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Die Frankfurter schlagen den HSV erneut mit 3:1. Ausnahmetalent Niko Ilicevic macht den Abend historisch.
Frankfurt – Und dann bebte das Waldstadion doch noch mal in seinen Grundfesten: In der Nachspielzeit der Begegnung gegen den Hamburger SV wurde es nämlich historisch. Da machte sich ein blutjunger Bursche draußen fertig, erst durfte er nicht rein, warum auch immer. Aber dann kam er doch, und wie: Niko Ilicevic, am Samstag 16 Jahre alt geworden, feierte einen Tag später sein Debüt in der Bundesliga und ist damit gemeinsam mit dem Ex-Dortmunder Youssoufa Moukoko der jüngste Spieler der Beletage. Ein Rekord im Stadtwald. Die seligen Fans sangen unverdrossen: „Wir sind alle Frankfurter Jungs.“ Und Chefcoach Adi Hütter befand: „Es war außergewöhnlich, was er in den sechs, sieben Minuten gezeigt hat.“
Der freche Kurzauftritt des Ausnahmetalents, das sogar zweimal aufs Tor schoss, rundete den unterhaltsamen Abend perfekt ab, ein Abend, der die neue Stabilität der Eintracht unterstrich. Sie klopft nach dem 3:1 (1:1)-Erfolg gegen den HSV ganz zaghaft oben an. Es war ein insgesamt verdienter Sieg zum Abschluss der Hamburger Woche. „Das war eine gute Woche für Eintracht Frankfurt“, kommentierte Vorstandschef Axel Hellmann. „Wir haben Wasser unters Kiel bekommen.“
Adi Hütter hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Pokalspiel vor wenigen Tagen gegen denselben Gegner auf vier Positionen geändert. Der Cheftrainer nominierte Lilian Brassier, Noel Aseko, Keita Kosugi und Younes Ebnoutalib für die Startelf. Jermiaha Maluze, Nnamdi Collins und Mario Götze rotierten raus – selbst Nationalstürmer Jonathan Burkardt erwischte es im zehnten Pflichtspiel zum ersten Mal, Bankplatz.
Dort saß auch Sebastian Rode, der Ex-Kapitän, der als Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft näher ans Team heranrückt. Auf dem Feld hätte die Kämpfernatur mit ihrer Energie vielleicht mehr geholfen. Wobei, so ganz fair ist das nicht.
Denn die Eintracht begann ihr viertes Heimspiel in dieser Saison sehr schwungvoll, brachte ihr aufgetanktes Selbstvertrauen durch den 3:1-Pokalsieg im hohen Norden aufs Feld des Waldstadions. Nach einer raffinierten Eckballvariante legte Spielmacher Can Uzun den Ball auf Vorlage von Fares Chaibi allerdings am Pfosten vorbei (5.). Da war deutlich mehr drin.
Die Frankfurter blieben am Drücker, der aufmerksame Chaibi setzte Miro Muheim unter Druck, die Kugel sprang zu Ebnoutalib, der aber an HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes scheiterte (6.). Vielleicht hätte der Torjäger den Ball besser Can Uzun überlassen, der freie Schussbahn gehabt hätte. Doch Stürmer sind nun mal Stürmer, nehmen den Abschluss selbst. Ist ihm auch keiner böse.
Das Spiel wogte weiterhin nur in eine Richtung, in die Hälfte der Gäste aus der Hansestadt. Can Uzun nahm ein ziemlich missratenes Zuspiel des schwachen Kosugi auf und spielte einen Traumpass in den Lauf von Chaibi. Der umtriebige Algerier brachte die Kugel klug und scharf in die Mitte und zwang den armen Warmed Omari förmlich zu einem Eigentor – ansonsten hätte Ebnoutalib den Ball ins leere Tor geschoben. 1:0 nach gerade mal zehn Minuten, die hochverdiente Führung für die Platzherren.
Doch irgendwie verloren die Hessen im Gefühl der drückenden Überlegenheit den Fokus – in erster Linie natürlich bedingt durch einen folgenschwereren Fehler in der eigenen Abwehr. Lilian Brassier unterschätzte eine harmlose Hereingabe, die Kugel prallte vor die Füße von HSV-Mittelstürmer Terem Moffi, der keine Mühe hatte, zum Ausgleich abzustauben (15.). Spiel auf den Kopf gestellt.
Die Frankfurter verloren völlig den Faden. Das, was zuvor geschmeidig floss, stockte nun schon im Ansatz. Die Hamburger fanden besser in die Partie hinein, gestalteten sie mindestens ausgeglichen. Zum zweiten Abschnitt brachte Hütter Ansgar Knauff für den matten Kosugi. Elias Baum wechselte dafür die Abwehrseite, ein Schachzug, der aufgehen sollte. Die Eintracht war deutlich druckvoller, beflügelt durch die schnelle Führung in Durchgang zwei.
Nach einer Ecke des bärenstark auftrumpfenden Chaibi köpfte Brassier auf Schlussmann Heuer Fernandes, der so frei war, den Ball nach vorne abzuwehren – Raphael Onyedika war zur Stelle und schoss hinein ins Glück, 2:1 (47.). Das erste Tor des Nigerianers für die Eintracht.
Die blieb am Ball. Wurde das vermeintliche 3:1 von Chaibi wegen einer Abseitsstellung von Knauff noch zurückgepfiffen (62.), war es kurz darauf so weit: Can Uzun legte den Ball per Traumpass in den Lauf von Ebnoutalib, der eiskalt mit links abschloss, 3:1 (69.). Schon das achte Pflichtspieltor des Frankfurter Buben. Respekt.
Das sollte es gewesen sein im stimmungsvollen Stadtwald, weil Eintracht-Torwart Noah Atubolu in der Schlussphase noch zweimal herausragend gut hielt und Fares Chaibi nur die Latte traf (75.). Die Eintracht feiert den zweiten Heimsieg in Serie und den Sprung auf Rang acht im Klassement. Und natürlich Niko Ilicevic.