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Bei Eintracht Frankfurt läuft die Suche nach einem Nachfolger für Markus Krösche auf Hochtouren. Mit Joti Chatzialexiou vom 1. FC Nürnberg und Marcel Schäfer von RB Leipzig sollen nur noch zwei Kandidaten im Rennen sein. Der Nürnberger Sportvorstand gilt inzwischen sogar als Favorit auf den vakanten Posten.
Für den 50-Jährigen spricht insbesondere seine erfolgreiche Arbeit auf dem Transfermarkt. Seit seinem Amtsantritt Ende Mai 2024 hat Chatzialexiou mehrfach ein gutes Händchen bewiesen, junge Spieler günstig verpflichtet, von Trainer Miroslav Klose weiterentwickeln lassen und anschließend für Millionensummen verkauft. Auch das Scouting in weniger beachteten Ligen trägt inzwischen Früchte.
Das finanziell spektakulärste Geschäft gelang Chatzialexiou mit Stefanos Tzimas. Der griechische Angreifer kam im Sommer 2024 zunächst auf Leihbasis von PAOK Saloniki. Nach überzeugenden Leistungen zog der Club die Kaufoption über 18 Millionen Euro und verkaufte Tzimas für 26,5 Millionen Euro an Brighton & Hove Albion weiter. Eine rechnerische Ablösedifferenz von 8,5 Millionen Euro.
Auch bei Luka Lochoshvili bewies der FCN ein gutes Händchen. Der georgische Nationalspieler kam im Sommer 2025 für lediglich eine Million Euro vom italienischen Zweitligisten US Cremonese. In Nürnberg entwickelte sich der Innenverteidiger zum Leistungsträger und wechselte nur ein Jahr später für 4,9 Millionen Euro zum 1. FC Köln.
Ähnlich erfolgreich verlief die Verpflichtung von Fabio Gruber. Den Innenverteidiger holten die Franken im Februar 2025 für 700.000 Euro vom Drittligisten SC Verl. Gruber entwickelte sich zum Nürnberger Kapitän und schaffte schließlich den Sprung in die Bundesliga. Für seinen Wechsel zum 1. FSV Mainz 05 kassierte der Club 3,5 Millionen Euro.
Die gewinnbringendsten Verkäufe von Chatzialexious eigenen Verpflichtungen:
Spieler |
Einkauf |
Verkauf |
Differenz |
|---|---|---|---|
Stefanos Tzimas |
18 Mio. € |
26,5 Mio. € |
+8,5 Mio. € |
Luka Lochoshvili |
1 Mio. € |
4,9 Mio. € |
+3,9 Mio. € |
Fabio Gruber |
0,7 Mio. € |
3,5 Mio. € |
+2,8 Mio. € |
Gesamt |
19,7 Mio. € |
34,9 Mio. € |
+15,2 Mio. € |
Quelle: Transfermarkt.de. Die Differenz berücksichtigt keine zusätzlichen Kosten oder möglichen Weiterverkaufsbeteiligungen.
Der nächste Millionendeal könnte sich bereits anbahnen. Im August 2025 holte Chatzialexiou den damals 21-jährigen Mohamed Alì Zoma für gerade einmal 800.000 Euro vom italienischen Drittligisten UC AlbinoLeffe. Bei seiner Verpflichtung lag Zomas Marktwert bei lediglich 500.000 Euro.
Nach 14 Treffern in seiner ersten Zweitligasaison setzte der Italiener seinen Aufstieg in der laufenden Spielzeit fort. Mit sieben Toren in seinen ersten acht Ligaspielen schoss sich Zoma an die Spitze der Torjägerliste und in die italienische Nationalmannschaft. Parallel dazu explodierte sein Marktwert auf 20 Millionen Euro. Damit ist der Angreifer inzwischen der wertvollste Spieler der 2. Bundesliga.
Besonders bemerkenswert ist allerdings, dass Zoma überhaupt noch für Nürnberg spielt. Im vergangenen Sommer lehnte der FCN nach Bild-Informationen unter anderem ein Angebot von West Ham United über 20 Millionen Euro inklusive Boni ab. Auch Olympique Marseille soll mit einer ähnlich hohen Offerte gescheitert sein. "In der Vergangenheit musste ich immer verkaufen. Nun bin ich froh, einmal ‚nein‘ sagen zu können", erklärte Chatzialexiou Ende August.
Dass sich diese Entscheidung sportlich zunächst auszahlte, bewies Zoma mit seinen Toren nach dem Ende der Transferperiode. Erst Mitte Oktober wurde sein Höhenflug durch eine Schulterverletzung gestoppt. Dennoch zeigt das Beispiel, dass Chatzialexiou seine Leistungsträger nicht um jeden Preis verkauft, sondern auch bereit ist, zugunsten des sportlichen Erfolgs auf hohe Einnahmen zu verzichten.
Dass der Nürnberger Sportvorstand interessante Spieler abseits der großen europäischen Ligen findet, zeigt auch Adam Markhiev. Den finnischen Nationalspieler verpflichtete Chatzialexiou im Sommer 2025 für 2,5 Millionen Euro von Aris Limassol aus der ersten zyprischen Liga. Sein Marktwert lag damals bei lediglich einer Million Euro. Nur rund ein Jahr später wird der Mittelfeldspieler, der längst zu den Nürnberger Leistungsträgern gehört, auf sechs Millionen Euro taxiert.
Mit Fynn Otto gelang Nürnberg im vergangenen Sommer zudem ein weiterer interessanter Griff aus der 3. Liga. Der Innenverteidiger kam ablösefrei vom SC Verl und etablierte sich auf Anhieb in der Stammelf. Hinzu kommen wirtschaftlich attraktive Verpflichtungen wie Julian Justvan, der 2024 für eine Million Euro aus Hoffenheim kam und seinen Marktwert von 1,5 auf 2,2 Millionen Euro steigerte, sowie Finn Becker, der 2025 für lediglich 250.000 Euro ebenfalls von der TSG verpflichtet wurde.
Die erfolgreiche Kaderentwicklung macht sich auch beim Gesamtwert bemerkbar. Beim Marktwert-Update im September 2026 legte Nürnberg um mehr als 21 Millionen Euro auf insgesamt 63 Millionen Euro zu. Kein anderer Zweitligist verzeichnete einen vergleichbar hohen absoluten Zuwachs.
Natürlich ist auch die Nürnberger Transferbilanz nicht frei von Fehlgriffen. So konnten die im Sommer 2025 verpflichteten Angreifer Mickaël Biron und Semir Telalovic die Erwartungen bislang nicht erfüllen und wurden zwischenzeitlich verliehen. Beide hatten den Club zusammen 1,1 Millionen Euro gekostet. Ein realisierter Ablöseverlust lässt sich daraus allerdings noch nicht berechnen.
Zu den größten Verkäufen seiner Amtszeit gehören allerdings auch Spieler, die schon vor Chatzialexious Ankunft beim Club unter Vertrag standen oder deren Verpflichtung bereits vereinbart war. Das prominenteste Beispiel ist Caspar Jander. Der Mittelfeldspieler wurde bereits im Januar 2024 ablösefrei vom MSV Duisburg verpflichtet und wechselte im Sommer 2025 für zwölf Millionen Euro zum FC Southampton.
Auch die Eigengewächse Can Uzun und Finn Jeltsch brachten dem FCN beträchtliche Einnahmen. Während Uzun im Sommer 2024 für elf Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt wechselte, kassierten die Franken im Februar 2025 stolze 9,5 Millionen Euro für Jeltsch vom VfB Stuttgart. Hinzu kommt Jens Castrop, der bereits 2023 für 900.000 Euro fest verpflichtet worden war und 2025 für 4,5 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach wechselte.
Diese Geschäfte zeigen, dass Chatzialexiou auch beim Verkauf bereits vorhandener Leistungsträger hohe Ablösen erzielen konnte. Seine eigenen Transfers belegen darüber hinaus, dass er vielversprechende Spieler abseits der großen Ligen findet, weiterentwickeln lässt und gewinnbringend verkauft. Ob er dieses Modell auch auf Bundesliga-Niveau erfolgreich fortsetzen kann, wäre die entscheidende Frage für Eintracht Frankfurt. Die Eintracht wäre angesichts der vergangenen Jahre allerdings wohl einer der besten Orte dafür.