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(Motorsport-Total.com) - Das MotoGP-Hauptrennen konnte beim Grand Prix von Australien nicht stattfinden. Regen und vor allem schlechte Sicht machten am Sonntag die Durchführung der Rennen aller Klassen unmöglich.
Davide Tardozzi sieht Marquez noch nicht als Weltmeister Zoom
Die Absage erfolgte aus Sicherheitsgründen, denn der Rettungshubschrauber hätte im Ernstfall nicht zwischen Phillip Island und dem Traumazentrum in Melbourne fliegen können.
"Natürlich tut es mir leid für all die Fans auf Phillip Island", sagt Marc Marquez, der am Samstag den Sprint gewonnen hat. "Phillip Island hat es einfach nicht verdient, dass das letzte Rennen abgesagt wurde."
"Die Streckenbedingungen waren zwar in Ordnung", schätzt der Ducati-Fahrer, "aber leider war der Rettungshubschrauber nicht einsatzbereit. Es geschah also aus Sicherheitsgründen."
"Es tut mir wirklich sehr leid für euch alle. Wir Fahrer waren absolut bereit für das Rennen, aber heute ging es leider nicht. Vielen Dank an alle, die die MotoGP unterstützen."
Durch die Absage des Rennens hat Marquez die Möglichkeit verloren, seinen WM-Vorsprung auszubauen. Mit dem Sieg im Sprint und dem gleichzeitigen Sturz von Aprilia-Konkurrent Jorge Martin übernahm er die WM-Führung.
Da sich Martin eine Speichenfraktur nahe dem rechten Handgelenk zugezogen hat, hätte er am Sonntag nicht an den Start gehen können. Wäre das Rennen gefahren worden und hätte Marquez gewonnen, würde sein Vorsprung 35 Punkte betragen.
Eine verpasste Gelegenheit? Darüber will Ducati-Teammanager Davide Tardozzi gar nicht diskutieren: "Es stimmt natürlich, dass wir heute realistisch betrachtet womöglich eine Chance verpasst haben."
"Aber für Ducati steht die Sicherheit der Fahrer definitiv an erster Stelle." Tardozzi weiß, wovon er spricht. Er war jahrelang Teammanager des erfolgreichen Ducati-Teams in der Superbike-Weltmeisterschaft.
Durch die Rennabsage konnte Marquez seinen WM-Vorsprung nicht ausbauen Zoom
Im Jahr 2000 hatte Carl Fogarty auf Phillip Island einen schweren Unfall, der letztendlich seine Karriere beendete. "Ich möchte keinesfalls, dass unseren oder anderen Fahrern so etwas noch einmal widerfährt", betont Tardozzi deshalb.
Am Samstag erwischte es Konkurrent Aprilia mit der Verletzung von Martin, die eventuell den WM-Kampf entscheiden könnte. Gigi Dall'Igna, der Chef von Ducati Corse, betonte bereits nach dem Sprint, dass er Martin eine rasche Genesung wünscht.
Das sieht auch Tardozzi so, der Martin als "Helden" bezeichnet: "Natürlich ist das schade. Leider hat Jorge einen Fehler gemacht und dafür einen hohen Preis bezahlt. Ich habe gehört, dass er in Sepang wahrscheinlich dabei sein wird."
"Das bedeutet wohl, dass der Bruch nicht ganz so gravierend ist. Auf menschlicher Ebene wünsche ich ihm gesundheitlich jedenfalls nur das Beste. Jorge bleibt ein Fahrer, der mit Ducati eine Meisterschaft gewonnen hat."
"Er liegt uns weiterhin am Herzen und wir schätzen ihn sehr. Er ist ein Held, denn falls er das am kommenden Wochenende wirklich durchzieht, ist er ein absoluter Held und verdient unseren vollen Respekt."
Im Sprint lieferten sich Martin und Marquez einen irren Zweikampf Zoom
Laut Tardozzi hatte Aprilia im Sprint schlichtweg "Pech": "Es war offensichtlich, dass Bezzecchi unter trockenen Bedingungen extrem konkurrenzfähig war. Er hat sich aus der dritten Startreihe bis auf den vierten Platz nach vorne gekämpft."
"Und Martin hat zwar einen Fehler gemacht, war davor aber ebenfalls sehr, sehr stark unterwegs. Ich weiß nicht, ob Marc ihn am Ende des Rennens hätte schlagen können oder nicht."
"Ich denke, das wäre ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss geworden, aber unglücklicherweise hat er eben diesen Fehler begangen. Aber letztendlich habe ich gestern gesehen, dass Marc die Situation kontrolliert und mit Verstand agiert hat."
"Er hat keine Spielchen gespielt, denn er war wirklich am absoluten Limit unterwegs, aber er war sich der Lage stets voll bewusst. Er hat enormen Respekt vor Jorge, und genau deshalb hat er ununterbrochen gekämpft."
"Wie Marc selbst sagte, ich habe gelesen, dass er nach jedem Überholmanöver von Martin sofort versucht hat, zu kontern, weil er genau wusste: Wenn Martin erst einmal ein oder zwei Runden freie Fahrt hat, kann er davonziehen."
Aufgrund der Umstände will Tardozzi dennoch nichts davon wissen, dass der WM-Kampf praktisch schon zugunsten von Marquez entschieden ist. Vier Rennwochenenden stehen noch im Kalender.
"Daran ist absolut überhaupt nichts Wahres. Erstens: Hätten wir heute fahren und weitere Punkte holen können, wäre der Vorsprung noch größer gewesen. Aber zehn Punkte sind gar nichts, es sind noch 148 Punkte zu vergeben."
"Das sind so viele Zähler, dass zehn Punkte wirklich überhaupt nichts bedeuten. Selbst 50 Punkte sind noch gar nichts. Wenn man einmal ausfällt oder etwas Unvorhergesehenes passiert, ist Bezzecchi sofort zur Stelle."
Nach Australien hat Marquez 10 WM-Punkte Vorsprung auf Martin Zoom
"Bezzecchi wird in den nächsten Rennen extrem konkurrenzfähig sein, er bleibt also definitiv auch ein Anwärter auf den Titel", zeigt sich Tardozzi überzeugt. Man dürfe ihn trotz der 50 Punkte Rückstand keinesfalls abschreiben.
Deswegen wird Marquez weiterhin alles geben müssen. "Ich gehe davon aus, dass er voll attackieren wird", meint der erfahrene Teammanager. Sepang und Lusail gehören nicht zu den besten Strecken von Marquez, ebenso wenig wie Portimao.
"Ganz ehrlich: Von den verbleibenden vier Rennen liegen drei Strecken vermutlich eher Aprilia, und auf einer Strecke könnten wir wiederum schneller sein als sie. Aber am Ende haben wir eben Marc Marquez", sagt Tardozzi.
"Und das gibt uns ein gewisses Maß an Gelassenheit. Wir wissen aber auch, dass unsere Konkurrenten extrem stark sind. Sie haben zwei Fahrer, die um die Weltmeisterschaft kämpfen."
"Sie genießen daher unseren vollen Respekt, denn wir kennen ihr Potenzial als Werk und vor allem das ihrer Piloten. Aber noch einmal: Wir sind Ducati, wir sind immer ganz vorne mit dabei, und wir geben uns nie einfach zufrieden."