zum 0:2 (85.).
Das war's allerdings noch nicht ganz: Die frustrierten Kölner Fans verließen in Scharen die Arena, aber die verbliebenen konnten noch einmal jubeln: Said El Mala vollendete in der zweiten Minute der Nachspielzeit eine Flanke seines Bruders zum 1:2-Anschlusstreffer. Aber am Ende jubelte doch Leverkusen.
Nach der Länderspielpause wartet auf den 1. FC Köln die wohl schwerste aller denkbaren Bundesliga-Aufgaben: Am Freitagabend (20.11.2026) geht es ab 20.30 beim FC Bayern München zur Sache. Bayer Leverkusen empfängt tags drauf den SC Paderborn (15.30 Uhr).
Unsere Quellen:
Sendung: "Leverkusen gewinnt im Nachbarschaftsduell", WDR.de, 08.11.2026, 17:40 Uhr.