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Die Bad Wildunger Vipers verspielen gegen Mainz II eine Sechs-Tore-Führung fast vollständig. Merle Pauser rettet einen Punkt.
Bad Wildungen – Wieder nicht gewonnen. Dabei schien es so, als ob der Sieg diesmal sehr früh für die Vipers greifbar gewesen wäre. Denn die Bad Wildunger Handballerinnen starteten furios in das Drittligaheimspiel gegen den FSV Mainz II und lagen bereits nach einer Viertelstunde mit 10:4 in Führung. Am Ende mussten sie froh über das 28:28 (15:13) sein, denn sie waren nur knapp der dritten Niederlage in Serie entronnen.
Es bleibt bei der Berg- und Talfahrt innerhalb der 60 Minuten. „Wir sind momentan auch ein wenig ratlos, denn wir finden einfach keinen Weg, wie wir mehr Kontinuität in unser Spiel bringen können“, sagte Kapitänin Nele Weyh nach dieser Partie. Dieser Weg führt wahrscheinlich durch den Kopf jeder Spielerin, denn Trainer Zoran Radojevic muss immer wieder die selben Wörter bemühen, um die schwankende Leistung seines Teams zu erklären: Konzentrationsschwächen und mangelnde Kommunikation führen zu den vielen einfachen Fehlern vorn wie hinten.
Davon war in der Anfangsphase gegen Mainz nichts zu sehen. Die Vipers spielten wie aus einem Guss, standen wie ein Bollwerk in der 5:1-Deckung. Auch im Angriff war die Furcht vor dem Wurf nicht zu sehen, sondern der Ball lief bei vielen Aktionen so lange von Hand zu Hand, bis eine günstige Wurfposition erreicht wurde. Mal kam der Treffer aus dem Rückraum, dann vom Kreis oder von den Flügeln, hier vor allem von rechts von Lena Klöcker. Sie hilft ja nur aus, ist aber eigentlich unverzichtbar für die Vipers, auch weil sich Linksaußen Hua Lu Kuliboer im Training den Zeh gebrochen hat und sechs Wochen ausfallen wird.
Radojevic gab auch Turid Hartløff wieder mehr Spielzeit und die lange verletzte Norwegerin zeigte zumindest ansatzweise wieder ihre Dynamik, die so wichtig für die Spielgeschwindigkeit in dieser Mannschaft ist. Sie erzielte auch ihr erstes Saisontor – am Ende kam sie auf drei Treffer.
Nachdem der Vipers-Motor wie geschmiert lief, überlegte sich die Mainzer Trainerin Hanna Dankwardt eine Bremsmöglichkeit. Sie schickte sieben Feldspielerinnen auf die Platte und das nahm den Vipers tatsächlich den Wind aus den Segeln. Mit der 5:1-Deckung war das jetzt nicht mehr zu verteidigen und die 6:0-Variante bot einfach mehr Angriffsfläche für die Gäste. Da sich diese Veränderung auch auf den Angriffsmut und die Treffsicherheit der Vipers auswirkte, holte Mainz nun Tor um Tor auf.
Wildungen rettete zwar einen Zwei-Tore-Vorsprung noch in die Halbzeitpause, aber auch nach dem Wechsel schienen die Vipers geradezu um den Ausgleich zu betteln. Sie leisteten sich nun wieder viele einfache Fehler, sodass Mainz nur fünf Minuten benötigte, um zum Ausgleich (16:16) und drei Minuten später zur ersten Führung zu kommen. Die Partie wogte nun hin und her und dann schien es so, als ob die Vipers nochmal an Höhe gewinnen könnten, denn der Treffer von Hartløff bedeutete das 27:24 (54.).
Das sollte doch zum Sieg reichen. Aber nein, Weyh handelte sich eine Zwei-Minuten-Strafe ein und die Mainzerin Juliane Dold zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll eine Anführerin in einer Mannschaft sein kann. Die Rückraumspielerin war nun der Turm in der Schlacht. Wenn ihre Mitspielerinnen nicht mehr weiterwussten, gaben sie ihr den Ball und Dold brachte ihn auch Tor unter, egal wie. Sie erzielte fünf ihrer 15 Treffer in der Schlussphase, während bei den Vipers Hering, Hartløff, Merle Pauser und Fiona Adam gute Tormöglichkeiten nicht nutzten.
Allerdings zeigte Kim Hering zuvor mit einer starken Leistung, dass auch sie drauf und dran ist, die noch offene Anführerinnenrolle bei den Vipers zu übernehmen.
So holte der FSV nicht nur die drei Tore auf, sondern sah nach dem 28:27 fast schon wie der Sieger aus. Pausers Treffer 35 Sekunden vor Schluss rettete aber doch noch das Unentschieden für die Vipers, das sich trotzdem wie eine Niederlage anfühlte. Das sah die Mainzer Trainerin anders. „Für uns ist es definitiv ein gewonnener Punkt“, sagte Dankwardt bescheiden, die vier Spielerinnen an die erste Mannschaft abgeben musste.
Ihr Trainerkollege Radojevic weiß derzeit nicht so recht, was er nach den Spielen noch sagen soll, denn er kann sich diese Leistungsschwankungen nicht mehr so recht erklären. Der Serbe hofft, dass er die kommenden 14 Tage nutzen kann, um endlich einen Weg für eine konstantere Spielweise zu finden, denn die Liga pausiert am kommenden Wochenende. (Reinhard Schmidt)