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Mit dem 1:0 gegen Schalke 04 schien Mainz 05 seine Defensiv-Probleme überwunden zu haben. Doch gegen Werder Bremen gab es den Rückschritt. Was die Beteiligten dazu sagen.
Mainz. Der Fußball-Arbeitstag begann so schön für Niko Bungert. Die 33.305 Zuschauer in der ausverkauften Mewa Arena sangen ihm ein „Happy Birthday“ zu seinem 40. Geburtstag. Da war die Stimmung noch gut. Zwei Stunden später antwortete der Sportdirektor des FSV Mainz 05 dann auf die Frage, ob er denn am Abend noch etwas Schönes vorhabe: „Das muss ich mir noch überlegen. Es gibt aktuell andere Dinge, die mir durch den Kopf gehen.“ Die enttäuschende Defensivleistung der 05er bei der 2:3-Niederlage gegen Werder Bremen hatte ihm sichtlich die Geburtstagslaune verhagelt. Zumal sich die Mainzer nach dem 1:0-Sieg bei Schalke 04 auf dem Weg zu defensiver Stabilität gewähnt hatten, jetzt aber einen Rückschlag erlebten.
Als früherem Innenverteidiger taten ihm die sichtbaren Abwehrfehler der Mainzer besonders weh. Stefan Posch und Danny da Costa gingen jeweils zu plump in einen Zweikampf mit dem Gegenspieler und verursachten so Elfmeter, die Niclas Füllkrug für Werder sicher verwandelte. Diesen Fouls und auch dem aus dem Spiel heraus erzielten dritten Bremer Tor von Ludovit Reis gingen aber Fehlerketten über das ganze Feld voraus.
Die 05er zeigten sich anfällig bei schnellen Gegenstößen. „Wir hatten uns darauf fokussiert, den tiefen Werder-Block zu umspielen. Ein Ballverlust geht dann schnell, und die Bremer waren heute einfach spitz darauf. Sie haben es gut gemacht mit den überfallartigen Kontern. Trotzdem müssen wir das besser verteidigen“, sagte Bungert. Trainer Urs Fischer kam zu einer ähnlichen Analyse. „Wir hatten jeweils genügend Spieler hinter dem Ball, aber die Restverteidigung war nicht in der richtigen Position, um ins Gegenpressing zu gehen. Wir haben einfach falsche Entscheidungen getroffen. Wie sich Bremen beim dritten Tor an der Seitenlinie durchspielt, ist zu einfach“, sagte der Coach.
Das dritte Gegentor fiel aber immerhin in einer Phase, in der die Mainzer das Spiel dominiert und sich mit Willen gegen die drohende Niederlage gestemmt hatten. Mehr Rätsel hinterließ die erste halbe Stunde, die komplett den Gästen gehörte. „Es wiederholt sich: Die ersten 30 Minuten waren schläfrig. Da waren uns die Bremer überlegen, waren wacher und aggressiver“, sagte Fischer.
Auch die Spieler teilten diese Meinung. „Die ersten Minuten waren wir nicht richtig auf dem Platz. Wir waren immer einen Schritt zu spät und in den Zweikämpfen nicht konsequent genug, haben zudem zwei unnötige Elfmeter verursacht. Das ist dann schwierig. Du kannst nicht dauerhaft drei Tore zu Hause schießen müssen, um etwas mitzunehmen“, sagte Torhüter Alexander Schwolow. Und Mittelfeldspieler Nadiem Amiri erklärte: „Wir haben uns richtig viel vorgenommen, wollten von der ersten Sekunde an da sein – und haben doch die ersten Minuten komplett verschlafen.“
Was dazu führte, dass die Diskrepanz zwischen der Heim- und der Auswärtsbilanz der 05er anhält. In der Heimtabelle stehen die Mainzer mit einem Punkt und zehn Gegentoren aus vier Spielen auf dem vorletzten Platz. In der Auswärtstabelle sind sie mit neun Zählern aus drei Partien Erster. Auch dafür fehlt den Beteiligten eine Erklärung. „Wenn ich ein Rezept hätte, würde ich es anwenden“, sagte Schwolow. Der Torhüter hatte aber eine andere Theorie: „Vielleicht brauchen wir auch manchmal einen Dämpfer. Denn jetzt müssen wir wieder eine Reaktion zeigen.“ Dies ist in dieser Saison bisher stets gelungen und stimmt die 05er auch optimistisch für die nächste Woche, wenn es zunächst am Dienstag um 18 Uhr im DFB-Pokal zu Zweitligist VfL Bochum geht und dann am Freitag um 19.30 Uhr in der Bundesliga zum Aufsteiger SV Elversberg.
„Stadt und Verein immer im Herzen", zeigen die Mainz-05-Fans vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen.
Sportdirektor Bungert blickt indes inhaltlicher auf die Entwicklung. „Wir müssen vielleicht einmal wieder längere Phasen ertragen, in denen wir ohne Ball einfach defensiv verteidigen. Und wir müssen uns weiterentwickeln, dass wir nach einem Ballverlust nicht den ersten Ball beim Gegner haben, sondern da einfach wacher sind.“ In den ersten 30 Minuten habe das 05-Team Werder begünstigt „mit leichten Ballverlusten von uns und schlechtem Stellungsspiel in der Defensive. So kriegen wir zwei blöde Tore, bei denen wir erst einmal 40 Meter hinterhersprinten mit der ganzen Truppe und erst im Sechzehner in ein vernünftiges Duell kommen. Und auch beim dritten Gegentor haben wir mehrmals die Chance zu klären“, sagte Bungert.
Die 05er haben also konkrete Ansätze, an denen sie arbeiten können. „Wir werden es sachlich analysieren“, machte Fischer klar. Auch wenn bis zur nächsten Aufgabe am Dienstag nicht viel Zeit bleibt.