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Der Krösche-Abgang in Frankfurt: Was wirklich dahintersteckt

© IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Markus Krösche ist seit Sonntagabend nicht mehr Sportdirektor bei Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt. Sein Ausstieg hinterlässt Spuren. Ein Rückblick auf fünf bewegte Jahre.

Peppi Schmitt

Frankfurt. Am Sonntagabend war die Bombe geplatzt. Eintracht Frankfurt und Sportvorstand Markus Krösche (46) gehen ab sofort getrennte Wege. Und Axel Hellmann steigt zum Vorstandsvorsitzenden beim Bundesligisten auf. Präsident und Aufsichtsrats-Vorsitzender Mathias Beck wollte die wichtigsten Fragen über die Zukunft der Fußball-AG noch vor der Mitgliederversammlung an diesem Montag beantwortet haben. Mit dem Doppelschlag ist ihm ein Coup gelungen. Doch was steckt wirklich hinter der Trennung von Krösche? Hier ein paar Antworten und Klarstellungen.

Was bei Eintracht Frankfurt passiert ist

„Beiderseitiges Einvernehmen“ wurde betont. Allen war klar, dass es in dieser Konstellation nicht weitergehen konnte, denn das Vertrauensverhältnis war nachhaltig gestört. Sogar die finanziellen Fragen wurden einvernehmlich gelöst. Krösche erhält weiter Gehalt, in abgespeckter Form. „Der bis zum 30. Juni 2028 laufende Vertrag besteht angepasst fort“, heißt es. Hintergrund: Da Krösche weiter unter Vertrag steht, darf die Eintracht auf eine Ablösesumme hoffen, wenn er einen neuen Verein findet. Das könnte schon bald passieren. Transfer-Insider Fabrizio Romano spricht von „fortgeschrittenen Gesprächen“ mit der AC Mailand. 

Krösche hat als Nachfolger von Fredi Bobic seit 2021 fünf erfolgreiche Jahre hinter sich. Zweimal hat sich die Eintracht für die Champions League qualifiziert, vor allem der Europa-League-Triumph 2022 wird mit seinem Namen verbunden sein. Der Sportchef hat mit Rekord-Transfers (Ekitiké, Marmoush, Kolo Muani) neue Maßstäbe gesetzt. Er hat ein Geschäftsmodell entworfen, junge Spieler nicht billig einzukaufen und ganz teuer zu verkaufen, und ist damit aufgestiegen in die Spitzengruppe der Manager. Das hat vordergründig viel Geld in die Kasse gespült, doch nachhaltig war es weder wirtschaftlich noch sportlich.

Seit Sommer 2025 war Krösches Modell an Grenzen gestoßen. Beispiele: Der unnötige Verkauf von Torhüter Kevin Trapp, das zu lange Festhalten an Trainer Dino Toppmöller, der Mega-Transfer-Flop Elye Wahi und vor allem die Verpflichtung von Albert Riera. Der spanische Trainer hat die Eintracht zum Gespött der Liga gemacht und Krösche viel von seinem Nimbus genommen.

Verschärft wurden die internen Probleme durch undurchsichtige Immobilien-Geschäfte mit der Frau eines Beraters, über die er den Aufsichtsrat (AR) nicht informiert hatte. Und dem heftigen Flirt mit Mailand und dem Zögern, sich zur Eintracht zu bekennen. Da wurde Vertrauen zerstört, innerhalb des Vorstandes und auch im AR. Dort ist der Ehrenvorsitzende Wolfgang Steubing als dauerhafter Kritiker des Sportchefs aufgetreten.

Krösches Eintracht-Sommertransfers haben nicht überzeugt

Im letzten Sommer wirkte Krösche unentschlossen und halbherzig. Ihm fehle der Biss, hieß es intern, er sei nicht mehr hundertprozentig bei der Sache. Das hat er nun selbst eingeräumt. „Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl entwickelt, dass ich eine Veränderung brauche – und der Eintracht womöglich ein neuer Impuls auch helfen könnte“, sagt er. „Wenn man an diesen Punkt kommt, geht immer auch ein wenig die notwendige Durchschlagskraft für eine solch anspruchsvolle Aufgabe abhanden.“

Er erfüllte zwar durch die Abgabe von Spielern (unter anderen gingen Brown, Amenda, Larsson und Bahoya) wirtschaftliche Vorgaben. Doch Teil der Wahrheit ist auch, dass Spieler wie Nkounkou, Wahi, Ebimbe und Futkeu weit unter Wert oder nur auf Leihbasis abgegeben wurden. Fragwürdig war die sportliche Planung der Saison ohnehin. Drei Neuzugänge ohne jede Bundesligaerfahrung wurden für viel Geld geholt. Onyedika, Aseko und Otavio haben zusammen rund 25 Millionen Euro gekostet. Die Toptransfers Atubolu und Brassier wurden erst auf Druck von Trainer Adi Hütter geholt. Kurzum: Die Transfers haben nicht wirklich überzeugt. 

Fakt bleibt aber: Krösche hat mehr als vier Jahre lang die Eintracht mit guten Transfers sportlich nach vorn gebracht. Im fünften Jahr nun nicht mehr. Das Geschäftsmodell trägt nicht mehr, auch weil es von vielen kopiert wurde und wird. Durch die Verkäufe der besten Spieler wird auch eine Identifikation der Fans mit der Mannschaft immer schwieriger.

Wie es jetzt weitergeht

Axel Hellmann ist nun als CEO auch für den Sport verantwortlich. Er muss zunächst klären, wie es mit den Krösche-Vertrauten Timmo Hardung (Sportdirektor) und Ole Siegel (persönlicher Referent) weitergehen wird. Und er wird mit AR-Chef Beck einen Nachfolger suchen. Kandidaten gibt es reichlich: Christoph Spycher (YB Bern), Joti Chatzialexiou (1. FC Nürnberg), Marcel Schäfer (Leipzig) und Benjamin Weber (FC Augsburg).

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