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Die erste Niederlage ist perfekt – und ausgerechnet jetzt kommt der HBW Balingen-Weilstetten. Nach einem furiosen Saisonstart hat die SG Flensburg-Handewitt am Sonntag ihre erste Pleite in der Handball-Bundesliga kassiert. Beim VfL Gummersbach unterlag der Titelaspirant mit 30:31, verlor damit auch die Tabellenführung. Am Donnerstag (19 Uhr) wartet in der heimischen GGW Arena nun der Aufsteiger aus Balingen. Eine Pflichtaufgabe auf dem Papier. Doch die „Gallier“ haben zuletzt eindrucksvoll bewiesen, dass sie selbst den Großen der Liga gefährlich werden können.
Erst am Samstag hatte der Kreisstadt-Klub den European-League-Sieger MT Melsungen an den Rand einer Niederlage gebracht, musste sich letztlich mit 26:27 geschlagen geben. Nun wartet die nächste Mannschaft mit internationalen Stars und Meisterschaftsambitionen. Der Unterschied: Flensburg steht nach dem ersten Rückschlag der Saison unter Zugzwang.
Lange schien bei den Norddeutschen nahezu alles zu funktionieren. Nach acht Bundesliga-Spielen standen 15:1 Punkte zu Buche. Anschließend setzte die SG ein dickes Ausrufezeichen, bezwang die Füchse Berlin in einem spektakulären Spitzenspiel mit 34:33. Simon Pytlick traf mit einem direkten Freiwurf bei abgelaufener Spielzeit zum Sieg. Die GGW Arena stand kopf, die Norddeutschen verteidigten ihre Spitzenposition. Nur eine Woche später folgte die Ernüchterung. In Gummersbach führte die SG zunächst mit 9:6, verlor dann aber ihren Rhythmus. Bis zur Pause gelangen der Mannschaft von Trainer Ales Pajovic nur noch zwei Treffer. Auch nach dem Wechsel blieb die Chancenverwertung ein Problem. Zwar kämpften sich die Gäste zurück, doch VfL-Torhüter Bertram Obling erwies sich mit 18 Paraden als Spielverderber. Am Ende stand das 30:31 – die erste Bundesliga-Niederlage der Saison.
An der grundsätzlichen Rollenverteilung ändert die SG-Pleite beim Altmeister allerdings nichts. Flensburg zählt zu den am stärksten besetzten Mannschaften der Bundesliga. Im Rückraum geben der dänische Weltklassespieler Pytlick, der französische Spielmacher Aymeric Minne und Nationalspieler Marko Grgic den Ton an. Dazu kommen Lasse Møller und weitere international erfahrene Akteure. Besonders Pytlick verkörpert die außergewöhnliche Qualität des Flensburger Kaders. Der Däne kann Partien mit seiner Dynamik, seinem Spielverständnis und seiner individuellen Klasse entscheiden. Dass er Flensburg im Sommer 2027 in Richtung Berlin verlassen wird, macht ihn für die laufende Saison nicht weniger wertvoll.
Auf Linksaußen verfügt die SG mit Emil Jakobsen über einen weiteren Unterschiedsspieler. Der dänische Nationalspieler erzielte gegen die Füchse neun Tore und gehört seit Jahren zu den verlässlichsten Schützen der Norddeutschen. Auch zwischen den Pfosten ist Flensburg hochkarätig besetzt. Simon Møller glänzte gegen Berlin mit zahlreichen Paraden.
Pajovic verfügt über Möglichkeiten, von denen viele Bundesligisten nur träumen können. Der ehemalige slowenische Nationalspieler setzt auf temporeichen Handball, kann aber auch im Positionsangriff auf individuelle Klasse bauen. Und Flensburg rüstet weiter auf: Für die kommende Saison haben die Norddeutschen bereits die begehrten portugiesischen Brüder Francisco und Martim Costa verpflichtet.
Die Ansprüche sind hoch. Nach den European-League-Triumphen 2024 und 2025 erreichte die SG im Frühjahr 2026 erneut das Finalturnier, belegte diesmal Rang drei. In die laufende internationale Saison startete Flensburg mit drei deutlichen Siegen gegen Granollers, Águas Santas und Buzău. Der nächste Titel soll her. Umso schwerer wiegt die erste Bundesliga-Niederlage in Gummersbach. Gegen den Aufsteiger aus Balingen ist ein weiterer Ausrutscher kaum eingeplant.
Doch auch der HBW reist mit einer klaren Erkenntnis in den hohen Norden: Selbst Europas Spitzenteams sind verwundbar. Das bewiesen die Schwaben beim unglücklichen 26:27 gegen Melsungen. Trainer Matthias Flohr sah dennoch Reserven. „Wir haben gut gespielt, aber nicht gut genug und nicht so gut, wie wir können“, erklärte der Balinger Chefcoach. Gegen Flensburg braucht seine Mannschaft erneut eine starke Defensive, muss die Räume gegen Pytlick, Minne und Grgic konsequent schließen. Vorn gilt es, die Fehlerquote zu reduzieren. Denn Ballverluste bestraft die SG mit ihrem Tempospiel gnadenlos. Die Rollen sind klar verteilt, doch nach dem jüngsten Bundesliga-Spieltag steht fest: Auch Favoriten können straucheln.
Die Bilanz spricht allerdings eine deutliche Sprache: Von 29 Duellen gewann Flensburg 26, dreimal trennten sich die Teams unentschieden. Das Torverhältnis: 936:720.