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Champions League: VfB Stuttgart bringt Atlético Madrid an den Rand der Niederlage - das reicht nicht
Kann doch nicht wahr sein: Jeff Chabot (vorne) trauert nach einer vergebenen Gelegenheit gegen Atlético Madrid.

Die Partie endete mit einer Szene, die sinnbildlich war für Glanz und Elend des VfB Stuttgart an diesem Abend, mit einer letzten vergebenen Chance. Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt trat den Ball noch einmal hoch in den Strafraum von Atlético Madrid, dort stieg der eingewechselte Angreifer Dženan Pejčinović zum Kopfball. Sein Versuch flog knapp am Tor vorbei. Kurz danach pfiff Schiedsrichter Serdar Gözübüyük die Veranstaltung beim Stand von 1:1 ab.

Die VfB-Fans applaudierten ihrem Team, doch so richtig wussten die Stuttgarter nicht, was sie mit diesem Ergebnis am dritten Champions-League-Spieltag anstellen sollten. Gegen einen großen Namen des internationalen Fußballs, der zudem bekannt ist für seine gnadenlose Abgezocktheit, hat der VfB die bisher wohl beste Saisonleistung in allen Wettbewerben geboten.

VfB eine halbe Stunde in Überzahl

Vor allem in der ersten Halbzeit begeisterten die Stuttgarter das Publikum mit Einsatz, Leidenschaft und schnellem Spiel nach vorne. Nach 90 Minuten wies die Statistik den VfB als bessere Mannschaft aus. Er kam zu 18 Torabschlüssen, die Gäste aus Madrid nur zu elf. „Wir haben Atlético mehr oder weniger an den Rand einer Niederlage gebracht“, stellte Stuttgarts Sportvorstand Fabian Wohlgemuth fest.

Das Problem: An den Rand einer Niederlage hat der VfB in dieser Saison schon viele Mannschaften gebracht, doch es gelingt ihm nur selten, den Kontrahenten dann auch wirklich in den Abgrund zu stoßen. In der Bundesliga stehen die Stuttgarter auf einem unwürdigen 13. Platz, weil sie gegen die TSG Hoffenheim, Borussia Dortmund und zuletzt den Hamburger SV vermeidbare Niederlagen kassierten.

Gleich ist der Ball im Tor: Jamie Leweling (Nummer 18) erzielt den einzigen Stuttgarter Treffer gegen Atlético Madrid. Quelle: AP Photo/Martin Meissner

Gegen Atlético verpasste es die Mannschaft einmal mehr, ihre vielen Gelegenheiten in einen Sieg zu überführen - und damit Selbstvertrauen zu sammeln für den Liga-Alltag. Und das, obwohl die Gäste nach der Roten Karten gegen Morten Hjulmand eine halbe Stunde in Unterzahl waren.

Der VfB ist in einer verzwickten Lage im Moment. Er macht viele Dinge richtig, versagt aber oft in den entscheidenden Situationen. „Das ist etwas, was uns gerade verfolgt, dass wir aus den Chancen, die wir haben, fast gar nichts machen“, sagte Angreifer Deniz Undav bei Prime. Schon vor dem 1:0 durch Jamie Leweling in der 36. Minute hatten die Stuttgarter mehrere gute Gelegenheiten gehabt, in der Schlussphase vergab Jeff Chabot per Kopf die beste Chance zum Sieg.

Selbstkritik - keine Trauer

Man kann den Stuttgartern nicht vorwerfen, das Remis gegen Atlético schönzureden. Sie brachten offen ihre Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass sie trotz guter Leistung den dritten Sieg im dritten Champions-League-Spiel verpasst hatten, und sie benannten dafür klar die schwache Chancenverwertung als Grund. Trauerstimmung wollten sie sich aber auch nicht einreden lassen.

Dafür, fanden sie, war ihr Auftritt zu gut gewesen, und das gegen einen Gegner, der deutlich mehr Format hat als Viking Stavanger und Slovan Bratislava, die bisherigen Kontrahenten des VfB in der Königsklasse. „Wenn wir am Limit spielen, sind wir in der Lage, auch große Mannschaften zu bespielen. Dafür haben wir heute den Beweis angetreten“, sagte Sportchef Wohlgemuth.

Vermutlich ist das Remis gegen Atlético eines jener Ergebnisse, von denen sich erst in ein paar Wochen sagen lässt, was sie wert sind. Nehmen die Stuttgarter den Einsatz, die Leidenschaft und den Offensivgeist der 90 Minuten gegen die Gäste aus Spanien mit in die bevorstehenden Aufgaben, beginnend mit dem Bundesliga-Heimspiel am Freitag gegen den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach, und schaffen sie es künftig, ihre Chancen in Tore zu verwandeln - dann könnte das 1:1 am dritten Champions-League-Spieltag die Wende zum Besseren gewesen sein.

Falls nicht, hat der VfB gegen Atlético einfach nur das nächste Spiel gezeigt, in dem er trotz bester Chancen einen Sieg verpasste.

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