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Nach fast 20 Jahren wird Trainer Frank Schmidt den 1. FC Heidenheim verlassen. Mit SWR Sport spricht er über seine Beweggründe.
SWR Sport: Frank Schmidt, es war eine Entscheidung zwischen Kopf, Herz und Bauch, wie war die Diskussion der Organe?
Frank Schmidt: Ja, bildlich gesehen. Ich glaube, das kann sich jeder vorstellen, wenn man so lange wie ich hier bei einem Verein sein darf - erst als Spieler, dann als Trainer. Dann ist es natürlich so, dass man dann auch mit dem Herzen hier hängt und das Herz dann auch, wenn so eine Entscheidung bevorsteht, sagt: Mach doch weiter, ist doch alles so wie immer. Aber so einfach wollte und konnte ich es mir auch nicht machen nach so einer langen Zeit. Auch nach den letzten Jahren, die natürlich aufgrund des Abstiegs in der Bundesliga eine Menge Kraft gekostet haben und natürlich auch in meinen Entscheidungen eine Rolle gespielt haben.
Der Bauch und der Verstand sagen, vielleicht ist es auch Zeit für eine Veränderung. Sowohl persönlich, aber auch, wenn man dann als Trainer auf die andere Seite schaut, aus Sicht des Vereins. Und das habe ich alles mit einfließen lassen. Ich habe mir jeden Tag intensive Gedanken gemacht, speziell nach dem letzten Gespräch mit Holger Sanwald in der letzten Länderspielpause. So eine Entscheidung macht man sich nicht einfach, weil man auch nichts falsch machen will. Aber am Ende, denke ich, steht eine richtige und auch eine klare Entscheidung. Wenn man es dann so sehen will, hat sich der Bauch und der Verstand dann durchgesetzt.
Sie haben auch angedeutet, als Trainer ist man oft alleine, muss immer vorangehen, was andere vielleicht nicht immer müssen. War es eine einsame Entscheidung in dem Sinn oder haben Sie sich Rat geholt? Und wie hat dann die Familie reagiert?
Ich bin ein Mensch, der sehr viel mit sich selber ausmacht. Dann versucht man vielleicht mal, mit der Frau zu reden, aber sie kann dann auch nicht die richtigen Tipps geben, weil sie ja hier nicht jeden Tag mit dabei ist und das auch versteht, was das für einen Trainer oder für einen Menschen dann auch bedeutet. Denn ich bin jetzt keiner, der zu Hause alles nach Trainingseinheiten oder Spielen ausdiskutiert. Deswegen habe ich, wie so oft, viel mit mir selber ausgemacht. Und wenn ich dann auf mein vergangenes Leben schaue habe ich meistens dann auch die richtigen Entscheidungen getroffen.
Und wie war die Reaktion dann von der Frau? Erleichterung und Freude?
Ne, also neutral. Sie hätte es verstanden, auch gut geheißen, wenn ich weitergemacht hätte, weil sie natürlich die Konstellation kennt. Wenn man in der Heimat so einen Job, Beruf, so eine Leidenschaft ausführen darf, dann ist es natürlich etwas Besonderes. Auf der anderen Seite kriegt sie natürlich auch mit, was das dann mit einem Menschen insbesondere macht, über so eine lange Zeit, auch gerade die letzten Wochen und Monate, wo wir eben nicht so diesen Erfolg gehabt haben. Das spielt mit rein, das zahlt mit ein und sie hat natürlich dann am Ende auch vollstes Verständnis dafür.
Sie haben es angedeutet: Natürlich Abstiegskampf, zwei Jahre hintereinander, ist auch richtig hart, geht an die Kraftreserven. Wie geht es Ihnen jetzt gerade?
Natürlich macht es in dem Moment was. Das kann man nicht einfach so wegschütteln und sagen, na gut, machen wir einfach so weiter und wird schon wieder irgendwie gut werden, drücken wir alle schön die Daumen. Sondern da ist sehr viel Herzblut, da sind sehr viele Gedanken, da sind sehr viele Gespräche, da sind viele Analysen. Und natürlich muss ein Trainer immer auch eine Richtung vorgeben. Das fällt natürlich dann in so einer Phase nicht ganz so einfach. Trotzdem haben wir gekämpft bis zum Schluss im Abstiegsjahr und hätten es ja fast noch geschafft, über die Ziellinie zu kommen. Aber das muss man dann akzeptieren. War auch nicht ganz unverdient, dass wir den Gang dann wieder angetreten haben in die 2. Liga.
Und natürlich sind es dann wieder so zwei Schritte zurück, ein gewisser Neuanfang. Und ich finde, wenn man die ersten zehn Spieltage nimmt, dann war nicht alles gut. Es gab auch schwächere Spiele wie gegen Hertha, gegen den KSC, aber auch viele positive Aspekte. Und wir haben uns, ein Beispiel einfach dazu, unfassbar schwer getan, in der Bundesliga Torchancen zu erspielen. Nach zehn Spieltagen in der zweiten Liga haben wir die größten Großchancen herausgespielt, herausgearbeitet. Es zeigt einfach, dass es dann natürlich auch wieder anders sein kann, auch mehr Spaß macht. Aber am Ende müssen die Ergebnisse stimmen. Und nach den letzten fünf Spielen haben wir natürlich auch wieder Aufholbedarf.
Aber die Frage war, wie geht's Ihnen? Holger Sanwald hat angedeutet, er hat eigentlich gespürt, dass da eine gewisse Lockerheit wieder da ist. Wahrscheinlich auch mit den Erfolgen, die dann wieder da waren, aber auch vielleicht die Lockerheit, einfach weil man wusste, ich habe die Entscheidung für mich getroffen.
Ja, vor der Saison, glaube ich, haben wir das auch schon alle festgestellt, dass ich da Bock drauf habe und das ich jetzt nicht sage, ich mache einfach weiter, weil der Vertrag halt noch ein Jahr läuft. Und natürlich, wenn dann die Gedanken kommen, die Gespräche mit dem Verein kommen, wie die Zukunft eigentlich aussieht, dann macht man sich intensiv Gedanken. Und wenn man dann zu einer Entscheidung kommt, dann auch aufzuhören, dann ist auch gut, dass man es dann auch ausspricht - und nicht irgendwie der Öffentlichkeit, den Fans, den Mitgliedern, den Sponsoren, den Mitarbeitern, der Mannschaft irgendwas vormacht. Wir konnten es nicht schneller kommunizieren. Wahrscheinlich so schnell, wie es im Profifußball noch nie gegangen ist, haben wir das dann auch kommuniziert, intern und extern.
Und das ist, glaube ich, für mich dann schon auch wichtig, dass man weiß, da ist eine Ziellinie. Im letzten Jahr möchte man natürlich durch die Vordertür raus und dann hilft es, wenn man weiß, der Wunsch, der in einem so ein bisschen dann auch vorhanden ist, geht in Erfüllung, dass dann auch mal das Ende in Sicht ist. Und das meine ich jetzt nicht negativ, sondern es ist wirklich auch eine persönliche Entscheidung, die da im Vordergrund steht. Dann hat man Bock auf das, was kommt und freut sich jeden Tag dann auch mit der Mannschaft dafür zu arbeiten, dass wir am Ende der Saison etwas Sportliches zu feiern haben. Und das ist das, was mich antreibt.
Man hat bei Ihnen immer den Eindruck, Sie gehen immer all in. Also es wird immer alles gegeben. Aber setzt so eine Entscheidung oder das Wissen, jetzt ist es die letzte Saison nach 20 Jahren, nochmal mehr Kräfte frei?
Das weiß ich jetzt nicht. Also ich bin keiner, der da irgendwie taktiert und irgendwelche Ereignisse grundsätzlich braucht, um selber ans Limit zu kommen. Da ist mein persönlicher Ehrgeiz, meine Einstellung viel zu groß. Ich habe jetzt ein Ziel, diese Saison wie auch jedes Jahr. Wir haben immer ein Ziel auch für uns definiert, gefunden, angepasst, oft erreicht, auch mal gescheitert. Dass es jetzt einfach heißt: in der 2. Liga 24 Spiele, zusammen mit meiner Mannschaft, weil ein Trainer allein wird es nie schaffen. Man braucht immer eine gute Mannschaft auf dem Platz, aber auch um den Platz herum. Und mein erster Eindruck ist, dass alle bereit sind, alles dafür zu tun, dass wir in dieser Saison möglichst erfolgreich abschneiden.
Jetzt sind es noch 24 Etappen, aber wenn man mal an die letzte denkt, was wäre für Sie dann ein perfekter Abschluss nach 20 Jahren?
Wenn der Verein, wenn die Fans, die Partner, Sponsoren, die Mitglieder des Stadions zufrieden sind, dann werde ich es am Ende auch sein.
Also keiner ist größer als der Verein, auch nicht Frank Schmidt?
Ja, ich habe noch nie was anderes gesagt und habe mich auch noch nie anders verhalten. Jeder weiß das. Ich habe das immer gesagt, auch oft im Interview. Ich bin ein Dienstleister für den Verein und für meine Mannschaft. Und natürlich muss man wichtige Entscheidungen treffen. Aber wichtig ist jeder einzelne. Unsere Kabine war heute wieder sauber herausgeputzt von der Putzrau. Das habe ich immer betont. Wer das nicht wertschätzt, der kann auch selber keine gute Leistung bringen. Von daher habe ich mich immer als Teil eines Ganzen gesehen und in meinem Bereich versucht, immer die besten Entscheidungen zu treffen.
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