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Wie "der Betrug" die Sport-Geschichte zweier Städte auf ewig veränderte
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Fans der Cleveland Browns wollten in den letzten Jahrzehnten lieber nicht erkannt werden. (Foto: IMAGO/UPI Photo)
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Wenn die Cleveland Browns die Baltimore Ravens empfangen, treffen zwei Rivalen in der NFL aufeinander, die eine unfreiwillige Gemeinsamkeit haben. Ohne einen großen Betrug würde es beide heute so nicht geben.

Am Sonntag ist es wieder soweit: die Cleveland Browns empfangen die Baltimore Ravens (19 Uhr/Sky Sport) zum ersten von alljährlich zwei Spielen gegeneinander in der NFL, genau genommen der AFC North Division. Während die Browns gewissermaßen zum Hochadel der NFL gehören und schon seit den 40er Jahren dabei sind, sind die Ravens erst Mitte der 90er dazu gestoßen, waren seither aber das deutlich erfolgreichere Team. Doch die Ravens würde es ohne die Browns gar nicht geben, wäre da nicht der große "Betrug" gewesen, der auch neue Browns zur Folge hatte.

Die Browns gibt es seit 1944. Zunächst spielten sie in der All-American Football Conference und gewannen vier Titel. Nachdem sie sich 1950 der NFL anschlossen, folgten vier weitere Triumphe bis 1964, angeführt vom damals wohl besten Spieler der Liga, dem legendären Fullback Jim Brown. 1961 bereits kaufte der einstige Marketing-Funktionär Art Modell, der unter anderem das erste Infomercial im amerikanischen Fernsehen produzierte, das Team von Dave Jones und sicherte sich im Laufe der Zeit auch einen sehr lukrativen Pachtvertrag für Cleveland Stadium über 25 Jahre, in dem auch die Cleveland Indians Baseball spielten, was Modell die Einnahmen bescherte, um das Team zu finanzieren.

Sportlich wiederum lief es nach den 60er Jahren nicht mehr wirklich rund. Es kam sogar zum Bruch mit dem legendären Coach und General Manager Paul Brown, der wenig später ebenfalls in Ohio die Cincinnati Bengals gründete, die seither sogar einen Super Bowl Ende der 80er Jahre erreichten, was den Browns bis heute nicht gelang. Hinzu kam, dass die Stadt Cleveland schließlich sowohl den Indians als auch dem NBA-Team Cavaliers Gelder für neue, eigene Stadien zusicherte, was Modell gewissermaßen den Geldhahn zudrehte.

Modells Frustration wuchs stetig an

Was folgte, waren Jahre der Unsicherheit, denn Verantwortliche der Stadt signalisierten Modell Anfang der 90er Jahre zunächst Bereitschaft, auch ein neues Footballstadion zu bauen, nur um dann auf Zeit zu spielen. Die Franchise war damals auf dem Feld jedoch auf einem guten Weg. Direkt nach Super Bowl XXV (nach der Saison 1990) verpflichteten die Browns Bill Belichick (damals Defensive Coordinator der New York Giants) als neuen Head Coach und der Trainer führte das Team nach dürren Jahren 1994 wieder in die Playoffs.

Abseits des Platzes jedoch wuchs Modells Frustration. Da sich an der Stadionfront nichts tat, warnte er die Stadt, dass er einen Umzug der Browns in Erwägung zog. Das führte zu einem Umdenken der Verantwortlichen, die dann plötzlich in Windeseile einen Beschluss fassten, die Verkaufssteuer so anzupassen, dass daraus genügend Geld für eine Stadionrenovierung zusammenkommen würde. Doch anstatt Modell zu beschwichtigen, brachte ihn das so richtig auf die Palme, da er nicht nachvollziehen konnte, dass es plötzlich mit Druck doch so schnell und einfach gehen sollte.

Das war 1995 in einer Zeit, in der die NFL generell gerade um Expansion bemüht war. Waren es Anfang des Jahrzehnts noch 28 Teams, sollten es schließlich 30 werden. In der Verlosung war unter anderem auch Baltimore, das 1983 sein Team, die Colts, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion des damaligen Besitzers Howard Irsay an Indianapolis verloren hatte. Seither versuchte man, ein neues NFL-Team in die Stadt zu lotsen. Eine Expansion war das ideale Mittel. Doch es wurde kompliziert. Charlotte bekam den Zuschlag für das erste Team - die Carolina Panthers. Das wiederum sorgte für Unruhe in Baltimore, das einmal mehr seine Felle davon schwimmen sah.

Der Geschäftsmann Al Lerner, der ein guter Freund Modells und zu der Zeit dann auch Teilhaber (5 Prozent) bei den Browns war und dem zuvor schon die Beteiligung an einem Franchise in Baltimore angeboten worden war, zeigte nun doch großes Interesse und war der Meinung, dass seine ohnehin schon bestehende Beteiligung in der Liga ein Vorteil sein könnte. Seine Verbindung zu Baltimore? Er war Großaktionär bei MNC Financial, eine Firma, der unter anderem die Maryland National Bank, die größte Bank in Maryland, gehörte. Damit gab es nun aber mehrere Parteien, die in Baltimore um ein Team warben, was zu Klagen führte, die für Unsicherheit sorgten. Der NFL war das zu viel, sie gab stattdessen Jacksonville (Jaguars) den Zuschlag.

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Rückkehr nach Baltimore durch die Hintertür

Aus der Traum also für eine Rückkehr nach Baltimore? Mitnichten, denn Modell war bekanntermaßen sauer auf die Stadt Cleveland und hatte nebenbei Gespräche mit Lerner und Verantwortlichen in Baltimore geführt. Eigentlich wollte er Cleveland nicht verlassen, doch ein entscheidendes Meeting 1995 bewegte ihn zum Umdenken. Baltimore hatte jedem Team, das zum Umzug bereit war, ein Stadionprojekt im Wert von 200 Millionen Dollar geboten und Modell stimmte zu.

Den Beschluss allerdings wollte er erst nach Ende der Saison 1995 verkünden, schließlich war eine negative Reaktion der Fans darauf äußerst wahrscheinlich. Doch da Ende des Jahres eine Abstimmung über die Stadionrenovierung in Cleveland anstand und die NFL seit Baltimores Ende klare Richtlinien für einen Umzug etabliert hatte - unter anderem muss es Unzufriedenheit der Fans oder eine nicht lukrative Stadionsituation geben -, sah Modell keinen anderen Weg als den Abgang frühzeitig zu verkünden. Das Ergebnis war klar: Die Fans waren in Aufruhr, fühlten sich betrogen - die Aktion ging als "The Betrayal" (der Betrug) in die Stadtgeschichte ein - und machten Modell zum Staatsfeind Nummer eins. Mehr noch: Sie gaben Lerner die Mitschuld und zerstörten öffentlich ihre Kreditkarten von dessen Bank.

Es entwickelte sich eine regelrechte Schlammschlacht. Lerner versuchte zu beschwichtigen und warf Modell somit gewissermaßen vor den Bus, gab ihm die Hauptschuld an der Sache und zerstörte damit seine Freundschaft zu ihm. Die Stadt wiederum wollte sich ebenfalls gegen den Umzug wehren und reichte Klage ein. Sie pochte darauf, dass im Pachtvertrag für das Stadion schließlich verankert war, dass die Browns dort mindestens 25 Jahre spielen mussten. Unterzeichnet im Jahr 1973 hieß dies, dass es bis 1998 hätten gehen sollen. Am Ende einigte man sich auf einen einzigartigen Vergleich: Ja, Modell durfte seine Organisation nach Baltimore umziehen. Doch mit einer Einschränkung: Die Rechte am Browns-Franchise samt der Geschichte, den Titeln, den Statistiken würde in Cleveland verbleiben. Das Team wurde offiziell deaktiviert und sollte auf Sicht als Expansionsteam zurückkehren.

Offiziell waren die Baltimore Ravens - benannt nach dem Gedicht "The Raven" (Der Rabe) vom aus Baltimore stammenden Dichter Edgar Allan Poe - das Expansionteam, doch eigentlich waren es nur die Browns unter neuem Anstrich. Sie setzten den Spielbetrieb in Baltimore nahtlos 1996 - mit neuem Coach - fort, während Cleveland erstmal ohne NFL-Team dastand.

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"Alte" Browns stellen die neuen in den Schatten

Und hier geht die Schere zwischen beiden Städten auch weit auseinander. Während die Ravens im NFL Draft 1996 Linebacker Ray Lewis zogen, der dann zu einem der dominantesten Verteidiger seiner Zeit wurde, der das Team zu zwei Super-Bowl-Titeln führte und sich selbst in die Hall of Fame spielte, kehrten die Browns erst zur Saison 1999 in die NFL zurück. Ausgerechnet Lerner kaufte das Team als Expansion-Franchise, das bis heute nur noch dreimal die Playoffs erreicht hat - mit zahllosen Head Coaches und Quarterbacks noch dazu.

Lerner verstarb 2002, Modell, dem der Umzug letztlich finanziell nicht wirklich geholfen hat, verkaufte seine Anteile an den Ravens dann im Laufe der Zeit erst fast zur Hälfte und dann komplett an den heutigen Owner Steve Bisciotti. Als Modell 2012 verstarb, hielt die Liga in allen Stadien eine Gedenkminute ab - außer in Cleveland.

Verwendete Quelle: ntv.de

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