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Als Jorge Martin in Runde acht des MotoGP-Sprints auf Phillip Island plötzlich durch den Kies von Turn 8 geschleudert wurde, schien das nicht nur das Ende der großartigen Show mit Marc Marquez am Samstag zu sein, sondern auch den Titelkampf zwischen den beiden Spaniern frühzeitig beendet zu haben. Denn Martin blieb nach dem Highspeed-Crash zunächst im Kies liegen, musste mit der Trage abtransportiert werden und schließlich ins Medical Center gebracht werden.
Von dort aus erreichte uns gut eine Stunde später auch bereits eine erste, ernüchternde Prognose, die das Aprilia-Team mit der MotoGP-Presse teilte: Martin hatte eine Fraktur der rechten Speiche erlitten. Außerdem wurde von den Ärzten im Medical Center der Verdacht auf eine Fraktur der Elle im distalen Bereich, also Nahe des Handgelenks geäußert. Die Ellenfraktur in Verbindung mit dem Speichenbruch hätte Martin wohl lange aus dem Rennbetrieb und damit aus dem WM-Fight 2026 gerissen. WSBK-Pilot Iker Lecuona fiel nach einer praktisch identischen Verletzung im Vorjahr fast elf Wochen aus.
Martin begab sich noch am Samstag ins rund zwei Autostunden entfernte Melbourne, um sich dort in einem Krankenhaus noch einmal genauer untersuchen zu lassen. Und die dort durchgeführten Checks brachten den Umständen entsprechend gute Nachrichten für den Aprilia-Piloten. "Jorge Martin unterzog sich einer CT-Untersuchung, um seinen Gesundheitszustand nach der gestrigen Verletzung zu beurteilen. Die einzige bestätigte Verletzung ist ein nicht verschobener Bruch des distalen Radius (Speiche nahe dem Handgelenk, Anm.). Daher wird der Fahrer nicht nach Spanien zurückkehren, sondern sich in den kommenden Tagen der notwendigen Behandlung unterziehen", ließ sein Rennstall am Sonntagmorgen in Australien wissen.
Aus dem wortkargen Statement von Aprilia lassen sich einige Informationen herauslesen. Die Wichtigste: Der Speichenbruch ist die einzige bestätigte Verletzung, eine beim ursprünglichen Check schon mit Fragezeichen versehene Ellenfraktur bestätigte sich also nicht. Denn eine solche wäre in einem CT-Scan zweifelsohne sichtbar geworden, selbst wenn es sich um eine kleine, nicht verschobene Fraktur handeln würde. Die Tatsache, dass auch die Speichenfraktur nicht verschoben ist, sind weitere positive Neuigkeiten für Martin. Und die Tatsache, dass er nicht nach Spanien zurückkehren wird, lässt uns im Sinne eines weiterhin spannenden WM-Kampfs auf ein weiteres Sensations-Comeback des 'Martinators' hoffen!
Er muss ernsthaft über eine Teilnahme am Malaysia-Grand-Prix am kommenden Wochenende nachdenken, ansonsten hätte er sich bereits für eine Heimreise entschieden. Da seine Fraktur nicht verschoben ist, wird eher keine Operation nötig und der Arm dennoch vergleichsweise stabil sein. Eine eigens angefertigte Schiene könnte Martin zusätzlich unterstützen und für weitere Stabilität sorgen. Für welche Strategie sich Fahrer und Team entscheiden, werden die kommenden Tage zeigen.
Eines scheint jedoch klar: Martin hat den Traum von seinem zweiten MotoGP-Weltmeistertitel noch nicht aufgegeben. Nach dem Sturz am Samstag rutschte er in der Fahrerwertung zehn Punkte hinter Sprintsieger Marquez zurück. Für das Rennen am Sonntag hat Martin keine Startfreigabe erhalten, doch ob der letzte Australien-GP auf Phillip Island überhaupt stattfinden kann, ist noch unklar. Vorerst wurde der Streckenbetrieb aufgrund von Schlechtwetter auf 2 Uhr MEZ verschoben, weitere Verschiebungen oder sogar eine Absage sind möglich. Großer Nutznießer wäre dann natürlich Martin: Er würde keine Punkte verlieren und ginge mit nur zehn Punkten Rückstand auf Marquez in die verbleibenden vier - oder im Fall einer Katar-Absage drei - Rennwochenenden des Jahres.