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Mehr als zehn Jahre ist Harry Kane dem Verein, der ihn zu einem der besten Stürmer der Welt machte, treu geblieben. Aber auch er hat sich irgendwann eingestanden, dass er Tottenham Hotspur verlassen muss, um endlich das zu erreichen, was ihm trotz aller Tore fehlte: einen Titel.
Im Sommer 2023 zahlte der FC Bayern für ihn mehr Geld als für jeden anderen Spieler davor: mindestens 100 Millionen Euro Ablöse, dazu ein geschätztes Gehalt von 24 Millionen pro Saison. Weil die Klubführung daran glaubte, dass sich mit Kane ihre Chancen vergrößern, die Champions League zu gewinnen.
Seitdem hat er in 161 Pflichtspielen 156 Tore erzielt, war in den Saisons 2023/24 und 2025/26 der erfolgreichste Torschütze Europas. Soeben wurde er mit dem Ballon d’Or ausgezeichnet. Kane hat gehalten, was sich der Verein von ihm versprochen hat. Ehrenpräsident Uli Hoeneß rühmte ihn sogar als den „besten Transfer“, den der FC Bayern jemals getätigt habe.
Wer alles in allem fast 200 Millionen Euro für einen 30-Jährigen ausgibt, setzt sich damit als Klub aber auch selbst unter Druck. Mit Bayern wurde Kane bislang zweimal deutscher Meister (2025, 2026) und einmal Pokalsieger (2026). Trikots mit seinem Namen dürften zumindest einen Teil der Ablösesumme wieder einspielen, und Kanes Ehrung als Weltfußballer hat dem FC Bayern Millionen neue Follower gebracht. Sein Transfer hätte sich jedoch erst wirklich gelohnt, wenn Kane aus einer sehr guten Mannschaft die beste Mannschaft Europas macht.
In den vergangenen Monaten stand er, wie schon zu Londoner Zeiten, wieder vor der Entscheidung, ob er gehen oder bleiben soll. Seinen Traum von einem Titel hatte er sich erfüllt, aber ist München immer noch der richtige Ort für ihn, um auch das große Ziel, auf das er schon so lange hinarbeitet, zu erreichen?
Sein im Sommer auslaufender Vertrag soll eine Ausstiegsklausel in Höhe von 65 Millionen Euro enthalten haben. Kane betonte jedoch immer wieder, dass die gemeinsame Geschichte noch nicht auserzählt sei, und verlängerte um zwei Jahre bis 2029. Dann wird er 35 Jahre alt sein.
Es ist eine Wette darauf, dass Kane sein Niveau bis dahin – und womöglich darüber hinaus – halten kann. Ist er verletzt oder formschwach, müsste Trainer Vincent Kompany die Offensive umbauen, weil ein anderer klassischer Mittelstürmer fehlt. Auch auf dem rechten Flügel und den Außenverteidiger-Positionen hat der Kader nicht die Tiefe, die nötig wäre, um Ausfälle zu kompensieren.
Für Kane und den FC Bayern ergibt sich durch die Vertragsverlängerung ein begrenztes Fenster, in dem sie die Champions League gewinnen müssen. Dieser Titel lässt sich aus verschiedenen Gründen nicht einplanen. Aber der Klub wird sich daran messen lassen müssen, ob es ihm gelingt, Kane eine Mannschaft zur Seite zu stellen, die dieser Aufgabe gewachsen ist.