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Angefangen hatte alles mit Hoeneß, der sich an Karls Verhalten neben dem Fußballplatz störte. Den Bayern soll es zu viel Lifestyle-Leben und Glamour-Genuss sein. „Ich plane, ein ernstes Wort mit ihm zu sprechen. Er ist weit davon entfernt, ein Superstar zu sein. Vergleiche mit Olise tun ihm offensichtlich nicht gut, da liegen noch Welten dazwischen“, grantelte Hoeneß via „Welt“.
Das wurde als Maßregelung für einen 18-jährigen Aufsteiger mit Hang zur Selbstinszenierung verstanden. Und gewissermaßen war sie das ja. Mindestens in gleichem Maße aber glich es einer Art Ritterschlag für Karl. Klingt kurios, aber: Hoeneß adelte, indem er tadelte.
Das Gesetz ist so alt wie bewährt.
, sieht er etwas in ihm. Will ihn kitzeln. Herausfordern. Vielleicht auch triggern, wobei es das Wort „triggern“ in den 80er-, 90er- und 00er-Jahren nicht gab. Hoeneß triggerte trotzdem. Er mag das.
wenn der Mister FC Bayern nicht oder nicht mehr über einen Spieler redet.
Beispiele für Hoeneß-Rügen gibt es etliche. Den avisierten Kahn-Nachfolger Michael Rensing hat er einst heruntergestutzt – und zeitgleich getönt, es sei doch völlig klar, dass Rensing mal Nationaltorwart werde. Wer denn sonst? Etwa dieser unbekannte Schalker, wie heißt er noch, ach ja, Manuel Neuer?
Berühmt ist Hoeneß‘ Satz über den frechen, flippigen Bastian Schweinsteiger nach der WM 2006: „Dem Schweini haben in den letzten sechs Monaten zu viele Leute Puderzucker in den Hintern geblasen. Den klopfe ich nun wieder raus.“ Er klopfte lange. Wahrlich.
In Wahrheit aber hatte Hoeneß immer ein Faible für Youngster, die Potenzial für Großes mitbrachten. Trainer Thomas Tuchel kreidete er sogar ausdrücklich an, der Jugend zu wenig zu vertrauen. Wobei Hoeneß dem bei Bayern fremdelnden Tuchel vieles ankreidete.
Jedenfalls ist bei Karl alles auf den Weg gebracht. Jeder erkennt ja sein Talent, seine Anlagen, seinen Auftritt. Hoeneß, ganz alte Schule, ging bewusst den medialen Weg, um Gehör zu finden. Beim Spieler, dessen Umfeld und in der breiten Öffentlichkeit. Siehe da: Es klappte. Also zumindest das mit der breiten Öffentlichkeit.
Das Argument der Jugend ist ein valides bei Karl. Was haben Sie mit 18 gemacht? Eher nicht ein Champions-League-Tor für den FC Bayern bei Atlético Madrid geschossen. Den provokanten Jubel danach sollte er sich dennoch sparen – zumal es nicht der erste war. Zwei Pflichtspieltore hat Karl in dieser Saison bisher erzielt, nach beiden gab’s Aufregung um seine Gesten. In Elversberg (wofür sich Karl später entschuldigte) und nun in Madrid. Unnötige Angriffsflächen.
Uli Hoeneß empfahl Lennart Karl in seinem Interview mehr „Demut“. Das ist eines seiner Lieblingswörter. Und sagen wir so: Demut hat vielen Nachwuchsüberfliegern nicht geschadet. Obgleich es, natürlich, nicht bei allen zur Spitzenklasse reichen konnte.
Michael Rensing wurde kein Nationaltorwart. Bastian Schweinsteiger wurde Weltmeister.