Zurück
Mainz (dpa) - Ein bisschen Seelenbalsam, aber weiter mit Sorgen: Der FSV Mainz 05 hat das schmeichelhafte 1:2 (0:1) gegen den übermächtigen FC Bayern dankbar angenommen und damit eine Klatsche vor der Länderspielpause verhindert. „Die Mannschaft hat heute wirklich bis zum Abpfiff alles versucht. Dann können wir auch mal eine Niederlage akzeptieren“, sagte Trainer Urs Fischer nach einem weitgehend einseitigen Bundesliga-Spiel.
Dennoch kassierten die Rheinhessen ihre vierte Pflichtspiel-Niederlage hintereinander und sind zu Hause in dieser Saison weiter sieglos. Mit den Toren durch Joshua Kimmich (14. Minute) und Lennart Karl (57.) waren die Gastgeber vor 33.305 Zuschauern in der ausverkauften Mainzer Arena noch bestens bedient: Fast pausenlos hetzte das Fischer-Team den Münchnern und dem Ball hinterher. Von einem Auftritt wie vor einem Jahr, als die Nullfünfer 3:0 führten und am Ende noch 3:4 verloren, waren sie meilenweit entfernt.
Nicht akzeptieren konnte Fischer die Szene, als Mainz schon über den völlig überraschenden 1:1-Ausgleich durch Jae Sung Lee gejubelt hatte (40). Inmitten des Trubels um die Verletzung und die Auswechslung von Bayern-Torwart Manuel Neuer gab es doch noch einen Videobeweis - und der Unparteiische Schiedsrichter Robert Schröder nahm den Treffer wegen Abseitsstellung zurück.
„Wenn der Schiedsrichter nach dem Check auf den Punkt zeigt, was soll ich sagen? Er gibt ein Tor für uns - und dann war's doch keines“, sagte der verärgerte Fischer. „Gibt es treffende Worte dazu?“
Noch heftiger reagierte Abwehrchef Fabio Gruber. „Ich habe keine Ahnung, warum der Schiri das abgepfiffen hat“, sagte er. „Der Schiedsrichter hat uns nichts erklärt. Es war wohl irgendwas mit Abseits. Aber er hatte das Tor ja schon gegeben. Deshalb ist es für mich ein Skandal. Aber gut, Bayern München wahrscheinlich. Ich weiß nicht, ob das für Mainz 05 so entschieden worden wäre.“
Ziemlich unerwartet köpfte auch der dieses Mal nur eingewechselte Phillip Tietz mit seinem sechsten Saisontreffer noch zum 1:2 ein (90.+3). Insgesamt aber schlug sich die dezimierte Mainzer Abwehr - ohne den verletzten Dominik Kohr und die gesperrten Stefan Posch und Phillipp Mwene - achtbar. Was mitunter aber auch an der Ballverliebtheit des Rekordmeisters lag.
„Wir haben das Fußballspielen nicht verlernt und haben uns heute auf unsere Stärken besonnen. Das haben wir uns diesmal nicht nur vorgenommen, sondern auch umgesetzt“, sagte Gruber. „Wir waren eklig und wollen daran anknüpfen nach der Pause.“ Da geht es für seine Mannschaft am 22. November beim FC Augsburg weiter.
Auch Flügelstürmer Paul Nebel, der unter der Woche seinen Vertrag verlängert hatte, sprach von einer Steigerung. „Man hat gesehen, dass wir alles reingehauen und gekämpft haben. Natürlich ist nicht alles super, aber die Bayern sind nun mal eine der besten Mannschaften Europas.“
Mit der Leistung „einverstanden“ war Niko Bungert. „Wir haben uns gegen die beste deutsche Mannschaft extrem aufgerieben und es eigentlich übers ganze Spiel offen gehalten“, sagte der FSV-Sportdirektor.
© dpa-infocom, dpa:261108-930-962971/1