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Der MSC Rund um Schotten beendet den Historic Grand Prix nach 35 Jahren für immer. Zuletzt fraß die Veranstaltung jährlich rund 250.000 Euro – bei sinkenden Besucherzahlen.
Schotten – „Für Schotten und die Region ist der Verlust dieser Veranstaltung ein Riesending“, sagt Bürgermeister Benjamin Göbl (parteilos). Dass der MSC Rund um Schotten den Schottenring Historic Grand Prix im nächsten Jahr nicht mehr ausrichten wird, trifft den Motorsportfan Göbl sowohl privat als auch als Verwaltungschef. „Das ist ein Einschnitt in unser touristisches Angebot“, sagt er. Besonders schmerzhaft: Die Absage ist keine temporäre Pause. Es werde keinen Schottenring Historic Grand Prix mehr geben, betont der Verein in einer Pressemitteilung. „Diese Entscheidung ist endgültig.“
Damit verliert der historische Motorsport eine einzigartige Veranstaltung. „Das war das Monaco von Deutschland“, schwärmt Göbl von dem Straßenkurs. Im Unterschied zu permanenten Rennstrecken, auf denen viele Läufe der Deutschen Historischen Motorradmeisterschaft (DHM) ausgetragen werden, ließen sich auf dem Kurs mit der Seestraße und der B 457 Rennmaschinen und Fahrer hautnah erleben. „Das war ein absolutes Alleinstellungsmerkmal“, stellt Göbl fest.
Dadurch hatte sich der Schottenring Historic Grand Prix einen festen Platz im Terminkalender vieler Motorsportfreunde und Liebhaber alter Technik gesichert, seit der MSC mit der Premiere 1989 an seine Tradition großer Rennveranstaltungen angeknüpft hatte. Fahrer und Gäste reisten aus ganz Deutschland und dem benachbarten europäischen Ausland an.
Mit Folgen, wie Göbl sich erinnert: Freundschaften und auch engere Beziehungen entstanden in Schotten. Sogar Ehen seien danach geschlossen worden.
Teil der besonderen Atmosphäre war auch, dass der Grand Prix als Gleichmäßigkeitslauf ausgeschrieben war. Er bot den Fahrern die Möglichkeit, ihre Rennmaschinen typgerecht zu bewegen. Weil es nicht um Bestzeiten ging, wurden unnötige Risiken für die Motorräder und die oft ebenfalls betagten Fahrer vermieden.
Neben den zahlreichen namenlosen Enthusiasten konnte der MSC in der Hochzeit der Veranstaltung große Fahrer wie Giacomo Agostini, Jim Redman, Toni Mang oder Phil Read nach Schotten holen. Diese gaben sich nahbar. Nicht nur Erinnerungsfotos, auch sehr persönliche Gespräche mit den Stars waren möglich.
Bis zu 20 000 Besucher kamen an guten Tagen an den Schottenring. Große Konzerne wie Kawasaki, BMW und Audi als Bewahrer der Tradition von DKW und NSU bereicherten den Grand Prix mit ihrer Präsenz und historisch bedeutsamen Motorrädern. Sogar einen Audi Sport Quattro konnte man damals auf dem engen Kurs live erleben.
Das Niveau dieser Zeit konnte und wollte der MSC in den vergangenen Jahren nicht mehr erreichen, denn der Aufwand hatte ebenfalls ein schwindelerregendes Niveau erreicht. Als die Rennläufe 2015 wegen anhaltenden starken Regens abgebrochen werden mussten, zeigten sich die finanziellen Risiken für den rund 400 Mitglieder starken MSC. Nach 5400 Besuchern am Samstag kamen am Sonntag nur wenige Hundert. Rund 75 000 Euro Defizit befürchtete der Vorsitzende Wolfgang Wagner nach dem Rennwochenende.
Wirklich niedriger wurden die Kosten des Schottenring Historic Grand Prix trotz des Versuchs, ihn gesund zu schrumpfen, nicht. Rund 250 000 Euro jährlich koste die Veranstaltung, erklärt Wagner. „In den vergangenen Jahren hatten wir fast eine Verdoppelung der Kosten.“ Zugleich gingen die Starter- und Zuschauerzahlen zurück.
Bei 20 000 bis 30 000 Euro lagen die Defizite für ein Rennwochenende. „Ich kann nicht erklären, dass wir die Mitgliedsbeiträge verwenden, um den Schottenring Grand Prix veranstalten zu können“, erläutert Wagner, warum er sich gemeinsam mit dem Vorstand für ein Ende der Traditionsveranstaltung aussprechen musste. Im Gespräch merkt man, dass die Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Statt zweier motorsportlicher Großveranstaltungen will sich der MSC Rund um Schotten jetzt auf den Bergpreis Schottenring konzentrieren. Zwar ist auch hier der Aufwand durch Sicherungsmaßnahmen gewachsen. Zumindest muss der MSC für das Bergrennen aber nicht die Sperrung einer Bundesstraße beantragen.
Wagner berichtet, dass der Verein auch über weitere Motorsportveranstaltungen nachdenkt. Zunächst soll aber der Bergpreis aufgewertet werden. „Wir sind im Gespräch mit Hessen Mobil, doppelte Leitplanken an der Strecke zu montieren“, erläutert Wagner. Dann könnten auch Formelfahrzeuge starten. Perspektivisch seien sogar Europameisterschaftsläufe denkbar.