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Scharfe Hoeneß-Kritik ist der Ritterschlag für Lennart Karl
Lennart Karl vom FC Bayern
Lennart Karl vom FC Bayern

Die Diskussionen um Lennart Karl beschäftigen den FC Bayern. Angestoßen hat sie Uli Hoeneß mit öffentlicher Kritik – was im Prinzip etwas Gutes ist. Gefährlich wird es nämlich erst, wenn Hoeneß nicht mehr über einen Spieler spricht.

Damit wir nicht den Überblick verlieren, eine kurze chronologische Abfolge, wer wann wen kritisiert hat. Also:

Bayern-Patron Uli Hoeneß kritisierte Lennart Karl. Bayern-Sportvorstand Max Eberl kritisierte Karl ebenfalls. Dessen Berater Michael Ballack kritisierte daraufhin Hoeneß und Eberl für deren Kritik. Und Bayern-Legende Stefan Effenberg kritisierte anschließend Ballack für dessen Kritik an Hoeneß und Eberl.

Logo, oder?

Spricht Hoeneß über einen Spieler, sieht er etwas in ihm – aber wehe, wenn nicht...

Angefangen hatte alles mit Hoeneß, der sich an Karls Verhalten neben dem Fußballplatz störte. Den Bayern soll es zu viel Lifestyle-Leben und Glamour-Genuss sein. „Ich plane, ein ernstes Wort mit ihm zu sprechen. Er ist weit davon entfernt, ein Superstar zu sein. Vergleiche mit Olise tun ihm offensichtlich nicht gut, da liegen noch Welten dazwischen“, grantelte Hoeneß via „Welt“.

Das wurde als Maßregelung für einen 18-jährigen Aufsteiger mit Hang zur Selbstinszenierung verstanden. Und gewissermaßen war sie das ja. Mindestens in gleichem Maße aber glich es einer Art Ritterschlag für Karl. Klingt kurios, aber: Hoeneß adelte, indem er tadelte.

Uli Hoeneß mit Bastian Schweinsteiger, hier auf einem Bild aus dem Jahr 2018
Uli Hoeneß mit Bastian Schweinsteiger, hier auf einem Bild aus dem Jahr 2018

Das Gesetz hat sich über Jahrzehnte etabliert:

Wenn Hoeneß über einen Spieler redet, sieht er etwas in ihm. Will ihn kitzeln. Herausfordern. Vielleicht auch triggern, wobei es das Wort „triggern“ in den 80er-, 90er- und 00er-Jahren nicht gab. Hoeneß triggerte trotzdem. Er mag das.

Gefährlich wird es immer dann – und nur dann –, wenn der Mister FC Bayern nicht oder nicht mehr über einen Spieler redet.

„Dem Schweini haben zu viele Leute Puderzucker in den Hintern geblasen“

Beispiele für Hoeneß-Rügen gibt es etliche. Den avisierten Kahn-Nachfolger Michael Rensing hat er einst heruntergestutzt – und quasi zeitgleich getönt, es sei doch völlig klar, dass Rensing mal Nationaltorwart werde. Wer denn sonst? Etwa dieser unbekannte Schalker, wie heißt er noch, ach ja, Manuel Neuer?

Berühmt ist Hoeneß‘ Satz über den frechen, flippigen Bastian Schweinsteiger nach der WM 2006: „Dem Schweini haben in den letzten sechs Monaten zu viele Leute Puderzucker in den Hintern geblasen. Den klopfe ich nun wieder raus.“ Er klopfte wahrlich. Lange.

In Wahrheit aber hatte Hoeneß immer ein Faible für Youngster, die Potenzial für Großes mitbrachten. Trainer Thomas Tuchel kreidete er sogar ausdrücklich an, mit der Jugend zu wenig anfangen zu können. Wobei Hoeneß dem bei Bayern fremdelnden Tuchel vieles ankreidete, schon klar.

Lennart Karl mit einer Antwort an seine Kritiker
Lennart Karl mit einer Antwort an seine Kritiker

Jedenfalls ist bei Karl alles auf den Weg gebracht. Jeder erkennt ja sein Talent, seine Anlagen, seinen Auftritt. Hoeneß, ganz alte Schule, ging bewusst den medialen Weg, um Gehör zu finden. Beim Spieler, dessen Umfeld und in der breiten Öffentlichkeit. Siehe da: Es klappte. Also zumindest das mit der breiten Öffentlichkeit.

Zwei Karl-Tore in dieser Saison, zweimal gab’s Aufregung um seine Gesten

Das Argument der Jugend ist ein valides bei Karl. Was haben Sie mit 18 gemacht? Eher nicht ein Champions-League-Tor für den FC Bayern bei Atlético Madrid geschossen. Den provokanten Jubel danach sollte er sich dennoch sparen – zumal es nicht der erste war. Zwei Pflichtspieltore hat Karl in dieser Saison bisher erzielt, nach beiden gab’s Aufregung um seine Gesten. In Elversberg (wofür sich Karl später entschuldigte) und nun in Madrid. Unnötige Angriffsflächen.

Uli Hoeneß empfahl Lennart Karl in seinem Interview mehr „Demut“. Das ist eines seiner Lieblingswörter. Und sagen wir so: Demut hat vielen Nachwuchsüberfliegern nicht geschadet. Obgleich es, natürlich, nicht bei allen zur Spitzenklasse reichen konnte.

Michael Rensing wurde kein Nationaltorwart. Bastian Schweinsteiger wurde Weltmeister.

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