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Wieder vier Gegentore, wieder eine deutliche Niederlage. Aber zumindest zeigt RB Leipzig beim 1:4 gegen Real Madrid eine Reaktion auf die peinliche Vorstellung in München. Das Comeback von Christoph Baumgartner macht Hoffnung, doch ausgerechnet ein ehemaliger Leipziger führt dem Club sein grundsätzliches Problem vor Augen.
Von Sanny Stephan, SPORT IM OSTEN
Vier Gegentore, eine deutliche Niederlage und wieder keine Punkte in der Fremde. Auf den ersten Blick war beim 1:4 von RB Leipzig bei Real Madrid vieles wie zuletzt. Beim genauen Hinsehen wird klar: Es war anders. Anders als bei der 1:6-Schmach gegen den FC Bayern München ergab sich das Team von Martín Demichelis im Estadio Santiago Bernabéu nicht seinem Schicksal. Es wehrte sich, spielte phasenweise mutig nach vorn und hielt bis zum Abpfiff dagegen.
Denn dass eine Mannschaft bis zum Schluss kämpft, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Christoph Baumgartner brachte es nach seinem emotionalen Comeback auf den Punkt: "Das muss aber auch der Mindestanspruch sein, so ehrlich möchte ich auch sein." Der Österreicher hatte nach mehr als 140 Tagen Verletzungspause sein Comeback gegeben und wirkte auch nach dem Abpfiff in der Interviewzone noch sehr angefasst.
Viereinhalb Monate hatte er auf diesen Moment hingearbeitet, die Weltmeisterschaft verpasst und nach eigenen Worten die schwerste Phase seiner Karriere durchlebt. "Wahrscheinlich sogar in meinem Leben", sagte Baumgartner. Der Tag in Madrid sei für ihn extrem emotional gewesen. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus hatte ihm seine Frau noch Fotos aus den vergangenen Monaten geschickt. Bilder einer schwierigen Zeit, von der Operation in Finnland, dem Flug nach Amerika und der gemeinsamen Bewältigung seiner Verletzung.
"Ich bin einfach froh, dass ich wieder da bin, habe richtig Bock, ich brenne richtig", sagte der 27-Jährige. Die nötige Wettkampfhärte müsse er sich erst wieder erarbeiten. Sein Comeback macht Hoffnung. Seine Klasse deutete der Österreicher schon beim Pass auf Tidiam Gomis, der in der 83. Minute zum Ehrentreffer führte, an.
Vor allem in der ersten Halbzeit war RB keineswegs chancenlos. Leipzig spielte kompakt, fand immer wieder den Weg nach vorn und erspielte sich Möglichkeiten. Doch während die Sachsen ihre Chancen liegen ließen, traf Bernardo Silva kurz vor der Pause zur Führung für Real (44.). Arda Güler (52.) und Kylian Mbappé (82.) erhöhten später, ehe Gomis (85.) noch einmal verkürzte. "Du darfst hier niemals zur Halbzeit 1:0 im Rückstand sein", haderte Baumgartner mit der Chancenverwertung.
Leipzig sei mindestens ebenbürtig gewesen, habe sogar die zwingenderen Möglichkeiten besessen. Doch gegen eine Mannschaft wie Real Madrid reicht es nicht, nur gut mitzuspielen. "Wenn du gegen die besten Spieler der Welt gewinnen willst, dann muss alles top sein. Es war vieles gut, aber nicht alles."
RB-Trainer Demichelis bewertete den Auftritt zwiespältig. Zufrieden könne er nach einer Niederlage nicht sein, betonte der Argentinier. Im Vergleich zum Bayern-Spiel habe er jedoch eine deutlich kompaktere Mannschaft gesehen, die auch mit dem Ball mutiger aufgetreten sei.
An den ernüchternden Zahlen ändert das wenig. RB hat fünf Mal in Folge auswärts verloren, vier Tore geschossen und 19 kassiert. In der Champions League steht die Mannschaft mit lediglich drei Punkten auf Rang 29 von 36 Mannschaften. Der Anspruch, international dauerhaft zu den Besten zu gehören, und die sportliche Realität klaffen weit auseinander.
Ausgerechnet Yan Diomande führte den Leipzigern mit seinem Traumtor zum 4:1 noch einmal das grundsätzliche Dilemma des Clubs vor Augen. Der Offensivspieler ist längst nicht der erste Hochbegabte, der RB als Sprungbrett zu einem europäischen Schwergewicht nutzte. Dani Olmo spielt inzwischen beim FC Barcelona, Joško Gvardiol bei Manchester City, Dominik Szoboszlai und Ibrahima Konaté beim FC Liverpool, Dayot Upamecano beim FC Bayern München. Benjamin Sesko zog es zu Manchester United, Xavi Simons zu Tottenham Hotspur.
Seiwald versucht Diomande vergeblich zu stoppen.
Sie alle haben sich in Leipzig entwickelt und sind dann weitergezogen. Die Ablösesummen, die die Leipziger damit generiert haben, sind bemerkenswert. Wenn RB aber zu den besten europäischen Teams gehören will, muss der Klub seine größten Talente nicht nur entdecken und entwickeln, sondern sie irgendwann auch halten können.
Dieses Thema im Programm: MDR.DE | SPORT IM OSTEN | RB Leipzigs Baumgartner nach Comeback: "Der ganze Tag war sehr emotional" | 22.10.2026 | 00:05 Uhr